Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Demografischer Wandel fordert Medizin heraus11. September 2017 Messe Dresden (Foto: © Tobias Ritz) Die Auswirkungen des demografischen Wandels stellen Mediziner in Deutschland vor neue Herausforderungen. Das betonen die Organisatoren des Kongresses Viszeralmedizin im Vorfeld ihrer Tagung, die vom 13. bis 16. September in Dresden stattfinden wird. Bei gleichzeitigem medizinischen Fortschritt und wachsendem Kostendruck durch das Gesundheitssystem steige in der alternden Bevölkerung das Risiko für altersbedingte Erkrankungen sowie schwerwiegende Mehrfacherkrankungen. Anspruchsvolle, fachübergreifende und kostenintensive Therapiekonzepte in der medizinischen Versorgung älterer, multimorbider Patienten seien deshalb erforderlich, heißt es in einer Pressemitteilung zum Kongress. „Patienten ändern sich – wir uns auch“ – unter diesem Motto steht in diesem Jahr der Kongress Viszeralmedizin 2017. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), ihre Sektion Endoskopie und die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) richten den Kongress gemeinsam aus. In Dresden werden Gastroenterologen, Endoskopiker und Viszeralchirurgen im Herbst über aktuelle Erkenntnisse und Fortschritte bei der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Bauchraums und Verdauungstrakts diskutieren. Partnerland ist in diesem Jahr Polen. „Unsere Patienten ändern sich, da sie älter und kränker werden und ihre Betreuung zunehmend anspruchsvoller wird. Die demografische Entwicklung macht immer stärker die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den Fächern erforderlich“, erläutert DGVS-Kongresspräsident Prof. Markus M. Lerch die Intention des diesjährigen Kongress-Mottos. Neben den Folgen der demografischen Entwicklung, nehmen die Mediziner auch generelle Veränderungsprozesse bei Therapiestandards in den Fokus. „Während bei Erkrankungen wie Divertikulitis, Appendizitis und auf die Schleimhaut begrenzten Tumoren die Chirurgie zugunsten der konservativen Therapie zunehmend in den Hintergrund rückt, ist etwa für eine nachhaltig erfolgreiche Behandlung der morbiden Adipositas inzwischen der chirurgische Eingriff das Mittel der Wahl“, so DGAV-Präsident Prof. Albrecht Stier. Gastroenterologen, Endoskopiker und Chirurgen seien deshalb gefordert, Behandlungsstandards künftig noch stärker gemeinsam zu definieren. Die Kongressteilnehmer können sich in diesem Jahr auf eine noch größere Anzahl interdisziplinärer Sitzungen freuen. Im Vordergrund stehen viszeralmedizinische Bereiche, bei denen die Entwicklungsschritte in den letzten Jahren besonders schnell und die Überschneidungen der Fachgebiete Gastroenterologie, Viszeralchirurgie und Endoskopie besonders stark sind. Die gemeinsamen Probleme der Infektionsmedizin, die organübergreifenden Entzündungsmechanismen und die Behandlung von Tumorerkrankungen gehören zu den Schwerpunkten des Kongresses. Fachübergreifende Veranstaltungen wie „Multiresistente Erreger und Antimicrobial Stewardship“, „Neue Konzepte und Therapieansätze bei Adipositas und Morbus Crohn“ sowie „Multimodale Therapie bei Oligometastasierung gastrointestinaler Karzinome“ tragen diesem Fokus Rechnung. Die Mediziner werden auch diskutieren, wie angesichts der Ökonomisierung und des Kostendrucks in der Medizin eine angemessene Versorgung weiterhin aufrechterhalten werden kann. Mit Dr. Albin Lütke, Vorsitzender der Sektion Endoskopie, gestaltet zum zweiten Mal in der 104-jährigen Geschichte der DGVS ein in der Praxis niedergelassener Gastroenterologe das endoskopische Programm des Kongresses. „Der Großteil und die Basis gastroenterologischer Diagnostik und Behandlung findet in den Facharztpraxen statt“, so Lütke. „Deshalb ist es mir ein wichtiges Anliegen, in diesem Jahr verstärkt Impulse aus der Praxis in das Kongressprogramm einzubinden und zu thematisieren, wie wir die Zusammenarbeit zwischen Klinikern und niedergelassenen Gastroenterologen im Sinne unserer Patienten noch besser gestalten können.“ Im Wettbewerb um den medizinischen Nachwuchs sind die Fachgesellschaften gefordert, kreative und praktikable Lösungen zur gewünschten Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie von ambulanter und stationärer Krankenversorgung zu initiieren. Damit die Zukunft des Fachs vom Nachwuchs wirksam mitgestaltet werden kann, sind in diesem Jahr bewusst junge Viszeralmediziner als Redner und bei der Präsentation klinischer und grundlagenwissenschaftlicher Forschungsergebnisse vertreten.
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