Kardiovaskuläre und renale Auswirkungen neuer Diabetesmedikamente

Die Zulassung von Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1RA) und Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitoren (SGLT2i) wurde auch auf Patienten mit Diabetes mit geringerem kardiovaskulärem Risiko ausgeweitet. In diesem Kontext ist aber nicht klar, ob sich der Nutzen der Behandlung hinsichtlich einzelner Risikostufen unterscheidet.

Um zu klären, ob sich Patienten mit unterschiedlichem Risiko bezüglich des kardiovaskulären und renalen Nutzens von GLP-1RA und SGLT2i unterscheiden, haben Forschende eine systematische Übersichtsarbeit mit PubMed-Daten bis Anfang November 2022 durchgeführt. Dazu schlossen sie Berichte über randomisierte GLP-1RA- und SGLT2i­Studien bei erwachsenen Patienten mit Daten zu Sicherheits- oder Wirksamkeitsendpunkten ein und extrahierten die HR-bezogenen Ergebnisse sowie die Ereignisraten für Mortalität und für kardiovaskuläre und renale Outcomes.

Die Autoren analysierten 9 GLP-1RA- und 13 SGLT2i-Studien mit insgesamt 154.649 Patienten. Die zusammengefassten HR-Werte waren signifikant für kardiovaskuläre Mortalität (GLP-1RA: HR 0,87 und SGLT2i: HR 0,86), schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (GLP-1RA: HR 0,87 und SGLT2i: HR 0,88), Herzversagen (GLP-1RA: HR 0,89 und SGLT2i: HR 0,70) sowie Nierenerkrankungen (GLP-1RA: HR 0,84 und SGLT2i: HR 0,65). Bezogen auf das Risiko für Schlaganfälle war die Wirksamkeit für GLP-1RA (HR 0,84) signifikant, nicht aber für SGLT2i (HR 0,92).

Die Assoziationen zwischen den kardiovaskulären Mortalitätsraten im Kontrollarm und der HR waren nicht signifikant. Die absoluten 5-Jahres-Risikoreduktionen (0,80–4,25%) stiegen in den Studien mit SGLT2i bei Patienten mit hohem Risiko auf 11,6% für Herzversagen an (pslope<0,001). Für GLP1-RA waren die Assoziationen in dieser Gruppe dagegen nicht signifikant.

Fazit
Nach dieser Datenlage bleiben die relativen Wirkungen der neuartigen Diabetesmedikamente bei gleichem kardiovaskulären Grundrisiko erhalten, während der absolute Nutzen bei höherem Risiko zunimmt, insbesondere bei Herzversagen. Es sind nun weitere Instrumente zur Bewertung des Ausgangsrisikos erforderlich, um Unterschiede im absoluten Nutzen der Behandlung erkennen und die Entscheidungsfindung verbessern zu können. (bi)

Autoren: Rodriguez-Valadez JM et al.
Korrespondenz: José M. Rodriguez-Valadez; [email protected]
Studie: Cardiovascular and Renal Benefits of Novel Diabetes Drugs by Baseline Cardiovascular Risk: A Systematic Review, Meta-analysis, and Meta-regression
Quelle: Diabetes Care 2023;46(6):1300–1310.
Web: https://doi.org/10.2337/dc22-0772