Katheterablation bei Vorhofflimmern ohne Einfluss auf die Lebensqualität?

Katheterablation im Herzkatheterlabor des Universitätsklinikums Leipzig. Bildquelle: Rolf Wachter/Universität Leipzig

Mittels einer Katheterablation kann das Vorhofflimmern zwar effektiv behandelt werden. Auf die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten scheint sich die Behandlung selbst allerdings kaum auszuwirken. Das legen Daten einer aktuellen Studie aus Leipzig nahe, die auf dem ESC Congress 2026 vorgestellt wurden.

Eine Katheterablation ist ein minimaler operativer Eingriff, mit dem das Vorhofflimmern behandelt wird. Dabei werden mit einem Katheter, der über die Leistenvene eingebracht und zum linken Herzvorhof vorgebracht wird, kleine Bereiche des Herzgewebes verödet, um die elektrischen Fehlsignale zu unterbrechen, die den unregelmäßigen Herzschlag auslösen.

Eine Studie unter Leitung der Universitätsmedizin Leipzig, des Deutschen Herzzentrums der Charité und des Herzzentrums Leipzig zeigt: Auch wenn der Eingriff das Wiederauftreten von Vorhofflimmern deutlich verringert, verbessert er die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten nicht mehr als ein Scheinverfahren. Die Ergebnisse wurden am 30. August auf dem europäischen Kardiologenkongress (ESC Congress) in München vorgestellt und zeitgleich im Medizinjournal „The Lancet“ publiziert.

Katheterablation stabilisiert Herzrhythmus

Vorhofflimmern kann Herzklopfen, Luftnot und Erschöpfung verursachen und erhöht das Risiko für Schlaganfall und Tod. Weil die Erkrankung mit zunehmendem Alter und mehr Risikofaktoren wie Bluthochdruck häufiger wird, rechnen Mediziner:innen mit deutlich mehr Fällen in den kommenden Jahren. Weltweit werden bereits heute mehr als 500.000 Katheterablationen pro Jahr durchgeführt.

Es ist wissenschaftlich gesichert, dass die Katheterablation den Herzrhythmus stabilisiert und das Fortschreiten des Vorhofflimmerns verzögert. Bislang war jedoch unklar, ob der Eingriff auch tatsächlich die Lebensqualität beeinflusst. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Rolf Wachter, Professor für Klinische und Interventionelle Kardiologie an der Universität Leipzig und Stellvertretender Klinikdirektor der Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig, und Prof. Nikolaos Dagres, Leitender Oberarzt an der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Charité Mitte, wollten mit ihrer Studie diese Frage klären.

Vorhofflimmern weg – ohne Einfluss auf Lebensqualität?

Die doppelblinde Untersuchung fand an neun Kliniken in Deutschland und Polen statt. 262 Patient:innen mit Vorhofflimmern wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe erhielt eine echte Katheterablation, die Personen der anderen Gruppe ein Scheinverfahren. Dabei wurde ein Gefäßzugang gelegt, ohne dass ein Katheter zum Einsatz kam. Weder die Teilnehmenden noch das Team, das die Patientinnen und Patienten anschließend betreute, wussten, wer welche Behandlung erhalten hatte.

Zu Beginn der Studie sowie sechs Monate nach dem Eingriff füllten alle Teilnehmenden einen etablierten Fragebogen zu ihrer Lebensqualität in Bezug auf das Vorhofflimmern aus; den sogenannten „Atrial Fibrillation Effect on the Quality-of-life Questionnaire“ (AFEQT). Das Ergebnis: In beiden Gruppen verbesserte sich das Befinden bei vier von fünf Patientinnen und Patienten, ohne statistisch bedeutsamen Unterschied zwischen echter und Scheinbehandlung. Die Katheterablation war der Scheinbehandlung nur in einem Punkt klar überlegen: 73 Prozent der echt behandelten Patientinnen und Patienten waren nach einem halben Jahr frei von Vorhofflimmern, in der Vergleichsgruppe waren es nur 52 Prozent.

Erkenntnisse verändern die Erwartungshaltung

„Unsere Daten zeigen: Der Großteil der von Patientinnen und Patienten berichteten Besserung geht offenbar nicht auf die Katheterablation selbst zurück, sondern etwa auf einen Placebo-Effekt oder eine begleitend angepasste Medikation“, resümiert Wachter das Ergebnis der Studie.

Dagres ergänzt: „Aktuelle Leitlinien empfehlen die Katheterablation vor allem, um das Wiederauftreten von Vorhofflimmern zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern. Unsere Studie verdeutlicht jedoch, dass die Verbesserung der Lebensqualität nicht ausreichend über den Effekt der Ablation erklärt werden kann.“

Die Auswirkungen auf die klinische Praxis beschreibt Patrick Haag, der ärztliche Koordinator der Studie und Assistenzarzt in der Abteilung Rhythmologie des Herzzentrums Leipzig: „An der grundsätzlichen Wirksamkeit der Katheterablation gegen das Wiederauftreten von Vorhofflimmern ändern die Ergebnisse nichts – aber an der Erwartung, was die Behandlung für das subjektive Wohlbefinden der Patient:innen leisten kann.“

Das Team werde die Daten noch ausführlicher analysieren, so Haag. Man wolle besser verstehen, welche Patientengruppen auch in Bezug auf die Lebensqualität potentiell profitieren können. Mehr Aufschluss geben könnte die zwölfmonatige Nachbeobachtung, die derzeit noch läuft. Die entsprechenden Ergebnisse werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.