Immunsuppression nach Nierentransplantation: Neuer Antikörper als mögliche Alternative3. November 2026 Bild: Thitiporn/stock.adobe.com Der monoklonale Antikörper Tegoprubart könnte möglicherweise eine neue Option der Immunsuppression bei einer Nierentransplantation darstellen. Aktuelle Ergebnisse einer Phase-2-Studie deuten auf einen besseren Erhalt der Nierenfunktion und eine stärkere Verbesserung der Lebensqualität hin. Der Calcineurininhibitor Tacrolimus wird in der Transplantationsmedizin standardmäßig eingesetzt, um Organabstoßungen zu verhindern. Dieser Nutzen geht allerdings mit beachtlichen Nebenwirkungen einher. „Dazu zählen unter anderem Nephrotoxizität, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Tremor und kognitive Beeinträchtigungen“, erläutert Korrespondenzautor Dr. Andrew Adams von der University of Minnesota Medical School (USA). In der Phase-2-Studie BESTOW hat sich gezeigt, dass Tegoprubart – ein neuartiger Anti-CD40L-Antikörper – Tacrolismus hinsichtlich des Erhalts der Nierenfunktion möglicherweise überlegen ist. Eine aktuelle Auswertung von Patient-reported Outcomes (PROs) weist darüber hinaus auf Vorteile hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HRQoL) und der transplantationsassoziierten Symptomlast hin. Die Ergebnisse wurden im Oktober 2026 auf der ASN Kidney Week vorgestellt. Besserer Erhalt der Nierenfunktion unter Tegoprubart Anders als Tacrolimus, das als Calcineurininhibitor die Aktivierung von T-Zellen hemmt, bindet Tegoprubart an den CD40-Liganden (CD40L) und unterbricht damit einen wichtigen kostimulatorischen Signalweg zwischen Immunzellen. Die Interaktion von CD40L mit seinem Rezeptor CD40 spielt eine zentrale Rolle bei der Aktivierung von T- und B-Zellen sowie bei der Ausbildung von Antikörperantworten. Durch die Blockade dieses Signalwegs soll die gegen das Transplantat gerichtete Immunreaktion unterdrückt werden, ohne auf die für Calcineurininhibitoren charakteristische Weise in den intrazellulären Calcium-Calcineurin-Signalweg einzugreifen. Damit könnte Tegoprubart eine alternative Strategie zur langfristigen Immunsuppression darstellen. Untersucht wurden insgesamt 127 Erwachsene nach erstmaliger Nierentransplantation, von denen 107 Patienten die Behandlung bis Woche 52 abschlossen. Von diesen erhielten 51 Patienten Tegoprubart und 56 Tacrolimus. Nach dem ersten Behandlungsmonat stabilisierte sich die Funktion des Nierentransplantats in der mit Tegoprubart behandelten Gruppe. Im weiteren Studienverlauf lag die Nierenfunktion zu sämtlichen berichteten Messzeitpunkten über den Werten der Tacrolimus-Gruppe, allerdings war der Vorteil unter Tegoprubart erst nach 18 Monaten statistisch signifikant. Weniger Nebenwirkungen, mehr Lebensqualität? Für die aktuelle Auswertung der PROs kamen zwei etablierte Erhebungsinstrumente zum Einsatz: der Kidney Disease Quality of Life Short Form (KDQOL-SF 36) zur Erfassung der HRQoL sowie die Modified Transplant Symptom Occurrence and Symptom Distress Scale (MTSOSD-59R) zur Bewertung transplantations- und therapieassoziierter Beschwerden. Die Lebensqualität wurde anhand von fünf Subskalen des KDQOL-SF 36 beurteilt. In der Tegoprubart-Gruppe verbesserten sich sämtliche fünf Bereiche gegenüber dem Ausgangswert. Unter Tacrolimus waren entsprechende Verbesserungen in vier von fünf Subskalen zu beobachten. Insbesondere hinsichtlich des psychischen Summenscores (Mental Component Summary) waren die Verbesserungen unter Tegoprubart ausgeprägter als unter Tacrolimus. Die Ergebnisse der MTSOSD-59R bestätigten den Trend. Während die Patienten unter Tegoprubart sowohl nach sechs als auch nach zwölf Monaten über eine abnehmende Symptomlast berichteten, ging die Symptomlast unter Tacrolimus nach einer anfänglichen Verbesserung bis zum zwölften Monat wieder leicht über den Ausgangswert hinaus. In 22 von 23 Symptomdomänen mit unterschiedlichen Verbesserungsverläufen schnitt Tegoprubart besser ab. Dazu gehörten neurologische, gastrointestinale, metabolische und körperliche Beschwerden. Auch beim Gesamt-Symptomscore zeigte sich unter Tegoprubart eine stärkere Reduktion gegenüber dem Ausgangswert. Die übereinstimmenden Ergebnisse beider Erhebungsinstrumente sprechen dafür, dass die beobachteten Verbesserungen der Lebensqualität zumindest teilweise mit einer geringeren therapieassoziierten Symptomlast zusammenhängen könnten. Potenzielle Alternative zu Tacrolismus „Tegoprubart setzt gezielt am CD40L-Signalweg an, der für die Kommunikation zwischen Immunzellen von zentraler Bedeutung ist. Der Wirkstoff besitzt daher das Potenzial, Tacrolimus zu ersetzen und sich als neuer immunsuppressiver Therapiestandard für verschiedene Transplantationsarten zu etablieren – nicht nur für die Nierentransplantation“, fasst Adams zusammen. Die jüngsten Ergebnisse der BESTOW-Studie sind ermutigend: Neben den Hinweisen auf einen besseren Erhalt der Transplantatfunktion liefern die PRO-Daten zusätzliche Anhaltspunkte für eine verbesserte Verträglichkeit und Lebensqualität unter Tegoprubart. Allerdings handelt es sich weiterhin um einen experimentellen Wirkstoff, dessen Wirksamkeit und Sicherheit in größeren klinischen Studien bestätigt werden müssen. Langfristig könnte die gezielte Blockade des CD40L-Signalwegs dazu beitragen, eine wirksame Immunsuppression mit einer geringeren therapiebedingten Belastung für Transplantationspatienten zu verbinden. (mkl/BIERMANN)
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