Klassifikation: Neue Einteilung in 5 Diabetestypen

Diabetes
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Diabeteserkrankungen werden derzeit in 2 Hauptgruppen eingeteilt, Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes. Doch insbesondere der Typ-2-Diabetes ist eine sehr heterogene Erkrankung. Eine schwedische Arbeitsgruppe schlägt deshalb eine neue Einteilung des Typ-2-Diabetes vor, um den Patienten eine möglichst individuelle Therapie anbieten zu können und ihrem spezifischen Komplikationsrisiko Rechnung zu tragen.

Ihre Vorschläge basieren auf der Untersuchung einer Kohorte von 8980 Patienten mit neu diagnostiziertem Diabetes. Anhand von 6 Variablen (Glutamatdecarboxy-laseantikörper, Alter bei Diagnose, BMI, HbA1c und HOMA-2-Schätzungen der Betazellfunktion und der Insulinresistenz) ermittelten die Autoren 5 Gruppen. Gruppe 1 umfasste 577 Patienten (6,7 % der Gesamtkohorte). Ihren Diabetestyp bezeichnen die Autoren als schweren autoimmunen Diabetes („severe autoimmune diabetes“ [SAID]). Diese Gruppe ist gekennzeichnet durch einen frühen Krankheitsausbruch, einen relativ niedrigen BMI, eine schlechte metabolische Kontrolle, Insulinmangel und das Vorliegen von Glutamatdecarboxylase-Antikörpern (GADA). Gruppe 2 bestand aus 1575 Patienten (17,5 %). Sie hatten einen schweren Insulinmangel-Diabetes („severe insulin-deficient diabetes“ [SIDD]). Die Patienten in dieser Gruppe waren GADA-negativ, entsprachen aber ansonsten Gruppe 1, mit niedrigem Alter bei Krankheitsausbruch, relativ niedrigem BMI, geringer Insulin-sekretion und schlechter metabolischer Kontrolle.

In Gruppe 3 ordneten die Autoren 1373 Patienten (15,3 %) ein. Sie hatten einen schweren insulinresistenten Diabetes („severe insulin-resistant diabetes“ [SIRD]). Die Patienten in dieser Gruppe wiesen eine Insulinresistenz und einen hohen BMI auf. Gruppe 4 bestand aus 1942 Patienten (21,6 %). Sie haben den schwedischen Wissenschaftlern zufolge einen leichten, adipositasbedingten Diabetes („mild obesity-related diabetes“ [MOD]). Auch diese Gruppe ist, wie Gruppe 3, durch Adipositas charakterisiert, doch die Patienten sind nicht insulinresistent. Gruppe 5 schließlich umfasst insgesamt 3513 Patienten (39,1 %). Sie haben einen leichten, altersbedingter Diabetes („mild age-related diabetes“ [MARD]). Die Patienten in dieser Gruppe sind älter als die Patienten in den anderen Gruppen, zeigen aber – ähnlich wie Gruppe 4 – nur leichte Stoffwechselstörungen.

Die 5 Gruppen unterschieden sich in ihren Patienteneigenschaften, aber auch in ihrem Komplikationsrisiko. So hatten zum Beispiel Patienten in Gruppe 3 (am stärksten insulinresistent) ein signifikant höheres Risiko für diabetische Nierenerkrankung als Patienten in den Gruppen 4 und 5. Dennoch erhielten sie die gleiche Diabetestherapie, kritisieren die Autoren. Dies zeige, dass die traditionelle Einteilung des Diabetes keine maßgeschneiderte Therapie ermögliche. Gruppe 2 (Patienten mit Insulinmangel) hatte unter allen Gruppen das höchste Retinopathierisiko.

Fazit
Die Einteilung der Patienten in fünf Untergruppen könne ein erster Schritt in Richtung Präzisionsmedizin bei Diabetes sein, der möglicherweise dazu beitrage, die Behandlung frühzeitig optimal auf den Patienten abzustimmen, so das Resümee der Autoren.

Autoren: Ahlqvist E et al.
Korrespondenz: Lund University Diabetes Centre, Department of Clinical Sciences, Lund University, Skåne University Hospital, Malmö, Schweden
Studie: Novel subgroups of adult-onset diabetes and their association with outcomes: a data-driven cluster analysis of six variables
Quelle: Lancet Diabetes Endocrinol 2018 May;6(5):361–369.
Web: www.thelancet.com/journals/landia