Kälteinduzierte Urtikaria: Klinische Faktoren sagen Anaphylaxierisiko besser voraus als Provokationstests5. August 2026 Die Schwere der kälteinduzierten Urtikaria wird mit Routineuntersuchungen oft unterschätzt. (Foto: © Alexandra – stock.adobe.com) Bei der kindlichen kälteinduzierten Urtikaria kann eine Risikobewertung systemischer Reaktionen, die sich ausschließlich auf die Ergebnisse des Kältetests oder routinemäßige Laborbefunde stützt, den Schweregrad der Erkrankung unterschätzen. Zu diesem Schluss kommt ein türkisches Forscherteam in „Pediatric Allergy and Immunology“. Um die klinischen Merkmale, Begleiterkrankungen, Behandlungsansätze, das Anaphylaxierisiko und den Langzeitverlauf von kälteinduzierter Urtikaria (ColdU) in einer pädiatrischen Kohorte zu bewerten, hatte das Team um Korrespondenzautor Esra Yucel von der Istanbul University-Cerrahpasa (Türkei) retrospektiv die Daten von 203 pädiatrischen Patienten (56,1 % weiblich) mit ColdU aus 30 Zentren in der Türkei ausgewertet. Weitere Zielparameter der Studie waren Risikofaktoren für eine kälteinduzierte Anaphylaxie, Determinanten der Krankheitsheilung und Prädiktoren für ein Fortbestehen der Erkrankung bis ins Erwachsenenalter. Den ausgewerteten Krankenakten zufolge betrug das mediane Alter bei der Diagnose 14,3 Jahre, erste Symptome hatten die Kinder aber bereits im medianen Alter von zehn Jahren gezeigt. Eine kälteinduzierte Anaphylaxie war bei 17,2 Prozent der Betroffenen aufgetreten, wobei hochrisikoreiche Kälteexpositionen, höheres Alter, Angioödeme und autoimmunbedingte Komorbiditäten das Anaphylaxierisiko signifikant erhöhten. Komorbide Atopie senkt die Chance auf Remission Die meisten Patienten (82,2 %) erhielten H1-Antihistaminika der zweiten Generation. Bei zwölf therapieresistenten Fällen erreichte Omalizumab eine Symptomkontrolle von mehr als 90 Prozent. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 3,5 Jahren kam es bei 30,5 Prozent der Kinder zu einer Remission (mediane Dauer: 18 Monate). Eine Anamnese mit Anaphylaxie und komorbider Atopie verringerte die Wahrscheinlichkeit einer Remission signifikant. Bei einigen Patienten blieb die Erkrankung bis ins Erwachsenenalter bestehen, ohne dass klare Prädiktoren erkennbar waren. Die Autoren resümieren, dass sich die Behandlung von ColdU im pädiatrischen Bereich an einer individualisierten Risikobewertung orientieren sollte, bei der klinische Risikofaktoren wie höheres Alter, hochriskante Kälteauslöser, Angioödem und autoimmune Begleiterkrankungen Vorrang vor isolierten diagnostischen Parametern haben sollten. In therapieresistenten Fällen sei Omalizumab eine wirksame und gut verträgliche Option. Da eine Anaphylaxie auch ohne klassische Risikofaktoren auftreten kann, müsse die Entscheidung über die Verwendung eines Adrenalin-Autoinjektors individuell getroffen werden. (ej)
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