Industrielle Wasserverschmutzung mit erhöhtem Risiko für progressive supranukleäre Blickparese assoziiert

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Menschen, die in der Nähe von Industrieanlagen leben, welche die Wasserversorgung belasten, erkranken möglicherweise häufiger an progressiver supranukleärer Blickparese (PSP). Darauf deutet eine Studie hin, die in der Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht wurde.

Die PSP gehört zu den atypischen Parkinson-Syndromen. Sie weist einige Symptome mit dem Morbus Parkinson auf, schreitet jedoch in der Regel schneller voran und spricht anders auf Behandlungen an.

Für die Studie werteten Forschende Daten von mehr als 500.000 Menschen aus dem Vereinigten Königreich aus, die bis zu 25 Jahre nachbeobachtet worden waren. Im Beobachtungszeitraum entwickelten 221 Personen eine PSP. Jedem Erkrankten ordneten die Forschenden zehn hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbare Personen ohne PSP zu.

Anhand der Wohnadressen aus dem Jahr 2007 untersuchten sie, wie nah die Teilnehmenden an Industrieanlagen lebten, die Schadstoffe in die Umwelt abgaben. Berücksichtigt wurden unter anderem Kläranlagen, intensive Aquakulturbetriebe, Chemieanlagen und Wärmekraftwerke. Personen, die weniger als ein Jahr an ihrer damaligen Adresse gelebt hatten, wurden ausgeschlossen.

Etwa ein Drittel der Menschen mit PSP wohnte in einem Umkreis von rund 4,8 km um eine entsprechende Anlage. Bei den Personen ohne PSP lag der Anteil bei etwa einem Viertel.

Nach Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und Bildungsniveau war das Risiko einer PSP bei Menschen, die in der Nähe von Anlagen mit Pestizidemissionen lebten, um 66 Prozent erhöht. Für Anlagen, die anorganische Schadstoffe wie Phosphor, Stickstoff und Fluoride freisetzten, betrug die relative Risikoerhöhung 60 Prozent. Bei organischen Schadstoffen wie Benzol, Ethylbenzol und Toluol lag sie bei 52 Prozent, bei Schwermetallen wie Blei, Quecksilber und Cadmium bei 38 Prozent.

Für chlorierte Lösungsmittel und persistente organische Schadstoffe fanden die Forschenden keinen Zusammenhang mit dem PSP-Risiko.

Entfernung und Wohndauer könnten eine Rolle spielen

Weitere Analysen deuteten darauf hin, dass der Zusammenhang mit dem PSP-Risiko mit zunehmender Entfernung von den Anlagen schwächer wurde. Dieser Effekt zeigte sich bis zu einer Entfernung von etwa 9,7 km. Auch die Dauer des Wohnens in der Nähe der Schadstoffquellen könnte den Forschenden zufolge relevant sein.

„Die Ergebnisse legen nahe, dass Umweltbelastungen durch Schadstoffe im Wasser möglicherweise an der Entstehung einer progressiven supranukleären Blickparese beteiligt sind“, erklärte Studienautor Charlie Weige Zhao von der Harvard Medical School in Boston. Weitere Untersuchungen seien erforderlich, um die Befunde zu bestätigen.

Aussagekraft der Ergebnisse ist begrenzt

Die Studie belegt keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Nähe zu Industrieanlagen und der Entstehung einer PSP. Da viele Anlagen mehrere Schadstoffarten emittierten, konnten die Forschenden die möglichen Effekte einzelner Schadstoffe nicht voneinander trennen. Zudem lagen keine vollständigen Angaben zu den beruflichen Tätigkeiten der Teilnehmenden vor. Eine mögliche Schadstoffexposition am Arbeitsplatz wurde daher nicht analysiert.

Die Forschenden betonen außerdem, dass das absolute Risiko, an einer PSP zu erkranken, insgesamt niedrig ist, unabhängig davon, wo Menschen leben.

(lj/BIERMANN)