Jeder dritte Jugendliche wird den Eltern gegenüber körperlich aggressiv4. Februar 2026 Jeder dritte junge Mensch hat seine Eltern schon mindestens einmal körperlich angegriffen. (Foto: © pict rider – stock.adobe.com) Eine Züricher Langzeitstudie zeigt: Körperliche Aggressionen von 11- bis 24-Jährigen gegen ihre Eltern sind nicht selten – am häufigsten im Alter von 13 Jahren. Rund fünf Prozent der Befragten zeigen ein solches Verhalten auch noch im Erwachsenenalter.Körperliche Aggressionen von jungen Menschen gegenüber ihren Eltern geschehen recht häufig – und sind trotzdem ein Tabu. Betroffene schämen sich oft und suchen keine Hilfe und wollen ihre Kinder vor Konsequenzen schützen. Nun zeigt eine Langzeitstudie der Universität Zürich (UZH) erstmals, wie sich dieses Verhalten von der frühen Jugend bis ins junge Erwachsenenalter entwickelt – und welche Faktoren das Risiko erhöhen oder senken können. Die Untersuchung basiert auf dem Züricher Projekt zur sozialen Entwicklung von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter (z-proso), das von Manuel Eisner, Denis Ribeaud und Lilly Shanahan am „Jacobs Center for Productive Youth Development“ der UZH geleitet wird. In der Studie wurden mehr als 1500 junge Menschen von der frühen Adoleszenz bis ins junge Erwachsenenalter begleitet. Ein Drittel ist mindestens einmal körperlich aggressiv Dabei gaben 32,5 Prozent der Teilnehmenden an, ihre Eltern mindestens einmal zwischen dem 11. und 24. Lebensjahr körperlich angegriffen zu haben – etwa durch Schlagen, Treten oder das Werfen von Gegenständen. Am häufigsten geschah dies bei den 13-Jährigen. In diesem Alter zeigten rund 15 Prozent der Befragten ein solches Verhalten. Danach nahm die Häufigkeit ab und stabilisierte sich im jungen Erwachsenenalter bei etwa fünf Prozent. „Dass ein Drittel der Jugendlichen im Laufe der Adoleszenz aggressiv gegenüber den Eltern wird, mag auf den ersten Blick überraschen“, erklärt Shanahan. „Doch meist handelt es sich um einzelne Vorfälle – wohl häufig im Kontext eskalierender Eltern-Kind-Konflikte während der Pubertät. Es betrifft also nicht systematische Gewalt und auch nicht ein individuelles Versagen“, unterstreicht die Letztautorin. Dennoch sei besorgniserregend, dass zwei von fünf der Betroffenen dieses aggressive Verhalten zu mehreren Zeitpunkten zeigen. Elterliche Konflikte und ADHS stärken das Risiko Was führt dazu, dass Jugendliche gegenüber ihren Eltern tätlich werden? Das Bildungsniveau oder der sozioökonomische Status der Familie scheinen keinen signifikanten Einfluss zu haben. „Kind-Eltern-Aggressionen betreffen alle Gesellschaftsschichten gleichermaßen“, betont Erstautorin und Postdoktorandin Laura Bechtiger. „Es ist kein Problem bestimmter sozialer Milieus oder eines einzelnen Geschlechts.“ Dennoch bestehen mehrere Risikofaktoren unabhängig von einer generellen Aggressionsneigung der Kinder: Körperliche Bestrafung und verbale Aggression durch die Eltern erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kreislauf der Gewalt innerhalb der Familie entsteht und aggressive Verhaltensweisen vorgelebt werden. Auch häufige elterliche Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten tragen dazu bei, dass die eigenen Kinder ähnliche Konfliktmuster übernehmen. Weiterhin haben Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssymptomen (ADHS) eine höhere Wahrscheinlichkeit, da sie häufig Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle haben und von ihren Eltern vielleicht ungeduldiger behandelt werden. Kompetente Konfliktbewältigung und gutes Umfeld schützen Die gute Nachricht: Bestimmte Faktoren können das Risiko deutlich senken, dass Jugendliche gegenüber ihren Eltern körperlich aggressiv werden: Kinder, die gelernt haben, mit negativen Emotionen und Konflikten konstruktiv umzugehen, zeigen eine geringere Tendenz zur Gewaltbereitschaft. Ein unterstützendes Erziehungsumfeld – also Eltern, die sich aktiv am Leben ihrer Kinder beteiligen, Interesse zeigen und emotionale Unterstützung bieten – reduziert ebenfalls die Bereitschaft. Auch frühe Prävention könnte gemäss den Forschenden die Wahrscheinlichkeit von Gewaltausbrüchen senken. „Konflikte zwischen Eltern und Jugendlichen sind normal und sogar wichtig für die Entwicklung“, erklärt Ribeaud, Ko-Direktor von z-proso. „Einzelne kleinere Ausraster in der Pubertät sollte man reflektieren, sie sind aber nicht unbedingt Grund zur Sorge – ein Muster hingegen schon: Wiederholte körperliche Aggression und deren steigende Intensität sind ebenso Warnsignale wie mangelnde Reue oder aggressives Verhalten auch ausserhalb der Familie.“ Frühe Prävention ist wichtig Bei den 24-Jährigen zeigen mit rund fünf Prozent verhältnismäßig wenige Befragte ein körperlich aggressives Verhalten, dennoch ist der Anteil bemerkenswert. Wiederholen sich solche tätlichen Angriffe bis ins junge Erwachsenenalter, steigt das Risiko, dass diese auch später fortgeführt werden – mit entsprechenden psychosozialen Folgen. „Präventionsmaßnahmen sollten früh ansetzen: sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern“, betont Soziologe Eisner. „Eltern müssen lernen, weniger auf körperliche Bestrafung zu setzen und ein unterstützendes, konstruktives Familienklima zu schaffen. Und Kinder sollten dabei unterstützt werden, sich idealerweise bereits im (Vor)schulalter Strategien zur Regulierung ihrer Emotionen und konstruktiven Konfliktlösungen anzueignen.“
Mehr erfahren zu: "Universitätsmedizin Halle setzt OP-Roboter da Vinci Xi in der Kinderchirurgie ein" Universitätsmedizin Halle setzt OP-Roboter da Vinci Xi in der Kinderchirurgie ein Seit Ende 2025 setzt das Team der Universitätsklinik und Poliklinik für Kindertraumatologie und Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Halle bei ausgewählten Operationen den OP-Roboter da Vinci Xi ein. Damit ist die Klinik […]
Mehr erfahren zu: "Hoffnung für Frühchen: KI-Modellprojekt in Nürnberg startet" Hoffnung für Frühchen: KI-Modellprojekt in Nürnberg startet Nürnberg testet als erstes deutsches Klinikum den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Versorgung von Frühgeborenen.
Mehr erfahren zu: "Wie unterstützt man Jugendliche im Umgang mit Stress?" Wie unterstützt man Jugendliche im Umgang mit Stress? Ein bundesweites Forschungskonsortium untersucht, wie Jugendliche im Umgang mit Stress und psychischen Problemen niedrigschwellig unterstützt werden können, um psychisch gesund zu bleiben. Der Gemeinsame Bundesausschuss fördert das Projekt mit 5,8 […]