Industrielle Luftverschmutzung: Extra-Emissionen bislang wenig beachtet14. Februar 2018 Foto: © VanderWolf Images/Fotolia Als im August des vergangenen Jahres der Hurrikan Harvey auf den US-Bundesstaat Texas traf, wurden dortige Industrieanlagen für ein paar Tage heruntergefahren. Beim Neustart produzierten sie fast 2000 Tonnen “Extra-Emissionen” – Luftschadstoffe zusätzlich zu denen, die ihnen unter normalen Arbeitsbedingungen erlaubt sind. Eine Studie von Wissenschaftlern der Indiana University (IU) zeigt nun, dass diese Extra-Emissionen – die beim Herunterfahren, bei Wiederinbetriebnahme und Fehlfunktionen nicht nur im Zusammenhang mit Naturkatastrophen auftreten – wesentlich zur Luftverschmutzung insgesamt beitragen können. Bislang allerdings sei solchen zusätzlichen Belastungen weder von der Forschung noch von den Behörden große Beachtung geschenkt worden, erklären die Autoren der aktuellen Arbeit. Nur in drei US-Bundesstaaten – Texas, Louisiana und Oklahoma – würden Extra-Emissionen der Industrie systematisch beobachtet, dokumentiert und die Daten öffentlich gemacht. “Diese Emissionen sind signifikant”, erklärt Nikolaos Zirogiannis, Wissenschaftler an der IU School of Public and Environmental Affairs und Autor der Studie. “Sie treten beim Betreiben von Industrieanlagen regelmäßig auf. Ein singuläres Ereignis, das von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen dauert, kann große Mengen von Emissionen hervorrufen.” Diese können schwerwiegende Folgen haben. Bestandteil der kürzlich in „Environmental Science and Technology“ veröffentlichten Studie ist auch eine Analyse, die zu dem Schluss kommt, dass Extra-Emissionen in Texas Kosten von etwa 150 Mio. US-$ jährlich wegen gesundheitlicher Folgen verursachen. Laut den Studienautoren handelt es sich bei ihrer Arbeit um die erste Untersuchung, in der eine Reihe von Luftschadstoffen aus unterschiedlichen Industriezweigen über einen ganzen Zeitraum (2002–2016) unter die Lupe genommen wurde. Zu den untersuchten Industriezweigen gehören neben Raffinerien und Öl- sowie Gasfeldern auch chemische Betriebe und Erdgasanlagen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass einige wenige Ereignisse bei einer Handvoll von Anlagen einen großen Teil der Extra-Emissionen ausmachten. Ein typisches Ereignis produzierte rund eine Tonne an Emissionen, bei manchen waren es aber mehr als 1000 Tonnen. Auf dem Raffinerien-Sektor verursachten allein sechs Anlagen 77 Prozent der zusätzlichen Kohlenmonoxidemissionen. Im Untersuchungszeitraum ließen Extra-Emissionen die normale Luftbelastung in Texas in Bezug auf flüchtige organische Stoffe um 7,5 Prozent wachsen und die für Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid um zwei Prozent steigen. In bestimmten Industriezweigen aber liegen die Zahlen höher: Im Falle von Öl- und Gasfeldern beispielsweise stiegen die Emissionen im Vergleich zum Normalbetrieb um 17 Prozent. In manchen Betrieben, so die Forscher weiter, produzierten Extra-Emissionen ein stärkeres Maß an Luftverschmutzung als beim normalen Fahren der Anlage auftraten. In einer der beobachteten Raffinerien trat bei einem 56 Stunden dauernden Ereignis im Jahr 2003 mehr Schwefeldioxid aus, als dem Betrieb in diesem Jahr insgesamt erlaubt war. Originalpublikation: Zirogiannis N et al. Environ Sci Technol. 2018 Feb 13. [Epub ahead of print]
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