ESC 2026 IL-6-Antikörper senkt Entzündungsmarker bei chronischer Nierenerkrankung29. August 2026 Bildquelle: kitsawet/stock.adobe.com Der IL-6-Antikörper Pacibekitug kann Entzündungsmarker bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) und erhöhtem inflammatorischem Risiko anhaltend senken, wie aktuelle Daten andeuten. Ob dies auch kardiovaskuläre Ereignisse reduziert, sollen weitere Studien klären. Der gegen Interleukin-6 (IL-6) gerichtete Antikörper Pacibekitug konnte bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) und erhöhtem inflammatorischem Risiko die Konzentration insbesondere des hochsensitiven C-reaktiven Proteins (hs-CRP) anhaltend senken. Das zeigen die Ergebnisse der Phase-II-Studie TRANQUILITY, die am 29. August im Rahmen einer Hot-Line-Session auf dem ESC Congress 2026 vorgestellt wurden. Entzündung als kardiovaskulärer Risikofaktor Die Behandlung bekannter Risikofaktoren wie Hypertonie, Rauchen, Diabetes mellitus, erhöhte Cholesterinwerte und Adipositas kann das kardiovaskuläre Risiko deutlich reduzieren. Diese Faktoren erklären Schätzungen zufolge jedoch nur etwa die Hälfte der weltweiten Krankheitslast durch kardiovaskuläre Erkrankungen1. Damit rückt die Rolle chronischer Entzündungsprozesse zunehmend in den Fokus. Trotz etablierter Therapien weisen etwa 30 Prozent der Patienten mit atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankungen und rund 40 Prozent derjenigen mit gleichzeitig bestehender CKD ein hohes inflammatorisches Risiko auf. Als Marker hierfür gilt insbesondere ein erhöhter Wert des hs-CRP2. IL-6 als möglicher Ansatzpunkt „Eine wachsende Zahl genetischer, epidemiologischer und klinischer Daten deutet darauf hin, dass IL-6 einen zentralen Entzündungsweg vermittelt, der mit dem kardiovaskulären Risiko verbunden ist“, erklärt Studienleiter Prof. Deepak Bhatt von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York (USA). In der placebokontrollierten Phase-II-Studie wurde deshalb an 49 Zentren in den USA der langwirksame monoklonale Antikörper Pacibekitug untersucht, der gezielt gegen IL-6 gerichtet ist. Eingeschlossen wurden 143 Patient:innen mit CKD im Stadium 3 oder 4 und hs-CRP-Werten von zwei bis unter 15 mg/l. Die Studienteilnehmenden wurden im Verhältnis 1:1:1:1 randomisiert und erhielten über sechs Monate entweder Pacibekitug (subkutan in einer Dosierung von 25 mg oder 50 mg alle 90 Tage oder 15 mg alle 30 Tage) oder Placebo. Das mittlere Alter der Teilnehmenden lag bei 69 Jahren, 64 Prozent waren Frauen. 72 Prozent erhielten Statine, bei 59 Prozent bestand ein Diabetes mellitus. Dosisabhängige Senkung des hs-CRP Bereits nach 30 Tagen führte die Behandlung mit Pacibekitug zu einer dosisabhängigen Abnahme des hs-CRP. Dieser Effekt blieb bis zum Tag 180 bestehen. Die mediane zeitlich gemittelte Veränderung des hs-CRP gegenüber dem Ausgangswert bis Tag 180 betrug: +7 Prozent unter Placebo −76 Prozent unter Pacibekitug 25 mg alle 90 Tage −85 Prozent unter Pacibekitug 50 mg alle 90 Tage −89 Prozent unter Pacibekitug 15 mg alle 30 Tage Alle Unterschiede gegenüber Placebo waren statistisch signifikant (jeweils p<0,0001). Auch andere Entzündungsmarker gingen unter Pacibekitug im Vergleich zu Placebo anhaltend zurück. Gleiches galt für Fibrinogen und Lipoprotein(a), einen weiteren mit dem kardiovaskulären Risiko assoziierten Biomarker. Die Behandlung wurde dabei insgesamt gut vertragen. Nur 1,9 Prozent der Teilnehmenden brachen die Behandlung ab. Hinweise auf dosisabhängige neue Sicherheitssignale ergaben sich nicht. Auswirkungen auf kardiovaskuläres Risiko? „Die Ergebnisse der TRANQUILITY-Studie zeigen, dass sich der IL-6-Signalweg mit einer seltenen Dosierung und ohne neue Sicherheitssignale dauerhaft unterdrücken lässt“, fasst Bhatt zusammen. Der nächste Schritt bestehe nun darin zu untersuchen, ob die in TRANQUILITY beobachteten Veränderungen der Biomarker tatsächlich zu besseren kardiovaskulären Behandlungsergebnissen führen. Dies soll in einer größeren und längerfristigen Phase-III-Studie geprüft werden. Referenzen: [1] Global Cardiovascular Risk Consortium. Global effect of cardiovascular risk factors on lifetime estimates. N Engl J Med. 2025;393:125–138.[2] Navar AM et al. Global prevalence of elevated high-sensitivity C-reactive protein in patients with atherosclerotic cardiovascular disease, with and without chronic kidney disease: findings from the POSEIDON study. Atherosclerosis 2026;419:120816.
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