Hydrogel soll Heilung chronischer Wunden verbessern15. Dezember 2025 Dr. Stephan Schandl bei der Laborarbeit. © Universität Siegen Forschende der Universität Siegen sind an einem Verbundprojekt zur Behandlung chronischer Wunden beteiligt. Ziel ist es, ein 4D-Hydrogel zu realisieren, das Bakterien in Wunden abtötet und den Heilungsprozess unterstützt. Weltweit leiden rund 300 Millionen Menschen an chronischen Wunden. Ihre Versorgung ist eine große Herausforderung: In den Wundhöhlen verbleiben häufig Bakterien, die immer wieder Entzündungen auslösen und dadurch die Heilung verhindern. Wissenschaftler der Universität Siegen forschen gemeinsam mit Kollegen aus acht europäischen Ländern an einer neuen Therapieform. Im Projekt INJECTHEAL möchten sie ein 4D-Hydrogel entwickeln, mit dem chronische Wunden besser behandelt werden können. Das gesamte Projekt wird im Rahmen des EU-Programms „Horizon Europe“ mit insgesamt 7,3 Mio. Euro gefördert. Regenerativ und bakteriozid Das multifunktionale Hydrogel soll künftig direkt in chronische Wunden eingebracht werden, um vor Ort verschiedene Wirkstoffe freizusetzen. „Man kann sich das wie eine Art Bauschaum vorstellen, mit dem der gesamte Wundraum ausgefüllt wird“, erklärt Prof. Holger Schönherr, Leiter der Arbeitsgruppe „Physikalische Chemie I“ an der Universität Siegen. Das Gel enthält verkapselte Substanzen, die Bakterien abtöten und Entzündungen eindämmen sollen. Gleichzeitig unterstützen weitere Wirkstoffe die Regeneration des Gewebes. „Diese Kombination ist neu. Sie könnte die Versorgung chronischer Wunden revolutionieren“, sagt Schönherr. Das Team der Universität Siegen erhält im Rahmen des Projektes rund 800.000 Euro Fördermittel, um ein Verfahren zur Einkapselung der Wirkstoffe zu entwickeln. Konkret geht es darum, spezielle Polymere herzustellen, aus denen sich mikroskopisch kleine Kapseln bilden lassen, erklärt Dr. Stephan Schandl: „Diese mit Wirkstoffen gefüllten Kapseln bringen wir anschließend in das Gel ein. Entscheidend ist, dass die Kapseln die Substanzen nach und nach freigeben, damit sie über das Gel lokal gezielt und nachhaltig wirken können.“ Hydrogel aus Pektin und Gelatine optimal verpackt Um das Hydrogel-System zu realisieren, arbeiten die Wissenschaftler länderübergreifend Hand in Hand. Die Wirkstoffe werden an der University of Brighton (Vereinigtes Königreich) hergestellt. Während das Siegener Projektteam an der optimalen Einkapselung forscht, entwickeln Forschende der Politecnico di Torino (Italien) ein auf Pektin und Gelatine basierendes Hydrogel als Trägersystem. Wichtig ist, dass das Gel biokompatibel ist und sich mit der Zeit selbst abbaut – so können körpereigene Zellen nachwachsen und die Wunde schließen. Ziel ist es, das Hydrogel bis Projektende so weit zu entwickeln, dass in einem Folgeprojekt der Einsatz am Menschen geprüft werden könnte. „Das Verfahren erfordert das Zusammenspiel vieler verschiedener Komponenten. Bis Patientinnen und Patienten davon profitieren, wird es daher noch einige Zeit dauern“, sagt Schandl. „Aber die Aussicht, Menschen mit chronischen Wunden künftig besser helfen zu können, ist für uns eine große Motivation.“
Mehr erfahren zu: "Lipidtransporter für die Aufrechterhaltung gesunder Haut identifiziert" Lipidtransporter für die Aufrechterhaltung gesunder Haut identifiziert Forschende aus Singapur haben ein Transmembranprotein identifiziert, das essenzielle Fettsäuren aus dem Blutkreislauf in die Haut transportiert. Damit wird das Verständnis darüber erweitert, wie die Haut ihre Schutzbarriere aufrechterhält.
Mehr erfahren zu: "Deutscher Krebspreis 2026 geht an sechs Wissenschaftler" Deutscher Krebspreis 2026 geht an sechs Wissenschaftler Der Deutsche Krebspreis − verliehen von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebsstiftung − wird jährlich in den Kategorien „Translationale Forschung“, „Klinische Forschung“, „Experimentelle Forschung“ und „Versorgungsforschung“ vergeben.
Mehr erfahren zu: "Kommission empfiehlt Teilkrankschreibung im Job" Kommission empfiehlt Teilkrankschreibung im Job Wenn Beschäftigte erkrankt sind und eine ärztliche Bescheinigung bekommen, fallen sie im Prinzip komplett aus. Über flexiblere Regeln wie eine Teilkrankschreibung wird seit längerem diskutiert. Nun gibt es einen neuen […]