Klimawandel verändert Verfügbarkeit von Beutetieren26. Oktober 2026 Foto: © Sonja Metzger Eine Langzeitstudie von Forschenden des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung und internationalen Partnern zeigt, dass Hyänen in der Serengeti bemerkenswert flexibel auf Veränderungen in Wanderungsmustern von Beutetieren reagieren. Der Klimawandel verändert Lebensräume und hat damit direkten Einfluss auf die Wanderbewegungen vieler Tierarten. Wenn wandernde Pflanzenfresser weniger Zeit in den Revieren potenzieller Raubtiere verbringen oder sie seltener durchqueren, kann das weitreichende Folgen für Raubtiere haben, die auf Beutetiere wie Gnus und Zebras angewiesen sind. Obwohl sich die Hauptnahrungsquelle der Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta), das Streifengnu (Connochaetes taurinus), deutlich weniger Tage pro Saison in den Revieren der Hyänen aufhält als noch vor 30 Jahren, bleiben die Hyänenpopulationen in der Serengeti weitgehend stabil. Für die neue Studie konnte das Forschungsteam vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) auf umfangreiche Datensammlungen aus drei Jahrzehnten zurückgreifen, die Tausende Individuen über mehrere Generationen hinweg umfassen. Das Team untersuchte, wie sich klimabedingte Veränderungen in der Verfügbarkeit von Beute innerhalb der Clan-Reviere auf die Jagdmöglichkeiten und letztlich auf den Hyänenbestand im Serengeti-Nationalpark in Tansania auswirken. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Niederschlagsmengen in der Serengeti zugenommen. Es wird vermutet, dass die Veränderung der Niederschlagsmenge die Wanderungsbewegungen und die Verteilung großer Herden beeinflusst und dazu führt, dass die großen Gnu-Herden mittlerweile weniger Zeit in den zentralen Revieren der Tüpfelhyänen verbringen. Während sich die wandernden Herden zwischen 1990 und 1994 noch etwa 12 Prozent des Jahres innerhalb der Clan-Reviere aufhielten, war dieser Anteil zwischen 2015 und 2019 kontinuierlich auf nur noch etwa 7 Prozent zurückgegangen. Wie gelingt es großen Raubtieren, die Abwesenheit ihrer Hauptbeutetiere zu kompensieren? Mit dem Rückgang der Anwesenheit wandernder Beutetiere innerhalb der Clan-Reviere nahm auch die Anzahl der beobachteten Fütterungsereignisse im Untersuchungszeitraum ab. Die Forschenden stellten jedoch fest, dass sich die Hyänen der Serengeti weiterhin überwiegend von wandernden Beutetierarten ernähren und dafür weite Strecken zurücklegen. In den Revieren ansässige Beutetierarten werden zwar gelegentlich verspeist, kommen jedoch in weitaus geringerer Dichte vor und reichen nicht aus, um ganze Clans zu ernähren.„Tüpfelhyänen sind das, was Ökologen als ‚Central-Place-Forager‘ bezeichnen“, erklärt Dr. Mellina Sidous, Hauptautorin der Studie. „Sie bewältigen saisonale Schwankungen in der Beuteverfügbarkeit, indem sie zwischen ihrem Clan-Revier und den Gebieten pendeln, in denen sich wandernde Pflanzenfresser gerade aufhalten. Diese Pendelstrecken sind besonders bei Weibchen mit jungen Welpen üblich, da die Welpen im gemeinsamen Bau bleiben und ihre Mütter nicht begleiten können.“ Die Welpen der Hyänen können dabei durchaus mehrere Tage ohne Muttermilch auskommen. Die Nahrungssuchexpeditionen können bis zu einer Woche dauern und Strecken von bis zu 150 Kilometern umfassen. Hyänen unternehmen diese Ausflüge dann, wenn wandernde Beutetiere in ihren eigenen Revieren nicht vorhanden sind. Bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit trotz schwankender Beuteverfügbarkeit Doch obwohl die Jagdmöglichkeit innerhalb ihrer Reviere in den vergangenen Jahrzehnten abnahm, wuchsen zwei der drei untersuchten Clans im Verlauf der Studie sogar an. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Tüpfelhyänen derzeit in der Lage sind, den Rückgang der lokalen Beuteverfügbarkeit zu kompensieren“, sagen die beiden leitenden Autorinnen Dr. Sarah Benhaiem und Dr. Sarah Cubaynes, Wissenschaftlerinnen am Leibniz-IZW und am CEFE. „Ihre Verhaltensflexibilität scheint es ihnen zu ermöglichen, die eingeschränkten Jagdmöglichkeiten in ihren Revieren auszugleichen“, fügt Dr. Sonja Metzger, Mitautorin der Studie, hinzu.Auch andere Faktoren, etwa insgesamt wachsende Bestände wandernder Huftiere im gesamten Serengeti-Ökosystem oder geringere Sterblichkeit bei Hyänen durch Krankheiten, Löwenjagd oder Wilderei, könnten zur positiven Entwicklung der Clans beigetragen. Welche Mechanismen dabei wichtige Rollen spielen, sollen zukünftige Studien klären. Der Klimawandel ist möglicherweise nicht der einzige Faktor, der die Veränderungen im Wanderungsverhalten der Tierherden vorantreibt. Eine aktuelle Studie eines Forschungsteams der Universität Glasgow hat ergeben, dass Gnus stark erschlossene Gebiete in der zentralen Serengeti zunehmend meiden, was darauf hindeutet, dass menschliche Störungen beispielsweise durch Tourismus möglicherweise zur beobachteten Umverteilung der Beutetiere beitragen.Die Ergebnisse der Studie liefern neue Erkenntnisse darüber, wie große Raubtiere auf Veränderungen reagieren können. Dieses Wissen ist nicht nur für die Serengeti von Bedeutung. Weltweit verändern sich durch den Klimawandel die Wanderbewegungen vieler Tierarten. Wie erfolgreich sich Raubtiere an diese räumlichen und zeitlichen Verschiebungen anpassen können, wird entscheidend dafür sein, wie ihre Populationen auf den fortschreitenden Klimawandel reagieren.
Mehr erfahren zu: "Golden Hammer Award 2026 für Prof. Andrea Fischer" Golden Hammer Award 2026 für Prof. Andrea Fischer Prof. Andrea Fischer wurde beim 38. ESVN–ECVN-Symposium im September 2026 in Berlin mit dem renommierten Malleus Aureus Award (Golden Hammer Award) des European College of Veterinary Neurology (ECVN) ausgezeichnet.
Mehr erfahren zu: "Shamonda-Virus bei Pferden – Interview mit Pferdespezialistin Dr. Bianca Schwarz" Shamonda-Virus bei Pferden – Interview mit Pferdespezialistin Dr. Bianca Schwarz Das in diesem Sommer erstmals bei Rindern in Deutschland nachgewiesene Shamonda-Virus ist inzwischen in fast ganz Deutschland aufgetreten. Während Rinder in der Regel nur moderat und vorübergehend erkranken, wurden bei einigen […]
Mehr erfahren zu: "Update zu: Frankreich meldet ersten Shamonda-Virus-Fall beim Menschen" Update zu: Frankreich meldet ersten Shamonda-Virus-Fall beim Menschen Das Shamonda-Virus galt bislang als nicht auf Menschen übertragbar. In Frankreich ist nun ein infizierter immungeschwächter Patient gestorben. Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) und Prof. Martin Beer […]