Neuer bispezifischer T-Zell-Engager bei soliden Tumoren vielversprechend2. Juni 2026 Wirkprinzip bispezifischer T-Zell-Engager. Bild: ©alkov – stock.adobe.com Dresdner Wissenschaftler haben am 31. Mai 2026 auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) erstmals klinische Ergebnisse einer neuen Krebsimmuntherapie zur Behandlung fortgeschrittener Tumoren präsentiert. Beteiligt war ein Team unter Leitung von Forschenden des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus (UKD) und der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden (TUD). Die Ergebnisse zeigen eine insgesamt gute Verträglichkeit und deutliche Zeichen für eine Wirksamkeit dieser neuartigen Immuntherapie und wurden zeitgleich in „Nature Medicine“ veröffentlicht. Die Early Clinical Trial Unit (ECTU) am NCT/UCC Dresden hat im Rahmen einer klinischen Studie erstmals die Krebsimmuntherapie IMA401 bei Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren getestet. IMA401 ist ein bispezifischer T-Zell-Engager (TCER), der Krebszellen gezielt mit T-Zellen verknüpft und so das Immunsystem direkt gegen den Tumor aktiviert. Dafür bindet das Molekül zwei Ziele gleichzeitig: ein in den Tumorzellen gebildetes Eiweiß − das Tumorantigen MAGEA4/8 − und ein Molekül auf der Oberfläche von T-Lymphozyten (CD3). Diese werden dadurch zielgerichtet an die Tumorherde geleitet und aktiviert, so dass sie die Krebszellen zerstören. Team Early Clinical Trial Uni am NCT/UCC Dresden. Quelle: UKD In der jetzt vorgestellten Studie erhielten 61 Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, die nicht mehr auf Standardbehandlungen ansprachen, IMA401 als Infusion, zum Teil in Kombination mit Pembrolizumab. „Unsere wichtigsten Ziele waren, die Sicherheit von IMA401 nachzuweisen und die optimale Dosis für die weitere Entwicklung festzulegen“, erläutert Studienleiter Prof. Martin Wermke, Leiter der ECTU und Professor für Experimentelle Tumortherapie. Gut verträgliche Behandlung Die Behandlung erwies sich insgesamt als gut verträglich: Die häufigsten therapiebedingten Nebenwirkungen waren durch die gewünschte Aktivierung des Immunsystems bedingt. Bei 38 Prozent der Patienten trat ein Zytokinfreisetzungssyndrom auf, das vor allem durch Fieber gekennzeichnet war (Schweregrad 1 bis 2). Weiterhin kam es zu vorübergehenden Blutbildveränderungen. Dabei handelte es sich in 33 Prozent der Fälle um Lymphopenie und zu 31 Prozent um meist reversible Neutropenie. Ansprechen bei Lungenkrebs, Melanom, neuroendokrinen und Kopf-Hals-Tumoren beobachtet Die Studie zeigte bei mehreren Tumorarten ein Ansprechen auf die Behandlung, darunter Lungenkrebs, schwarzer Hautkrebs und neuroendokrine Tumoren. Die größte Patientengruppe bildeten jedoch Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren. Hier konnte bei vier von 14 im optimalen Dosisbereich behandelten Patienten eine relevante Tumorschrumpfung beobachtet werden. Bei drei dieser vier Personen hielt das Ansprechen zum Zeitpunkt der Analyse weiterhin an. Die mediane Ansprechdauer lag bei 8,8 Monaten. „Die Ergebnisse der Studie sind ein deutlicher Fortschritt für unsere Patientinnen und Patienten, denen in dieser Situation sonst nur sehr begrenzt wirksame Chemotherapien angeboten werden können“, ordnet Wermke die Ergebnisse ein. „Besonders spannend ist, dass es mit IMA401 gelingt, Tumormerkmale zur Immuntherapie zu nutzen, die sich nicht auf der Oberfläche der Tumorzelle befinden, sondern in ihrem Inneren lokalisiert sind. Aufgrund der guten Verträglichkeit besteht die Möglichkeit IMA401 mit anderen Immuntherapien zu kombinieren. Wir werden IMA401 in Kürze mit einem ähnlichen, aber gegen ein weiteres Tumormerkmal gerichteten TCER bei Lungenkrebs prüfen. Wir erhoffen uns davon eine noch bessere Wirksamkeit.“ Die Early Clinical Trial Unit (ECTU) Die Early Clinical Trial Unit (ECTU) des NCT/UCC Dresden ist spezialisiert auf die Durchführung früher klinischer Studien. „Wir sehen unsere ECTU als eine Möglichkeit, Patientinnen und Patienten in der Region neue Krebstherapien früh und so sicher wie möglich zugänglich zu machen. Die aktuell publizierte Studie zu IMA401 ist besonders prominentes Beispiel für die Wirksamkeit dieses Ansatzes“, ist Prof. Martin Bornhäuser, einer der geschäftsführenden Direktoren des NCT/UCC Dresden und Direktor der Medizinischen Klinik I am UKD, erfreut. „Wir werden die hervorragende Arbeit der ECTU weiter unterstützen und diesen Bereich konsequent ausbauen, um unsere führende Stellung bei der Entwicklung neuartiger Krebstherapien weiter zu festigen“, unterstreicht Prof. Uwe Platzbecker, medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. Lesen Sie mehr zu bispezifischen T-Zell-Engagern: SCLC: Zirkulierende Tumorzellen sagen Ansprechen auf Tarlatamab vorher NEJM-Studie: Neue Perspektive für die Therapie von Autoimmunerkrankungen
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