Kinderärzte: Keine Rücknahme der Entbudgetierung!10. Januar 2025 Nach knapp zwei Jahren würden Kassenvertreter die Entbudgetierung in der Kinder- und Jugendmedizin gerne wieder zurücknehmen. Ärztevertreter bezeichnen dieses Ansinnen als “blanken Hohn”. (Foto: © Fokussiert – stock.adobe.com) Der AOK-Bundesverband fordert, die zum zweiten Quartal 2023 eingeführte Entbudgetierung in der Kinder- und Jugendmedizin wieder rückgängig zu machen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) weist diese Forderung entscheiden zurück. „Eine solche Forderung zeigt deutlich, dass die Krankenkassen offenbar immer noch nicht begriffen haben, was es für Kinder- und Jugendarztpraxen all die Jahre bedeutet hat, als der hohe tatsächliche Arbeitsaufwand nur teilweise finanziell vergütet wurde. Die ambulante Versorgung von Kindern und Jugendlichen wurde so aufs Spiel gesetzt. Frau Reimann lade ich herzlich ein, einen Arbeitstag in meiner Praxis zu verbringen. Vielleicht verschafft ihr dieser Einblick ein besseres Verständnis für die Realität der Versorgung von Kindern und Jugendlichen, darunter auch ihre Versicherten. Eine Ausweitung unbezahlter Mehrarbeit für Ärzt*innen und Praxisteams ist schlechterdings nicht zumutbar“, betonte Dr. Michael Hubmann, Präsident des BVKJ. Es wirke, als hätte die AOK die langfristigen Interessen ihrer Versicherten nicht im Blick, erklärte der Berufsverband in einer Pressemitteilung. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Generationenwechsels in den Praxen stehe die ambulante pädiatrische Versorgung in den kommenden Jahren vor einer ernsthaften Bedrohung. Da passe es nicht mehr in die Zeit, „dass Kassen sich weigern, anders als im Krankenhaus, Gehaltserhöhungen für medizinische Fachangestellte mitzufinanzieren“. „Effizienzreserven im Gesundheitssystem“ sieht der Berufsverband vielmehr in den Verwaltungskosten der Krankenkassen, „die das Geld, das eigentlich für die medizinische Versorgung der Versicherten vorgesehen ist, zweckentfremden. Gerade die AOKen stehen da an der Spitze“, monierte der BVKJ. „Die AOK sollte sich erstmal an die eigene Nase fassen: Versicherte erhalten am Freitag ab zwölf Uhr keinen Versicherungsnachweis mehr, Neugeborene bekommen ihren Versichertennachweis erst nach dem dritten Lebensmonat – was dazu führen kann, dass ihnen lebenswichtige Impfungen vorenthalten werden. Ultraschall ist nur dreimal pro Quartal erlaubt und nach einer notwendigen Medikamentengabe gibt es keine Atemwegstestung auf Kosten der Krankenkassen. Dazu sagen wir entschieden Nein. In unseren Praxen behandeln wir alle Kinder – auch dann, wenn die Kasse nicht zahlt. Willkürliche Kontingentierungen der Krankenkassen und vor allem Regresse, die auf Kosten der Kranken, insbesondere Kinder mit Behinderung, gehen, erschweren eine rationale medizinische Versorgung. Wann hören die Krankenkassen endlich auf, gegen die Ärzt*innen zu arbeiten, anstatt konstruktiv mit ihnen gemeinsam Lösungsansätze für eine kosteneffiziente Patientenversorgung zu suchen?“ „Das ist blanker Hohn“ Die Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dres. Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner, bezeichneten die Forderung des AOK Bundesverbandes nach einer Rücknahme der Entbudgetierung als „blanker Hohn“. Es seien nicht die Praxen, die für Ausgaben- und damit Beitragssteigerungen der Kassen verantwortlich sind. Vielmehr sei es „der Staat selbst, der jährlich viele Milliarden Euro Beitragsgelder für versicherungsfremde Leistungen ausgibt“, heißt es in einer Pressemitteilung der KBV.
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