Jahrestagung 2018: Nobelpreisforschung kommt bei Krebspatienten an4. Oktober 2018 Jahrestagung 2018. Foto: © Frins Der Medizin-Nobelpreis wurde 2018 an James P. Allison und Tasuku Honjo für neue Formen der Immuntherapie verliehen. Diese Grundlagenforschung hat inzwischen zu wirksamen Arzneimitteln bei sehr unterschiedlichen Krebskrankheiten geführt. Bei der diesjährigen Jahrestagung der deutschsprachigen Fachgesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Wien war der Einsatz der Immuncheckpoint-Inhibitoren ein zentrales Thema. Mit 839 eingereichten wissenschaftlichen Beiträgen hat der fünftägige Kongress, der als eines der wichtigsten Expertentreffen auf dem Gebiet der Krebs- und Bluterkrankungen im deutschsprachigen Raum gilt, seine Bedeutung erneut unterstrichen und ausgebaut. In 1171 Vorträgen und Posterpräsentationen tauschten sich die rund 5800 Teilnehmenden über neue Ergebnisse aus der Grundlagen-, der translationalen und angewandten Forschung aus und diskutierten neue Strategien für die Zukunft der Hämatologie und Medizinischen Onkologie, darunter das Konzept der „wissensgenerierenden Versorgung“. Im Rahmen des Kongresses prämierten die ausrichtenden Fachgesellschaften zudem wieder herausragende wissenschaftliche Arbeiten. „Die Jahrestagung 2018 in Wien mit ihrer rekordverdächtigen Zahl an Abstract-Einreichungen zeigt, welche unglaubliche Bandbreite und Innovationskraft in unserem Fachgebiet steckt und in welch spannenden Zeiten wir forschen und arbeiten. Insbesondere die neuen Ansätze in der Immuntherapie sind überaus ermutigend und werden die Krebsbehandlung in den kommenden Jahren deutlich verändern. Die Entscheidung des Nobelpreiskomitees, den diesjährigen Nobelpreis für Medizin an James P. Allison und Tasuku Honjo zu vergeben, ist deshalb hochverdient und freut uns sehr“, so die diesjährige Kongresspräsidentin Prof. Hildegard Greinix von der Klinischen Abteilung für Hämatologie am LKH-Universitätsklinikum Graz. „Die Immuntherapie auf der Basis der Nobelpreisforschung von Allison und Honjo hat sich in den letzten fünf Jahren als vierte Säule der Krebstherapie etabliert und wurde in vielen Sitzungen diskutiert. Neben dem Einsatz beim schwarzen Hautkrebs, beim Lungenkrebs, beim Hodgkin-Lymphom oder beim Nierenkrebs gibt es Hinweise auf Wirksamkeit bei vielen weiteren Krebserkrankungen. In Studien werden Kombinationen mit Chemotherapie oder mit gezielten Arzneimitteln getestet. Aber es gibt auch negative Seiten: Nebenwirkungen und Entwicklung von Resistenz“, ergänzt der Präsident der OeGHO, Prof. Andreas Petzer vom Ordensklinikum Linz. Wie können die zahlreichen medizinischen Innovationen heute und morgen schnell und in der Breite bei den Patienten ankommen? Und wie kann die Forschung im Umkehrschluss aus den Erkenntnissen im Versorgungsalltag lernen? Welche Implikationen haben dabei der demografische Wandel und die steigenden Kosten für Medikamente? Diese und andere Fragen beleuchtete die Jahrestagung 2018. Unter dem Stichwort „wissensgenerierende Versorgung“ stellte die DGHO ein neues Konzept vor, das Patientenversorgung und Forschung als Zyklus begreift. „Im Behandlungsalltag sehen wir Patienten, die auf neue Arzneimittel oder innovative Therapieverfahren exzellent ansprechen, wobei andere Patienten weit weniger profitieren. In diesem Zusammenhang ist es von zentraler Bedeutung, Daten aus dem Versorgungsalltag zu erheben und daraus entsprechendes Wissen zu generieren. Damit sollen Fragestellungen aus der Versorgung zurück in die Forschung und in adaptierte klinische Studien transportiert werden. Dies kann beispielsweise bestimmte Subgruppen eines Patientenkollektivs erforschen, die besonders gut oder besonders schlecht auf die Therapie ansprechen. So schaffen wir selbst Innovationen, indem wir die Therapieverläufe dokumentieren“, erläuterte Prof. Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Klinik I für Innere Medizin der Universitätsklinik Köln, den zugrunde liegenden Paradigmenwechsel. Dabei brauche ein solch lernendes System u. a. Netzwerkstrukturen: in der klinischen Forschung, im Wissensmanagement und in der Versorgung, so Hallek weiter. Prof. Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf, hob die epidemiologischen Aspekte hervor, die bei der zukünftigen Versorgung von Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen berücksichtigt werden müssen. Vor dem Hintergrund der Veränderung der Altersstruktur hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft ist sowohl bei den Inzidenzen als auch bei den Prävalenzen von einer signifikanten Zunahme von Krebserkrankungen und neuen Herausforderungen mit Blick auf das Management von Komorbiditäten auszugehen. „Die Gesamtzahl der Patientinnen und Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen wird im Jahr 2025 im Vergleich zu 2014 um fast 300.000 höher sein – davon etwa 50.000 mehr Neuerkrankungen. Aufgrund der gleichzeitig zunehmenden Anzahl an Patientinnen und Patienten in hohem Alter und mit Komorbiditäten werden die Anforderungen an die internistische Expertise in der hämatologischen und onkologischen Behandlung deutlich zunehmen“, so Bokemeyer. Preisverleihungen 2018: Nachwuchsförderung im Fokus Die ausrichtenden Fachgesellschaften nutzten die Gemeinsame Jahrestagung, um exzellente wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Hämatologie und Medizinischen Onkologie zu prämieren. Fünf Preise wurden am zweiten Kongresstag im Rahmen der Plenarsitzung „Innovative zelluläre Immuntherapien“ verliehen. Preise der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie) Vincenz-Czerny-Preis: Der von der DGHO ausgeschriebene und mit 7500 Euro dotierte Preis prämiert wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit klinischen, experimentellen oder theoretischen Fragen der Onkologie befassen. In diesem Jahr wird der Vincenz-Czerny-Preis der DGHO an Dr. Sascha Dietrich vom Universitätsklinikum Heidelberg für seine Arbeit „Drug-perturbation-based stratification of blood cancer“ vergeben. Artur-Pappenheim-Preis: Der ebenfalls mit 7500 Euro dotierte Preis ist für eine wissenschaftliche Arbeit bestimmt, die sich mit klinischen, experimentellen oder theoretischen Fragen der Hämatologie befasst. In diesem Jahr wird der Artur-Pappenheim-Preis der DGHO an Dr. Thomas Oellerich vom Universitätsklinikum Frankfurt für seine Arbeit „Mechanismen der Therapieresistenz in der akuten myeloischen Leukämie“ vergeben. Doktoranden-Förderpreis: Der mit 3000 Euro dotierte Preis wird für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Hämatologie und Internistischen Onkologie verliehen, die während des Studiums der Medizin, der Pharmazie oder der Biologie oder im Rahmen einer Dissertation im Bereich der genannten Disziplinen entstanden sind. In diesem Jahr wird der Doktoranden-Förderpreis der DGHO an Julius Clemens Fischer von der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität München für seine Arbeit „RIGI/MAVS and STING signaling promote gut integrity during irradiation- and immune-mediated tissue injury“ vergeben. Preise der OeGHO (Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie) Wilhelm Türk-Preis: Der mit 5.000 Euro dotierte Preis der OeGHO für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der klinischen Hämatologie geht in diesem Jahr an Dr. Andreas Reinisch, PhD, LKH Universitätsklinik Graz, für die Arbeit „A humanized bone marrow ossicle xenotransplantation model enables improved engraftment of healthy and leukemic human hematopoetic cells“. Wolfgang Denk-Preis: Der ebenfalls von der OeGHO ausgelobte und mit 5.000 Euro dotierte Preis für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der klinischen Onkologie wird 2018 an Priv.-Doz. Dr. Thomas Melchardt, PhD, LKH Universitätsklinikum Salzburg, für seine Arbeit „Clonal evolution and heterogeneity in metastatic head and neck cancer – An analysis of the Austrian Study Group of Medical Tumor Therapy“ verliehen. DGHO-Ehrenmitgliedschaft 2018 verliehen Die Ehrenmitgliedschaft der DGHO wurde im Rahmen der Jahrestagung an Prof. Mathias Freund verliehen. Ausgezeichnet wird er für seine herausragenden Verdienste um die Hämatologie und Onkologie sowie für die Fachgesellschaft. Von 1994 bis 2012 war Freund Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin der Universitätsmedizin Rostock. Der DGHO war er 20 Jahre lang aktiv verbunden und hat die Fachgesellschaft maßgeblich weiterentwickelt und geprägt – von 1996 bis 2012 als Sekretär und Schatzmeister, von 2012 bis 2015 als Geschäftsführender Vorsitzender. Sein Wirken hat viele positive Entwicklungen angestoßen. In seiner Ära wurden die Bedeutung des Faches gestärkt, die Sichtbarkeit deutlich verbessert und der politische Einfluss gefördert. Seit 2014 engagiert sich Freund als Kuratoriumsvorsitzender in der von der DGHO gegründeten Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.
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