In Corona-Zeiten an Kinder und Jugendliche denken2. Mai 2020 Foto: ©Алина Бузунова – stock.adobe.com Die Landesärztekammer Baden-Württemberg möchte die schwierige Situation von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie mehr berücksichtigt sehen. Physische und psychische Folgen für Heranwachsende durch Schul- und Kitaschließungen sowie durch Kontaktverbote sollten besser in den Blick genommen und Familien schneller entlastet werden. „Die massive Beschränkung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen birgt hohe Risiken und kann für sie traumatische Folgen haben“, warnt Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg. „Kinderseelen sind zerbrechlich, das dürfen wir nie vergessen. Daher regen wir an, dass die Landesregierung gerade auch jetzt alles Menschenmögliche für den Schutz dieser verletzlichen Gruppe tut.“ Oft würden Kinder vor allem als potenzielle Virus- und Gefahrenüberträger angesehen, vor denen sich die Gesellschaft schützen muss. Die Lebenswelt Heranwachsender sei immer weiter eingeengt worden. Der Vorsitzende des Ausschusses „Kinder und Jugendliche“ der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Andreas Oberle, konkretisiert: Durch Schließung von Schulen und Kitas sowie Spiel- und Sportplätzen fehlten Kindern und Jugendlichen die Voraussetzungen für ihre körperliche, geistige und seelische Entwicklung. Fehlende Tagesstrukturen in den Familien und wegfallende Hilfsangebote erhöhten die Gefahr von Vernachlässigung und Gewalt. Durch strikte Kontaktsperren hätten Kinder und Jugendliche plötzlich und für sie unerwartet einen Großteil ihres sozialen Umfelds verloren. Oberle beobachtet darüber hinaus, dass Eltern mit ihren Kindern aktuell aus Angst vor Ansteckung weniger in die Arztpraxen kommen. „Es ist zu befürchten, dass auf diese Weise notwendige Behandlungen verzögert und Krankheiten sowie Verhaltensauffälligen zu spät entdeckt werden“, so der Experte. Die Landesärztekammer empfiehlt, Betreuungs-Unterbrechungen so kurz wie möglich zu halten, Familien beim Aufbau von Strukturen zu helfen und weiter an Konzepten zu arbeiten, sodass baldmöglichst viele kleinere Kinder in die Kindertagesstätten und SchülerInnen in die Schulen zurückkehren können – natürlich unter Einhaltung der gebotenen Hygiene- und Abstandsregeln. Kinder mit gesundheitlichen Risiken brauchen Ausnahmeregelungen, sodass sie effektiv im Alltag unterstützt werden können. Kammerpräsident Miller betont: „Staatliches Krisenmanagement darf nicht nur die Wirtschaft im Auge haben mit dem Verweis, dass es um unsere Zukunft geht. Das trifft mindestens genauso auf Kinder und Jugendliche zu. Sie sind keine kleinen Erwachsenen und die Zukunftsträger der Gesellschaft.“ Weiterhin rät die Ärztekammer Eltern dazu, alle notwendigen Schutzimpfungen und Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen. Ärztinnen und Ärzte können sich durch einen geänderten Praxisbetrieb – beispielsweise durch Trennung von akut kranken und gesunden Patienten – auf die neue Situation einstellen.
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