Immunglobulin-A-Nephropathie: Ursache scheint außerhalb der Niere zu liegen

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Laut einer neuen Studie aus den USA liegt die Ursache der Immunglobulin-A(IgA)-Nephropathie wahrscheinlich nicht in der Niere selbst. Die Studie, in der Forschende 16 neue Stellen im Genom aufdeckten, die mit der IgA-Nephropathie in Zusammenhang stehen, bestätigt die Hypothese, dass das Immunsystem eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielt.

Bislang, so erklären die Autoren unter der Leitung von Wissenschaftlern der Columbia University (USA), seien für die Behandlung der IgA-Nephropathie keine gezielten Therapien zugelassen – vor allem weil die zugrunde liegende Ursache der Erkrankung noch nicht genau verstanden sei. Die Identifizierung von Genen, die mit einer Erkrankung assoziiert sind, könne jedoch Hinweise auf deren Ursache liefern und die Entwicklung neuer Medikamente leiten, betonen die Forschenden. Für solche Studien würden jedoch Tausende von Patienten benötigt – Zahlen, die im Falle der IgA-Nephropathie schwer zu erreichen seien.

Obwohl sie im Vergleich zu anderen Formen von Nierenerkrankungen, die mit dem Immunsystem zusammenhängen, häufig vorkommt, ist eine IgA-Nephropathie schwer zu diagnostizieren und bestätigte Patienten schwer zu finden. „Die Diagnose erfordert eine Nierenbiopsie, einen invasiven Eingriff, der viele Risiken birgt, sodass es häufig nicht zu einer Diagnose kommt“, beschreibt Dr. Krzysztof Kiryluk, außerordentlicher Professor für Medizin am Vagelos College of Physicians and Surgeons der Columbia University und Hauptautor der Studie.

Kiryluk und seine Kollegen gingen das Problem der notwendigen hohen Fallzahlen damit an, dass sie ein riesiges Kollegen-Netzwerk aufbauten, zu dem schließlich Nephrologen, Genetiker und andere Wissenschaftler auf vier Kontinenten gehörten. Jedes Mitglied dieses Netzwerkes rekrutierte vor Ort biopsierte Patienten und schickte Blutproben zur DNA-Extraktion und -Analyse an Kiryluks Team an der Columbia University.

Anhand von Proben von fast 40.000 Probanden verglichen die Forschenden DNA von IgA-Nephropathie-Fällen mit der DNA von Personen, die nicht an einer IgA-Nephropathie litten. Die Studie, die zehn Jahre in Anspruch nahm und an der fast 200 Wissenschaftler und Kliniker aus mehr als 100 Institutionen teilnahmen, ist nach Angaben der Studienautoren die bisher größte Untersuchung zur Genetik der IgA-Nephropathie.

Viele der in der Studie identifizierten neuen Gene seien an der Produktion von IgA-Antikörpern beteiligt, berichten die Forschenden. Dies bestärke die Annahme, dass die Regulierung des IgA-Spiegels der Schlüsselfaktor für die Erkrankung ist. „Dies ist ein sehr wichtiger Befund, da die IgA-Nephropathie zwar als Nierenerkrankung gilt, ihre Ursache jedoch offenbar außerhalb der Niere liegt“, erklärt Kiryluk. „Wir haben auch ein genetisches Risikoprofil entwickelt, das dabei helfen kann, Patienten mit dem höchsten Risiko für eine Progression hin zu einem Nierenversagen zu identifizieren“, ergänzt Dr. Ali Gharavi, Professor für Nephrologie und Hypertonie und einer der Leiter der Studie.

Die Forschenden identifizierten auch Proteine, die von den neu identifizierten Genen produziert werden und die besten Ziele für die Arzneimittelentwicklung zu sein scheinen. Außerdem machten die Wissenschaftler zwei Medikamente aus, die bereits für andere Erkrankungen untersucht wurden und die Potenzial für die Behandlung der IgA-Nephropathie mitbringen könnten. „Eine kürzlich durchgeführte Analyse ergab, dass durch genetische Studien gestützte Wirkstoffziele mit größerer Wahrscheinlichkeit erfolgreich sind“, formuliert Kiryluk, „und wir hoffen, dass Pharmaunternehmen auf der Grundlage unserer Erkenntnisse mit der Entwicklung neuer Therapien beginnen werden.“