Kammerpräsident Gehle warnt: Frauen in Ausnahmesituation nicht alleine lassen13. Mai 2025 Foto: © Feng Yu/stock.adobe.com Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) äußert sich besorgt zur aktuellen Diskussion um Schwangerschaftsabbrüche in Lippstadt. Hintergrund ist die Fusion des Evangelischen Krankenhauses (EvK) und des Dreifaltigkeits-Hospitals (DFH), nach der der neue Krankenhausträger einem Arzt untersagt hat, Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. Einzige Ausnahme bleibe, wenn unmittelbar das Leben der Mutter in Gefahr sei. Der betroffene Arzt hat bislang etwa 15 solcher Eingriffe pro Jahr vorgenommen. Dabei ging es um Frauen, deren ungeborenes Kind eine schwere Erkrankung oder Fehlbildung hatte. In diesen schwierigen Fällen hatten die betroffenen Familien bislang eine wichtige Anlaufstelle für medizinische Beratung, Unterstützung und gegebenenfalls auch die Durchführung eines Abbruches. Druck und emotionale Belastung Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der ÄKWL, warnt eindringlich: „Wir dürfen Frauen in einer solchen Ausnahmesituation nicht alleine lassen. Diese Frauen und ihre Familien stehen ohnehin schon unter enormem Druck und emotionaler Belastung. Es ist unethisch und nicht akzeptabel, erst dann zu handeln, wenn das Leben der Mutter akut gefährdet ist.“ Für die Ärztekammer steht fest, dass die Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch für jede betroffene Frau innerhalb des gesetzlichen Rahmens eine Gewissensentscheidung ist. Dies gelte auch für Ärzte, auch für sie ist es eine Gewissensentscheidung, so Gehle. Nach ihrer Berufsordnung dürften sie nicht gezwungen werden, einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Sie dürften aber auch nicht gezwungen werden, einen Schwangerschaftsabbruch zu unterlassen, wenn sie Schwangeren in einer Notlage helfen wollen. Es müsse in jedem Fall gewährleistet sein, dass Frauen, die sich in einer Krisensituation befinden, einen sicheren Zugang zu dieser notwendigen medizinischen Hilfe erhalten. Aus diesem Grund erklärt der Vorstand der ÄKWL ausdrücklich seine Solidarität mit dem betroffenen Arzt bei seinem Vorgehen gegen das Verbot des neuen Krankenhausträgers. Gehle sieht zudem eine bedenkliche Entwicklung und befürchtet, dass Klinikfusionen auch in anderen Regionen ähnliche Auswirkungen haben könnten.
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