Kinder- und Jugendpsychiatrie: Weniger Zwangsmaßnahmen durch bauliche Veränderungen4. Januar 2024 Die positiven Auswirkungen der kinder- und jugendlichengerechten Ausstattung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie von MedUni Wien/AKH Wien wurden jetzt in einer Studie bestätigt. (Foto: © MedUni Wien/AKH Wien/Houdek) Aus Studien aus der Erwachsenenpsychiatrie ist bekannt, dass Umgebungsfaktoren den Einsatz von Zwangsmaßnahmen beeinflussen können. Eine Studie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie von MedUni Wien und AKH Wien beweist nun erstmals für Minderjährige mit psychischen Erkrankungen, dass architektonische Innovation den Einsatz von Maßnahmen gegen den Willen von Patienten reduzieren kann. Die Studie wurde vor dem Hintergrund der räumlichen Veränderungen an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie von MedUni Wien und AKH Wien durchgeführt: Die Klinik war im Oktober 2020 in einen eigens adaptierten und renovierten Gebäudeteil am Areal des AKH Wien umgezogen. Dort stehen den Patienten dank des vergrößerten Raumangebots jetzt mehr Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten, aber auch mehr natürliches Licht sowie eine insgesamt modernere und kinder- und jugendlichengerechte Ausstattung zur Verfügung. In Summe erwies sich diese architektonische Intervention im Rahmen der Studie als wirksam: „Unsere Studie bestätigt die Bedeutung alters- und bedürfnisangepasster baulicher Gegebenheiten als wichtigen Faktor für die Vorbeugung von Zwangsmaßnahmen auch bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen“, fasst Erstautorin Klara Czernin, stellvertretende Leiterin der Ambulanz der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Ergebnisse zusammen. Innerhalb von 18 Monaten nach dem Umzug der Klinik kam es gegenüber dem Vergleichszeitraum zu einer Reduktion der Rate an mechanischen Fixierungen von 13,7 auf 8,1 Prozent bei minderjährigen Patienten, auch die Gesamtdauer aller Zwangsmaßnahmen wurde auf fast die Hälfte verkürzt. „Bedenkt man den Anstieg an psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen mit der Fortdauer der COVID-19-Pandemie und den damit verbundenen Restriktionen im Beobachtungszeitraum unserer Studie, so wird die enorme Relevanz unserer Ergebnisse deutlich“, betont Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Darüber hinaus füllen die gewonnenen Erkenntnisse eine Lücke in der noch unzureichenden Datenlage zur Prävention von Zwangsmaßnahmen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dazu sei es unter anderem auch wichtig, auf die Bedürfnisse einzelner gefährdeter Patientengruppen einzugehen, Weiterbildungsprogramme für Mitarbeitende zu entwickeln sowie das Thema Prävention auch in akutpsychiatrischen Behandlungskonzepten zu berücksichtigen, nennt Czernin weitere wesentliche Punkte in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen.
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