Information und Wissen haben heilsame Wirkung24. August 2021 Foto: ©Robert Kneschke – stock.adobe.com Ein Forschungsteam der Universität Trier hat in einer Metaanalyse gesundheitsfördernde Effekte durch Patientenedukation festgestellt. Dennoch führt die Maßnahme ein medizinisches Schattendasein. Die Gesundheit von Patientinnen und Patienten lässt sich durch die Vermittlung von Wissen über die eigene Krankheit nachweislich stabilisieren und sogar verbessern. Eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe der Universität Trier hat in einer gerade veröffentlichten Studie herausgearbeitet, dass sich bei vielen Krankheitsbildern durch eine Aufklärung der Betroffenen gesundheitsfördernde Effekte erreichen lassen. „Im Vergleich zu komplexen und meist teuren operativen oder pharmakologischen Therapien ist die Patientenedukation eine einfache und effektive Methode zum Wohl der Patienten – und das ohne bekannte negative Nebenwirkungen“, sagt die Autorin der Studie, Dr. Bianca Simonsmeier-Martin. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Seit vielen Jahrzehnten wird in kleineren Einzelstudien zur Patientenedukation geforscht. In diesen Studien wurde jeweils eine spezifische Maßnahme für eine Stichprobe von Patientinnen und Patienten mit einem bestimmten Krankheitsbild untersucht. Die Allgemeingültigkeit der Aussagen zur Wirksamkeit von Patientenedukation war daher bisher unklar. Die Trierer Forschenden Simonsmeier-Martin, Dr. Maja Flaig, Thomas Simacek und Prof. Michael Schneider haben in ihrer Metastudie 776 Einzelstudien aus den vergangenen 60 Jahren unter Beteiligung von insgesamt knapp 75.000 Studienteilnehmenden ausgewertet. Keine dieser Studien kam zu dem Ergebnis, dass Patientenedukation negative Folgen haben könnte. „Unsere Metaanalyse hat sehr homogene Befunde und somit sehr robuste Ergebnisse und belastbare Aussagen ergeben“, stellt Simonsmeier-Martin fest. Patientenedukation erzielt demzufolge insbesondere bei chronischen Krankheiten die stärksten Effekte und bei Leiden, an deren Behandlung die Betroffenen durch eigenes Handeln im Alltag mitwirken können. Unter dem Begriff Patientenedukation fassen die Trierer Psychologinnen und Psychologen alle Maßnahmen zusammen, die dazu dienen, Betroffenen Wissen und Fertigkeiten zu einer Krankheit und ihrer Behandlung zu vermitteln. Die Bandbreite reicht vom einfachen Thekengespräch in der Apotheke oder Infoblatt im Wartezimmer bis zu umfangreichen Trainings. Angesichts der jahrzehntelang betriebenen Forschung und der nachgewiesenen Wirksamkeit stellt sich die Frage, warum Patientenedukation nicht intensiver und nicht schon viel länger als therapieunterstützendes Instrument eingesetzt wird. Simonsmeier-Martin erklärt das durch verschiedene Aspekte: „Der kulturelle Wandel, dass Patienten vom Arzt Informationen und ausführliche Aufklärung einfordern, hat erst spät stattgefunden. Patientenedukation ist in unserem Gesundheitswesen auch deshalb unterrepräsentiert, weil es schlichtweg für Ärzte schwer abrechenbar ist und möglicherweise auch, weil Medizinern die positive Wirkung von Patientenedukation zu wenig bekannt ist.“ Daher würde die Wissenschaftlerin gerne auf diesem Gebiet weiter forschen und in Kooperation mit medizinischen Einrichtungen anwendungsbezogene Lösungen entwickeln, um Patientenedukation effektiv und pragmatisch zum Vorteil von kranken Menschen stärker zu etablieren. Anders als beispielsweise für die Einführung von Medikamenten gibt es für die Anwendung von Patientenedukation bisher keine einheitlichen Standards.
Mehr erfahren zu: "Kombination zweier Medikamente könnte Nierenschäden bei septischem Schock verhindern" Kombination zweier Medikamente könnte Nierenschäden bei septischem Schock verhindern Britische Forschende haben gemeinsam mit Forschenden aus China herausgefunden, dass die kombinierte Gabe von Dobutamin und Noradrenalin während einer Operation wegen eines septischen Schocks das Risiko einer akuten Nierenschädigung signifikant […]
Mehr erfahren zu: "Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten" Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten Die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser ist in finanziell prekärer Lage. Die Einsparungen der Bundesregierung werden die Not einer Umfrage unter Klinikchefs zufolge noch vergrößern.
Mehr erfahren zu: "Organspende in Deutschland: Leichter Anstieg, weiterhin großer Bedarf" Organspende in Deutschland: Leichter Anstieg, weiterhin großer Bedarf In Deutschland ist die Zahl der Organspenden in den ersten neun Monaten des Jahres leicht gestiegen. Dies geht aus Zahlen hervor, welche die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) bei ihrem Jahreskongress […]