Kamerabasiertes Verfahren erfasst Hautveränderungen bei Sklerodermie

Schematische Darstellung der optischen Hautmessung mit projizierten Lichtmustern bei Sklerodermie (KI-generiertes Symbolbild, erstellt mit Google Gemini)

Mit projizierten Lichtmustern lassen sich Hautveränderungen bei Sklerodermie erfassen. Eine aktuelle Studie zeigt auch in Hautarealen, die Ärzte als normal eingestuft hatten, abweichende optische Messwerte.

US-amerikanische Forschende haben ein kamerabasiertes Verfahren namens Spatial Frequency Domain Imaging (SFDI) zur Beurteilung von Hautveränderungen bei Patienten mit Sklerodermie entwickelt und getestet. Bei SFDI werden Muster aus unschädlichem Licht berührungslos auf die Haut projiziert. Anschließend wird gemessen, wie die Haut das Licht zurückstreut. „Wir entwickeln SFDI in meinem Labor seit fast 15 Jahren weiter. Aber dies ist das erste Mal, dass jemand diese Technologie bei Sklerodermie eingesetzt hat“, erklärt Prof. Darren Roblyer vom Department of Biomedical Engineering der Boston University, Boston, USA.

Abweichende Messwerte auch in klinisch unauffälliger Haut

Die Forschenden stellten fest, dass sich die optischen Messwerte bei Menschen mit Sklerodermie von denen gesunder Personen unterschieden und dass sich damit erfassen ließ, wie dick und fibrotisch die Haut war. Auch in Hautarealen, die Ärzte als normal eingestuft hatten, fanden sie abweichende Messwerte. Dies deutet darauf hin, dass SFDI subtile Hautveränderungen erkennen könnte, die bei einer standardmäßigen klinischen Untersuchung nicht erkennbar sind. Die Studie wurde in „The Lancet Rheumatology“ veröffentlicht.

„Wir verglichen die optischen Messwerte direkt mit dem Ausmaß der Kollagenablagerung in Hautbiopsien und stellten so einen Zusammenhang zwischen den bildgebenden Messungen und der Vernarbung der Haut her. Außerdem verglichen wir die Messwerte mit der sonografisch bestimmten Hautdicke und dem klinischen Standard-Hautscore, prüften die Wiederholbarkeit der Messungen und untersuchten, ob sich die Messwerte im Zeitverlauf parallel zu den Hautveränderungen der Patienten veränderten“, erklärt Prof. Andreea Bujor, von der Boston University Chobanian & Avedisian School of Medicine, Boston, USA.

Niedrigere Messwerte bei ausgeprägterer Hautfibrose

Die Forschenden untersuchten 49 Menschen mit Sklerodermie und 25 gesunde Probanden an der Sklerodermie-Ambulanz des Boston Medical Center (BMC). Mithilfe von SFDI erfassten sie sechs Messstellen an Händen, Unterarmen und Fingern. Sie verglichen die optischen Messwerte mit dem palpatorisch erhobenen ärztlichen Hautscore, sonografischen Messungen der Hautdicke, einer mit einem Handgerät durchgeführten Messung der Hauthärte sowie Unterarmbiopsien von 34 Patienten und 16 gesunden Probanden.

Bei elf Patienten wiederholten sie die Messungen im Zeitverlauf, um festzustellen, ob die optischen Messwerte Veränderungen des klinischen Hautscores abbildeten. Die optischen Messwerte waren bei Menschen mit Sklerodermie niedriger. Niedrigere Werte waren mit höheren Hautscores, einer ausgeprägteren Vernarbung in den Biopsien und einer größeren sonografisch bestimmten Hautdicke assoziiert.

Derzeit gibt es keine speziell für die Hautfibrose bei Sklerodermie zugelassenen Therapien. Ein wesentliches Hindernis für die Entwicklung wirksamer Behandlungen ist das Fehlen präziser, objektiver Methoden zur Messung der Hautfibrose. Dadurch kann in klinischen Studien selbst eine wirksame Therapie als unwirksam erscheinen. „Eine schnelle, schmerzfreie und berührungslose Messung könnte Ärzten helfen, Hautveränderungen objektiver zu verfolgen, dazu beitragen, dass klinische Studien einen Behandlungsnutzen zuverlässiger nachweisen, und subtile Hautveränderungen erkennen, bevor sie sich ertasten lassen“, so Bujor, die auch als Rheumatologin am BMC tätig ist. (ins)