Keine Hinweise auf Opioid-Krise in Deutschland

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Die Verordnung von opioidhaltigen Schmerzmitteln war in Deutschland zwischen 2005 und 2020 rückläufig. Das ergibt eine vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beauftragte Untersuchung von Krankenkassendaten.

Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) im Auftrag des BfArM. Die verantwortlichen Forscher haben dazu die Abrechnungsdaten von ca. 25 Millionen Personen ausgewertet. Ihre Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des Bulletins zur Arzneimittelsicherheit veröffentlicht.

Sinkende Verordnungsprävalenz

Während der Beginn der sogenannten Opioid-Krise in den USA von einem starken Anstieg der Verordnungen opioidhaltiger Analgetika geprägt war, fanden die BIPS-Wissenschaftler keinen solchen Trend in Deutschland. Im Gegenteil: Ihrer Datenauswertung zufolge ist die Verordnungsprävalenz von Opioid-Analgetika zwischen 2005 und 2020 hierzulande um 19 Prozent gesunken. Die einzige Personengruppe, bei der es während des Beobachtungszeitraumes zu einem Anstieg der Verordnungen kam, waren Menschen ab 80 Jahren, wobei auch diese Entwicklung seit 2016 rückläufig war.

Steigende Menge oraler Morphin-Äquivalente

Im Gegensatz zur Verordnungsprävalenz entwickelte sich die Menge der verordneten oralen Morphin-Äquivalente im Beobachtungszeitraum eher gegenläufig. So stieg zwischen 2005 und 2016 die alters- und geschlechtsstandardisierte Rate der verordneten oralen Morphin-Äquivalente um 51 Prozent an (von 191.987 mg auf 290.733 mg pro 1000 Personenjahre), gefolgt von einem leichten Rückgang bis 2020 (auf 275.218 mg pro 1000 Personenjahre). Der verzeichnete Anstieg ging vor allem auf einen Zuwachs in den Altersgruppen 60 bis 79 Jahre (51%) und 80 Jahre oder älter (68%) zurück.

Langzeitgebrauch vor allem aufgrund chronischer Schmerzen

Die Kriterien für einen Langzeitgebrauch nach üblicher Definition erfüllte etwa ein Fünftel der Personen mit einer Neuverordnung eines Opioid-Analgetikums während des Betrachtungszeitraums mindestens einmal. Der häufigste potenzielle Grund für einen Langzeitgebrauch waren nichttumorbedingte chronische Schmerzen. In ihrem Bericht heben die Autoren hervor, dass sich anhand der Krankenkassendaten nicht beurteilen lässt, inwiefern der Langzeitgebrauch bei diesen Personen angemessen war.

Missbrauch wohl selten

Weiter heißt es in dem Bericht, die Ergebnisse zu Missbrauch und Abhängigkeit ließen zwar vermuten, dass insbesondere in der Altersgruppe 20 bis 39 Jahre in manchen Fällen ein nicht indikationsgerechter Gebrauch stattfindet, doch die entsprechenden Anteile seien gering. Ein Hinweis auf die missbräuchliche Opioidverwendung ist beispielsweise das „Doctor Shopping“, bei dem die Patienten innerhalb eines Jahres mindestens fünf verschiedene Ärztinnen und Ärzte aufsuchen, um sich verschreibungspflichtige Medikamente in übermäßigen Mengen zu beschaffen. Auch dieses Phänomen wurde eher in der jüngeren Generation beobachtet, aber war mit 2,1 Prozent aller Personen, die Opioide für mindestens ein Jahr einnahmen, im Allgemeinen selten.

„Insgesamt bestätigen und erweitern diese Ergebnisse die Erkenntnisse aus früheren Studien, dass es in Deutschland keine Hinweise auf eine sogenannte Opioid-Krise gibt“, hebt das BfArM hervor.

(ah)