Hormonersatztherapie: Progestogen könnte Risiko für Autoimmunerkrankungen beeinflussen

Symbolbild KI-generiert mit Gemini.

Eine Hormonersatztherapie (HRT) mit systemischem Östrogen allein war in einer Studie mit einem leicht erhöhten Gesamtrisiko für Autoimmunerkrankungen verbunden. Unter einer Kombinationstherapie aus Östrogen und Progestogen lag das Risiko etwas niedriger.

Progestogen, das im Rahmen einer HRT eingesetzt wird, ist für seine schützende Wirkung auf die Gebärmutter bekannt. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass die zusätzliche Gabe von Progestogen das erhöhte Risiko für Autoimmunerkrankungen – betrachtet als Gesamtheit – verringert, das mit einer reinen Östrogentherapie einhergeht. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Jahrestagung 2026 der „The Menopause Society“ vorgestellt, die vom 20. bis 24. Oktober 2026 in San Diego stattfand.

Frühere Untersuchungen haben bereits einen Zusammenhang zwischen einer HRT in den Wechseljahren und einem erhöhten Risiko für Autoimmunerkrankungen aufgezeigt. Der Einfluss von Progestogen auf dieses Risiko blieb jedoch bislang unklar.

20 Autoimmunerkrankungen untersucht

Eine neue, groß angelegte Studie verglich das Risiko für das Auftreten von Autoimmunerkrankungen bei Frauen, die entweder eine systemische reine Östrogentherapie oder eine systemische Kombinationstherapie aus Östrogen und Progestogen erhielten. Untersucht wurden dabei sowohl Autoimmunerkrankungen insgesamt als auch 20 spezifische einzelne Autoimmunerkrankungen, die 180 Tage oder länger nach Beginn der HRT auftraten.

Die Studie nutzte Daten aus dem „TriNetX US Collaborative Network“ und umfasste fast 110.000 Frauen in den Wechseljahren, die mittels eines Propensity-Score-Matchings in Gruppen eingeteilt wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass eine systemische reine Östrogentherapie mit einem leicht erhöhten insgesamten Risiko für Autoimmunerkrankungen verbunden war, verglichen mit einer Kombinationstherapie aus Östrogen und Progestogen (4,9 % gegenüber 4,5 %). In der Gruppe, die ausschließlich Östrogen erhielt, wurden signifikant höhere Risiken für systemischen Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Psoriasis, Psoriasis-Arthritis, Multiple Sklerose und Lichen sclerosus festgestellt. Für andere Autoimmunerkrankungen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.

Ergebnisse als hypothesengenerierend einzuordnen

Obwohl für bestimmte Autoimmunerkrankungen signifikante Zusammenhänge beobachtet wurden, waren die absoluten Ereignisraten und Risikodifferenzen gering. Die Forschenden weisen darauf hin, dass prospektive Studien erforderlich sind, um die immunologischen Auswirkungen verschiedener Formen der HRT in den Wechseljahren weiter zu klären.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das mit einer HRT in den Wechseljahren verbundene Risiko für Autoimmunerkrankungen je nach Hormonzusammensetzung variieren kann. Obwohl eine reine Östrogentherapie im Vergleich zu einer kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie mit einem geringfügig höheren Risiko für das Auftreten von Autoimmunerkrankungen einherging, waren die absoluten Unterschiede gering. Diese Ergebnisse sollten als hypothesengenerierend betrachtet werden und erfordern weiterführende prospektive Untersuchungen“, erklärt der Hauptautor Xuezhi Daniel Jiang, Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie am Drexel University College of Medicine.

(lj/BIERMANN)

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