Kliniken fordern sektorenübergreifende Versorgung14. November 2018 Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Foto: Landeskrankenhaus (AöR), Tobias Vollmer Am zweiten Kongresstag des 41. Deutschen Krankenhaustages standen im “Krankenhaus-Träger-Forum” die zentralen Herausforderungen der zukünftigen Versorgungsstrukturen im Fokus der Diskussionen. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, hob vor den Besuchern des Forums hervor, dass für ihn die Qualität der medizinischen Versorgung der Patientinnen und Patienten im Fokus stehe. “Um das hohe Niveau der heutigen stationären Versorgung zu erhalten und möglichst zu verbessern, muss sich die Krankenhaustruktur in NRW ändern. Die Mittel der neu eingeführten Einzelförderung sowie des künftigen Bundesstrukturfonds sollen genutzt werden, um strukturverändernde Maßnahmen einzuleiten und umzusetzen. Großer Handlungsbedarf besteht auch bei der sektorenübergreifenden Versorgung und der Digitalisierung. Hier gilt es, gute Lösungen im Interesse der Patienten zu finden. Sie vertrauen zu Recht auf eine qualitativ hochwertige, gut erreichbare und ausreichende Versorgung.” Gaß: Qualitätssicherung nicht missbrauchen, um Strukturen zu verändern Für den Tagungsvorsitzenden Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), ist die Frage der aktiven Gestaltung von Versorgungsstrukturen die Zukunftsaufgabe der Kliniken, aber auch der Länder. “Die Krankenhausträger wollen sich aktiv einbringen. Was wir aber auf jeden Fall brauchen, ist eine Planung, die über die einzelnen Sektoren hinausgeht und die Strukturveränderungen mit den dafür notwendigen Investitionen begleitet. Alleine der Fachkräftemangel macht es notwendig, vernetzte Strukturen anzugehen. Und womit wir endlich aufhören müssen, ist beispielsweise Maßnahmen der Qualitätssicherung zu missbrauchen, um Strukturen zu verändern. Das ist keine nachhaltige Planung”, erklärte der DKG-Präsident vor den Besuchern. Düllings: Trend zur Strukturbereinigung durch Vorgaben zur Strukturqualität Auch für Dr. Josef Düllings, Kongresspräsident des 41. Deutschen Krankenhaustages, sei in der Praxis mittlerweile ein massives Legitimationsdefizit des aktuellen Vergütungssystems wie auch des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu erkennen. “Es verstärkt sich der Trend, über Strukturqualität eine Strukturbereinigung zu erreichen”, erklärte Düllings, zugleich Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). In den Kliniken manifestiere sich der Eindruck, dass die um sich greifende Checklistenmedizin nicht das Ziel habe, die Qualität zu verbessern. “Qualität am Patienten entsteht nicht dadurch, dass Ärzte und Pflegende sich primär mit der Patientenakte beschäftigen, sondern dadurch, dass sie sich primär um den Patienten kümmern”, so der Kongresspräsident. Jacobs: Patient oder Erlösüberschüsse im Fokus? Wilfried Jacobs, Geschäftsführender Gesellschafter des Gemeinnützigen Instituts für patientenorientierte Versorgungsablaufforschung (IPOV), machte deutlich, dass der heutige Medizinbetrieb überideologisiert, überbürokratisch und überökonomisiert sei. Es sei Zeit für einen Boxenstopp. “Steht der Patient noch im Fokus der Anbieterstrukturen im Krankenhaus oder sind es vorrangig betriebswirtschaftliche Abläufe zwecks Erreichung von Erlösüberschüssen?”, fragte Jacobs. Die gegenwärtigen Strukturen im Krankenhaus stünden auf dem Prüfstand. “Kosmetik allein reicht nicht mehr. Der Spagat zwischen Ökonomie, medizinischem Fortschritt und Patientenzuwendung braucht ein neue Denke”, so Jacobs. (DKG/ms)
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