Kinder haben Anspruch auf eine Behandlung durch Spezialisten16. November 2018 Foto: © Oksana Kuzmina – Fotolia.com Fachgesellschaften und Verbände aus der Kinder- und Jugendmedizin sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie haben sich auf ein Konsenspapier zu Zukunftsthemen in der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland geeinigt. „Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf eine Versorgung durch Kinderspezialisten, also Ärzte, die speziell in der Behandlung von Kinder- und Jugendlichen ausgebildet worden sind. Dies betrifft somatische Erkrankungen ebenso wie psychosomatische und kinder- und jugendpsychiatrische”, erklärte der Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ), Prof. Hans-Iko Huppertz. „Wir freuen uns, dass sich alle beteiligten Fachgesellschaften und Verbände in Koordination durch die DAKJ auf ein überzeugendes Votum verständigt haben. Wir hoffen, dass die Politik im Bund und bei den Ländern darauf reagiert.“ Das Recht auf Gesundheit und Behandlung durch Spezialisten, die in den Besonderheiten ihrer Erkrankungen gut ausgebildet und erfahren sind, ist ein elementares Kinderrecht und steht laut der UN-Kinderrechtskonvention allen Kindern gleichermaßen zu. „Eltern finden nach der Geburt keinen Kinderarzt für das Neugeborene, weil es nicht mehr genügend Kinderärzte gibt. Kinderkrankenhäuser können schwerkranke Kinder nicht aufnehmen, weil Mangel an Pflegekräften herrscht. Eltern finden keinen Kinder- und Jugendpsychiater zur ambulanten Behandlung ihres Kindes in einer angemessenen Zeit, weil es zu wenig Kinder- und Jugendpsychiater gibt. Jugendliche mit psychiatrischen Erkrankungen müssen wochenlang auf einen Platz in einer entsprechenden Institution warten. Medikamente können nicht verschrieben werden, weil die Zulassung fehlt, obwohl diese Medikamente Mittel der Wahl sind oder in der Erwachsenenmedizin anerkannte Mittel zur Behandlung entsprechender Erkrankungen sind“, schilderte Huppertz die aktuelle Situation. Mehr Forschung und Vernetzung Der demographische Wandel macht sich laut DAKJ seit Jahren auch im Gesundheitswesen bemerkbar: Der Fachkräftemangel zeige sich besonders deutlich in den personalintensiven Fachgebieten der Medizin, wie es nicht zuletzt die Bereiche sind, die Kinder und Jugendliche versorgen. Hier bestehe sowohl im ärztlichen Bereich als auch im Bereich der Pflege ein gravierendes Nachwuchsproblem. Die Fachgesellschaften und Verbände der Kinder- und Jugendmedizin sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie fordern deshalb einer Erhöhung der Zahl der Ausbildungsplätze für Kinderkrankenpflege und der Zahl der Medizinstudienplätze. Dringend notwendig sei auch eine Intensivierung der Forschung für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sowie eine bessere Vernetzung vorhandener Versorgungsstrukturen. Zwischen den verschiedenen Regionen Deutschlands gebe es zum Teil große Diskrepanzen, kritisiert die DAKJ. Eine flächendeckende medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland sei jedoch essenziell, um Ungleichheiten zwischen Regionen nicht zu verschärfen bzw. eine ungünstige demografische Entwicklung in bestimmten Regionen weiter zu befördern. Dort wo die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen nicht gewährleistet sei, werde auch zukünftig keine Familie leben wollen. Das könne zu einer negativen Spirale für ganze Regionen beitragen, die sich von der insgesamt dynamischen Entwicklung Deutschlands abkoppeln, mahnte der Dachverband.
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