IgG4-RD: Klinische Studie liefert positive Ergebnisse für mögliche Behandlung einer seltenen Erkrankung15. November 2024 Die Immuglobulin-G4-assoziierter Erkrankung wird als selten eingestuft: In den USA, wo die aktuelle Studie durchgeführt wurde, sind weniger als 200.000 Personen davon betroffen. (Abbildung: © vetre/stock.adobe.com) Forschende haben zeigen können, dass ein Medikament, das Risiko für Symptome bei Patienten mit Immuglobulin-G4-assoziierter Erkrankung (IgG4-RD) um 87 Prozent senkt. Die internationale Studie unter der Leitung von Medizinern des Kliniknetzwerkes Mass General Brigham (USA) könnte Fortschritte in der Therapie dieser Erkrankung bringen, die zu schwerwiegenden Symptomen, die eine Reihe von Organen betreffen können, hat: Der Einsatz von Inebilizumab reduzierte in der Untersuchung die Symptome im Vergleich zu Placebo deutlich. „Dies ist ein großer Tag in der Geschichte dieser Krankheit“, kommentiert Hauptautor Dr. John Stone von der Klinik für Rheumatologie, Allergologie und Immunologie am Massachusetts General Hospital (USA). „Wir sind froh, dass wir so eng mit Patienten zusammenarbeiten konnten, um eine Untersuchung durchzuführen, in deren Mittelpunkt speziell deren Erkrankung steht. Das Ziel war, eine Therapie zu finden, die hoffentlich bald für sie zur Verfügung stehen und zugelassen wird.“ Lange Geschichte, aber noch nicht lange als seltene Erkrankung anerkannt Allein für die USA schätzt man, dass weniger als 200.000 Menschen von IgG4-RD betroffen sind. Obwohl die „Orphan Disease“ erst im Jahr 2003 als eigenständige Erkrankung anerkannt ist, deutet die Durchsicht medizinischer Literatur bis zurück in die späten 1800er-Jahre darauf hin, dass es sie damals schon gab – und vielleicht sogar noch viel früher. Bei Menschen mit dieser Erkrankung kommt es zu einer Ansammlung von IgG4-Antikörper produzierenden Immunzellen in bestimmten Organen. Dabei kann die Störung jedes Organ betreffen – und häufig sogar mehrere: In den meisten Fällen sind das Pankreas, die Gallengänge, die Speicheldrüsen, abdominales Gewebe sowie Auge oder Lunge in Mitleidenschaft gezogen. Ist das Auge betroffen, kann es zu Schwellungen und Doppelsehen kommen. Im Falle des Pankreas können sich eine Pankreatitis und Diabetes entwickeln. Ikterus kann die Folge sein, wenn die Gallengänge betroffen sind. In der Lunge kann es zu Beeinträchtigungen von Parenchym, Pleuraraum und Mediastinum kommen, als Symptome können Husten und thorakale Schmerzen auftreten. Bei den meisten IgG4-RD-Patienten dauert es lange, bis die korrekte Diagnose gestellt wird. Viele Betroffene mit Fehldiagnosen erkranken an Krebs, noch bevor die Krankheit richtig erkannt wird. Manche Patienten müssen sich sogar unnötigen Operationen unterziehen, bevor schließlich doch eine IgG4-RD festgestellt wird. Wie bei anderen immunvermittelten Erkrankungen flammen auch bei IgG4-RD-Patienten immer wieder Symptome auf, die eine Immunsuppression erfordern. Traditionell werden dann Steoride gegeben – eine Behandlung, die aber auch mit Nebenwirkungen in Zusammenhang gebracht wird, wie Gewichtszunahme, Depression und Angst, Osteoporose, opportunistische Infektionen und viele mehr. Zudem besteht bei IgG4-RD-Patienten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie die Steroidtherapie nur schlecht vertragen, da bei der Erkrankung häufig die Bauchspeicheldrüse angegriffen wird. „Wenn man einen Patienten mit einem bereits entzündeten Pankreas hat, das deshalb nur schlecht funktioniert und nicht genügend Insulin bildet, führt die zusätzliche Gabe von Steroiden bei einem hohen Prozentsatz von Betroffenen zu Diabetes“, erläutert Stone. Daher werden dringend neue Behandlungsoptionen gebraucht. Wirkmechanismus und Probleme der Therapie In der nun vorgestellten Studie erhielten 135 IgG4-RD-Patienten nach Randomisierung entweder Inebilizumab oder Placebo. Während es im Laufe eines Jahres bei 40 Probanden (59,7%) in der Placebogruppe zu einem Krankheitsschub oder mehreren kam, war dies in der Inebilizumabgruppe bei nur sieben Patienten (10%) der Fall. Das Medikament senkte damit das Risiko für ein Wiederaufflammen der Erkrankung um 87 Prozent. Die Gabe von Inebilizumab führt zu einer Depletion von CD19-exmprimierenden B-Zellen, die, so glaubt man, bei der IgG4-RD eine Schlüsselrolle spielen. Während sich der Wirkstoff in der Studie als hochwirksam erwies, kann er aufgrund der durch ihn herbeigeführten Depletion Antiköper-produzierender B-Zellen auch zu einer Zunahme von Entzündungen führen. Deshalb, so unterstreichen die Autoren, seien langfristige Daten zu seinem Einsatz nötig, um mehr über das Sicherheitsprofil zu erfahren. Die Forschenden merken an, dass eine der Herausforderungen bei Therapien, deren Ziel die Depletion von B-Zellen ist, darin besteht, dass sie das Ansprechen auf Impfungen beeinträchtigen können. Unter anderem schwere COVID-19- oder Grippeerkrankungen können dann die Folge sein. Möglichkeiten, um dieses Risiko zu mindern, bestehen laut den Studienautoren möglicherweise darin, die Patienten noch vor dem Erhalt einer Inebilizumabtherapie gegen Infektionskrankheiten zu impfen, oder die Inebilizumabtherapie vorsichtig einzusetzen – unter Kontrolle von Entzündungsmarkern im Blut der Betroffenen. Arbeit für mehr Aufmerksamkeit auf internationaler Ebene Stone und seine Kollegen setzten sich schon lange für Patienten mit der seltenen IgG4-assoziierten Erkrankung ein: So organsierte Mass General Brigham im Jahr 2011 ein internationales Symposium zu diesem Thema. Im vergangenen Jahr arbeitete Stone weiter daran, internationale Partnerschaften von IgG4-RD-Patienten und Medizinern voranzubringen, in dem er die Stiftung IgG4ward! Ins Leben rief. Stones Hoffnung: „Mit der Veröffentlichung dieser Phase-III-Studie und einer stärkeren öffentlichen Verbreitung wird ein größeres Bewusstsein für die Erkrankung zu früheren Diagnosen und somit auch zu viel besseren Patienten-Outcomes führen.“ Die Studie wurde vom Unternehmen Amgen, das Inebilizumab vertreibt, gesponsert. Inebilizumab ist in Europa zugelassen für die Behandlung von Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen.
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