Klinikum Braunschweig setzt bei der Behandlung des Schlaganfalls auf künstliche Intelligenz5. Juli 2019 Mazen Abu-Mugheisib (l.) und Prof. Philipp Wiggermann erläutern die Vorteile der neuen Software. (Foto: Klinikum Braunschweig/Philipp Ziebart) Bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten zählt jede Sekunde. Um im Wettlauf gegen die Zeit noch effizienter und schneller reagieren zu können, arbeiten Mediziner am Klinikum Braunschweig seit Kurzem mit einer neuen Software, gestützt durch künstliche Intelligenz (KI). Für Prof. Philipp Wiggermann, Chefarzt des Instituts für Röntgendiagnostik und Nuklearmedizin, ist die Einführung der Software „Brainomix“ eine wertvolle Innovation in Sachen Diagnostik. Denn nur, wenn möglichst schnell erkannt wird, ob ein verstopftes Gefäß oder eine Blutung die Sauerstoffzufuhr der Nervenzellen im Gehirn eines Patienten beeinträchtigt, können medizinische Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. „Die neue Software liefert uns eine verlässliche Zweitmeinung“, erklärt Wiggermann. Diese Zweitmeinung zeigt sich auf dem Monitor als grauer Hirnscan mit farbig markierten Arealen. Für Mediziner werden auf diese Weise sowohl der Ort eines Gerinnsels als auch dessen Ausmaße erkennbar. Die künstliche Intelligenz „arbeitet“ auf der Basis von Erfahrungswerten. Praktisch heißt das: Die Software wurde so lange mit Hirnscans von Schlaganfall-Patienten gefüttert, bis sie die Bilder selbst bewerten konnte. „Mit dieser Software sind wir schneller, besser und sicherer”, macht Wiggermann deutlich. Bereits jetzt lässt sich festhalten, dass die Mediziner am Klinikum Braunschweig mit der neuen Software in etwa zehn bis 15 Prozent der Fälle schneller befunden können. „Fakt ist: Unsere Befunde werden deutlich valider und reproduzierbarer und auch besser kommunizierbar an unsere klinischen Partner”, sagt Wiggermann. Wie wichtig Schnelligkeit bei der Diagnose und Behandlung ist, weiß auch Mazen Abu-Mugheisib, Leitender Oberarzt der Neurologie: „Bereits innerhalb von wenigen Stunden sind irreversible Hirnschäden aufgetreten. Eine Rekanalisation ist dann nicht mehr möglich. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.“ Die neue Software unterstütze in großem Maße die enge Zusammenarbeit des Instituts für Röntgendiagnostik und die Neurologische Klinik/Stroke Unit bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten. Besonders bei der Erstdiagnostik und Akutphase besteht eine enge Verzahnung: Liegt ein Schlaganfall vor? Wie ist sein Ausmaß? Kann Gewebe gerettet werden? Was ist die Ursache? – Diese Fragen werden interdisziplinär geklärt und weitere Schritte eingeleitet. Die Erfolge der neuen Software sollen in einem langfristig angelegten Projekt festgehalten und ausgewertet werden.
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