Kachexie bei Darmkrebs: Blockade eines Proteins könnte helfen28. August 2026 Foto: sudok1/stock.adobe.com US-Forscher haben einen biologischen Prozess identifiziert, der erklären könnte, warum es bei Darmkrebs zu einem schweren Muskel- und Knochenschwund kommt – insbesondere in fortgeschrittenen Stadien. Laut den Autoren von der University of Colorado Anschutz und der Indiana University School of Medicine senden Darmkrebszellen ein Signal an die Leber, das diese zur Produktion des Proteins IGFBP1 veranlasst. Gelangt dieses in den Blutkreislauf, kann es zu Kachexie beitragen. In Laboruntersuchungen und in Mausmodellen half eine Blockade von IGFBP1, diesen Verlust von Muskel- und Knochenmasse zu verhindern und die Muskelkraft zu verstärken, selbst wenn die Krebserkrankung bestehen blieb. Die Arbeit wurde jüngst in „Nature Communications“ publiziert. „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Krebserkrankung durch eine Interaktion von Tumor und Leber Muskeln und Knochen beeinträchtigen kann“, berichtet Seniorautor Prof. Andrea Bonetto vom Institut für Pathologie der University of Colorado Anschutz und dem University of Colorade Anschutz Cancer Center. „Dies gibt uns eine neue Möglichkeit, um über krebsbedingte Kachexie und ein mögliches Angriffsziel zum Schutz von Patienten vor diesen Effekten nachzudenken.“ Höhere Werte des Proteins IGFBP1 bei Krebspatienten Laut den Forschenden produzieren Darmkrebszellen das Protein FGF21, das Signale an die Leber sendet. In Reaktion darauf wiederum stellt die Leber eine größere Menge des Proteins IGFBP1, das in den Blutkreislauf gelangt und unmittelbar zu Muskel- und Knochenschwund im ganzen Körper beitragen kann. Die Wissenschaftler fanden höhere IGFBP1-Spiegel bei Darmkrebspatienten als bei Gesunden: Die Werte waren bei Patienten mit Kolorektalkarzinom etwa doppelt so hoch. Dabei waren die Werte besonders hoch in Fällen, in denen der Tumor bereits in die Leber metastasiert hatte. Untersuchungen im Labor zeigten, dass IGFBP1 Muskelzellen dazu veranlassen kann zu schrumpfen. Auch verstärkt das Protein die Entwicklung von Zellen, die beim Abbau von Knochenmasse eine Rolle spielen. Besserer Erhalt von Muskel- und Knochenmasse bei Protein-Blockade Im Labor und in präklinischen Modellen kam es unter einer Blockade von IGFBP1 zu einem besseren Erhalt von Muskel- und Knochenmasse sowie zu einer höheren Muskelkraft. Eine Hemmung des vom Tumor ausgesendeten Signals an die Leber senkte zudem die Produktion von IGFBP1 und trug so zum Schutz vor Kachexie bei. Die Forschenden betonen, dass die Blockade dieses Signalweges in den Modellen das Ausmaß der Krebserkrankung nicht durchgehend senkte. „Da klinische und präklinische Evidenz bereits zeigen, dass der Erhalt von Muskelmasse bei Krebs zu einer Verlängerung der Lebenszeit führen kann, ist unser Ziel hier nicht unbedingt, den Tumor direkt anzugreifen“, stellt Bonetto klar. „Unser Ziel ist es vielmehr herauszufinden, ob wir Patienten vor den Schäden schützen können, die eine Krebserkrankung im gesamten Körper verursacht, und wir so letzten Endes die Lebensqualität und das Überleben erhöhen können.“ Könnte dies zu einer Therapie führen? Die Forschung in dieser Richtung befindet sich noch in einem frühen Stadium. Um festzustellen, ob eine Blockade von IGFBP bei Patienten sicher und wirksam ist, sind weitere Untersuchungen nötig. Dies werde vor allem vor dem Hintergrund von Bedeutung sein, dass FGF21 und IGFBP1 auch bei normalen Körperfunktionen wie dem Stoffwechsel eine Rolle spielen. „Unsere nächste Herausforderung wird es sein zu ermitteln, ob es sicher ist, diesen Signalweg bei Patienten anzusprechen“, erklärt Bonetto. „Wenn wir Muskel- und Knochenmasse erhalten können, sind wir möglicherweise auch dazu in der Lage es Betroffenen zu ermöglichen, kräftiger und mobiler zu bleiben und Krebstherapien besser tolerieren zu können.“ (ac/BIERMANN)
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