Inoperabler Nierenkrebs: Hochdosierte Bestrahlung bietet neue Behandlungsoption für ältere Patienten

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Eine neue Studie australischer und niederländischer Forscher legt nahe, dass ältere Erwachsene, bei denen Nierentumoren diagnostiziert wurden, die sich als inoperabel darstellen, möglicherweise von einer gezielten, hochdosierten Bestrahlung profitieren.

Die multizentrische Phase-II-Studie – TROG (TransTasman Radiation Oncology Group) FASTRACK II – ergab eine hundertprozentige lokale Kontrolle und ein krebsspezifisches Überleben von mehr als drei Jahren bei Patienten, die wegen inoperablem Nierenkrebs nichtinvasiv mit stereotaktischer ablativer Körperstrahlentherapie (SABR) behandelt wurden. Die Ergebnisse wuden kürzlich auf der Jahrestagung der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) vorgestellt.

Frühere kleinere, monozentrische Untersuchungen hatten gezeigt, dass eine stereotaktische Strahlentherapie bei Patienten mit inoperablen Nierentumoren vielversprechend sind. Bei FASTRACK II handelt es sich den Autoren zufolge jedoch um die erste Studie, in der die Wirksamkeit einer SABR in einer großen klinischen multizentrischen Untersuchung getestet wurde.

„Unsere Studie hat gezeigt, dass eine neuartige Behandlung, die im ambulanten Bereich durchgeführt wird, bei Patienten mit inoperablem Nierenkrebs eine beispiellose Wirksamkeit erzielen kann“, berichtete Studienleiter Shankar Siva, Radioonkologe am Peter MacCallum Cancer Center und Professor an der Universität Melbourne in Australien. „Es besteht ein ungedeckter Bedarf in Bezug auf Heilung bei dieser Krebsart, und unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Strahlentherapie das Potenzial besitzt, diesen Bedarf zu decken.“

Mit der demografischen Entwicklung und zunehmendem Lebensalter der Bevölkerung nimmt die Inzidenz von Nierenkrebs bei älteren Erwachsenen weltweit zu, wobei der größte Anstieg bei Menschen im Alter von über 70 Jahren zu verzeichnen ist, die auch niedrigere Überlebensraten haben. Weltweit ist Nierenkrebs die am sechsthäufigsten diagnostizierte Krebsart bei Männern und die zehnthäufigste bei Frauen. Der chirurgische Standard ist die Entfernung des Tumors und der umgebenden Ränder oder die Entfernung der gesamten Niere und des umgebenden Gewebes.

Bei vielen älteren Menschen mit Nierenzellkarzinom bestehen jedoch laut Siva spezifische Probleme, die eine chirurgische Behandlung erschweren. „Solche Personen haben möglicherweise noch andere medizinische Probleme wie Bluthochdruck oder Diabetes, was sie einem höheren Risiko für Komplikationen durch eine Operation aussetzt. Sie haben auch unter Umständen Tumore in Bereichen, die schwer zu operieren sind oder in denen eine Operation eine Dialyse erforderlich machen kann.“

Siva erklärte: „Unsere Forschungsarbeit definiert eindeutig eine neue Patientengruppe, die von stereotaktischer Strahlung profitieren wird. Diesen Patienten stehen oftmals keine anderen praktikablen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, daher freuen wir uns, dass die Strahlentherapie für sie wirksam sein kann.“

In ihrer nichtrandomisierten, prospektiven Studie behandelten Siva und seine Kollegen 70 Patienten, bei denen inoperable Hochrisiko-Nierentumoren diagnostiziert wurden oder die eine Operation ablehnten. Das mediane Patientenalter lag bei 77 Jahren (Bereich 47–91) und die Patienten wiesen jeweils nur eine Läsion auf.

Die Teilnehmer der Studie wurden in einer oder drei Sitzungen in sieben australischen Zentren sowie in einem Behandlungszentrum in den Niederlanden mit SABR behandelt. Die behandelten Tumore seien relativ groß gewesen, berichtete Siva: im Durchschnitt 4,7 cm. Patienten mit Tumoren, die kleiner als 4 cm waren, erhielten eine einzige Strahlenfraktion (n=23), und Patienten mit Tumoren, die größer als 4 cm waren, erhielten drei Strahlenfraktionen (n=47).

Bei keinem der Patienten kam es während der Studiendauer zu einem lokalen Progress des Nierenkrebses (mediane Nachbeobachtungszeit 43 Monate), noch verstarb einer der Patienten an seiner Krebserkrankung. Das Gesamtüberleben lag ein Jahr nach der SBRT bei 99 Prozent und nach drei Jahren bei 82 Prozent. Bei einem Patienten kam es zu einem Fernrezidiv.

Die Nebenwirkungen bezeichnen die Studienautoren als relativ gering, es wurden keine Toxizitäten vom Grad 4 oder 5 beobachtet. Bei sieben Patienten (10%) traten unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 auf, am häufigsten handelte es sich um Schmerzen im Abdomen (3 Patienten). Bei 51 Patienten (73%) kam es zu einem behandlungsbedingten Ereignis vom Grad 1–2, und bei 11 Patienten (16%) traten keine unerwünschten Ereignisse auf.

Die Nierenfunktion wurde durch Messung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) der Patienten beurteilt. Die durchschnittliche eGFR war ein Jahr nach der Behandlung um 10,8 ml/min gesunken und zwei Jahre danach um 14,6 ml/min, was auf eine leichte bis mittelschwere Nierenbelastung hinweist. Nur ein Patient benötigte nach der Therapie eine Dialyse. Insgesamt, so erklärte Siva, habe es einen leichten Rückgang der Nierenfunktion gegeben, der nach zwei Jahren ein Plateau erreicht habe.

Siva führte die hohe Wirksamkeitsrate und die Fähigkeit, die Nierenfunktion zu erhalten, auf eine strenge Qualitätskontrolle sowie auf die Wirksamkeit der stereotaktischen Strahlung zurück. Er erklärte auch, dass die Ergebnisse dieser Phase-II-Studie die Entwicklung einer randomisierten Phase-III-Studie rechtfertigen, um stereotaktische Bestrahlung mit einer Operation als primäre Behandlungsmethode für Patienten mit operablem Nierenkrebs zu vergleichen.

„Wenn man die Wahl zwischen beiden hätte, glaube ich, dass sich viele Patienten für eine nichtinvasive Bestrahlung entscheiden würden“, erklärte er.