Impfviren, Immunzellen und Antikörper: Neue Kombinations-Immuntherapie für Bauchspeicheldrüsenkrebs26. Januar 2023 Neue Behandlung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs aus immun-aktivierenden Impfviren plus Immunzellen (links). Rechts: Die Impfviren bewirken, dass mehr Immunzellen (braun) in den Tumor gelangen. (Abbildung links erstellt mit Biorender. Abbildung rechts: © Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Heidelberg und NCT Heidelberg) Eine deutsche Forschergruppe arbeitet an der Entwicklung einer neuen Kombinations-Immuntherapie für das Pankreaskarzinom. Dabei kommen Impfviren, Immunzellen und Antikörper zum Einsatz. In den vergangenen Jahren gab es für viele Krebsarten neuartige Behandlungsmöglichkeiten: Therapien mit Immuncheckpoint-Antikörpern oder CAR-T-Zellen. Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs profitieren bisher jedoch nicht von diesen neuen Therapien. Außerdem sind die Immuntherapien häufig mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Hier setzt die Arbeit des Teams um Prof. Christine Engeland vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und der Universität Witten/Herdecke an. Mithilfe von Tumor-spezifischen Impfviren soll die Resistenz des Pankreaskarzinoms gegenüber diesen neuen Therapien durchbrochen werden. Die Tumor-Spezifität soll zudem die Sicherheit erhöhen, sodass gesunde Körperzellen nicht geschädigt werden. Eine Voraussetzung für die Wirksamkeit der Immuncheckpoint-Inhibitoren ist das Vorhandensein Tumor-reaktiver Immunzellen. Engelands Gruppe konnte zeigen, dass Masern-Impfviren eine Immunreaktion in Bauchspeicheldrüsenkrebs auslösen. Die Impfviren bewirken, dass mehr Immunzellen in den Tumor einströmen. Außerdem werden durch die Impfviren viele Gene aktiviert, die Immun-Reaktionen verstärken. Eine Herausforderung bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs ist, dass der Tumor hemmende Signale an Immunzellen sendet. Um diese Signale auszuschalten, entwickelte das Forscherteam um Engeland neuartige Impfviren, die eine Bauanleitung für Immuncheckpoint-Antikörper enthalten. Diese Impfviren bewirken, dass die Tumorzellen Immuncheckpoint-Antikörper herstellen. So wird den immun-hemmenden Signalen des Tumors entgegengewirkt. Die Wirkung ist jedoch auf den Tumor begrenzt, so dass keine starken Nebenwirkungen auftreten. In Maustumormodellen konnte die Kombination aus Impfviren und Immuncheckpoint-Antikörpern den Bauchspeicheldrüsenkrebs für einige Zeit aufhalten, jedoch nicht dauerhaft heilen. Nach einiger Zeit sank die Anzahl aktivierter Immunzellen im Tumor. Deshalb entwickelte das Forscherteam seinen Therapieansatz weiter. Zu den immunstimulierenden Masern-Impfviren kamen CAR-T-Zellen hinzu. Außerdem wurden die Impfviren weiter verbessert, so dass sie eine noch stärkere, Tumor-spezifische Immunaktivierung vermitteln. Bei einer solch komplexen Kombinationstherapie gibt es theoretisch eine unendlich große Anzahl möglicher Abfolgen und Dosierungs-Schemata. Engelands Team begann daher, mithilfe mathematischer Modelle Vorhersagen zu treffen, welche Schemata den größten Erfolg versprechen. Die Wissenschaftler testen nun systematisch die Dosierungsschemata, welche das mathematische Modell als vielversprechend vorhergesagt hat. Zunächst erfolgen diese Untersuchungen in Zellkulturen von Bauchspeicheldrüsenkrebs- und Immunzellen sowie in Maustumormodellen. Das Ziel ist, ein Therapieschema zu identifizieren, das in Zukunft in klinischen Studien an Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs erprobt werden kann. Das Projekt wurde von der Wilhelm Sander-Stiftung mit rund 175.000 Euro gefördert.
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