Koffeinkonsum verändert bei Jugendlichen die Gehirnstruktur

Supermarktregal mit Energydrinks. (Foto: © (Joenomias) Menno de Jong from Pixabay)

Energydrinks erfreuen sich bei Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit. Nun zeigt eine aktuelle Studie allerdings, dass Heranwachsende, die mehr Koffein zu sich nehmen, Unterschiede in der Entwicklung ihres Gehirns aufweisen. Die Ursache hierfür sehen Forschende des King’s College London (Großbritannien) in einer kürzeren Schlafdauer.

Die Forschungsergebnisse stützten sich auf Daten von 9632 Kindern im Alter von neun bis elf Jahren, die an der „Adolescent Brain Cognitive Development“-Studie teilnahmen, welche die Gehirnentwicklung und Gesundheit junger Menschen in den gesamten USA verfolgt. Jedes Kind gab an, wie viele koffeinhaltige Getränke (Kaffee, Tee oder Erfrischungsgetränke) es gewöhnlich pro Woche zu sich nahm, während die Eltern angaben, wie lange die Kinder im Durchschnitt schliefen. Über MRT-Untersuchungen wurden außerdem die Dicke und die Oberfläche der Großhirnrinde vermessen. Nach sechs und 18 Monaten wurden die Studienteilnehmer zu ihrer psychischen Gesundheit befragt.

Die Ergebnisse zeigten, dass ein höherer Koffeinkonsum mit einer geringeren Oberfläche der Großhirnrinde einherging, selbst nach Bereinigung um sozioökonomische Haushaltsfaktoren wie den Bildungsstand und das Einkommen der Eltern. Dieses Muster zeigte sich in 22 verschiedenen Regionen, die sich über alle vier Hirnlappen erstreckten. Diese Effekte waren größtenteils auf den Konsum von Erfrischungsgetränken zurückzuführen, die in der Studie die größte Koffeinquelle darstellten. Unterschiede in der Gesamtoberfläche zeigten sich bereits ab einem koffeinhaltigen Getränk pro Woche im Vergleich zu keinem.

„Koffein ist ein so selbstverständlicher Bestandteil des Alltags, dass man leicht vergisst, dass auch junge Menschen es konsumieren. Studien haben ergeben, dass zwei Drittel der Jugendlichen mindestens einmal pro Woche Koffein zu sich nehmen“, erklärte Dr. Divyangana Rakesh, leitende Autorin der Studie vom IoPPN am King’s College London. Obwohl es sich bei Koffein um eine psychoaktive Substanz handele, unterliege sie keinerlei Regulierung, ergänzte sie.

Koffeinkonsum geht auch mit anderen ungesunden Gewohnheiten einher

„Wir haben festgestellt, dass bereits relativ geringe Konsummengen mit geringfügigen Unterschieden in der Gehirnstruktur und der späteren psychischen Gesundheit in Verbindung standen, wobei eine kürzere Schlafdauer offenbar ein wichtiger zugrunde liegender Zusammenhang ist. Obwohl wir keine Aussagen zur Kausalität treffen können, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass sowohl der Koffeinkonsum – einschließlich des Konsums in Erfrischungsgetränken – als auch der Schlaf bei der Betrachtung der psychischen Gesundheit junger Menschen Beachtung verdienen.“

Wie die Forschenden berichten, schliefen Jugendliche, die mehr Koffein zu sich nahmen, weniger, was wiederum mit einer geringeren Oberfläche in Verbindung stand. Zusammen erklärten kürzere Schlafdauer und geringere Oberfläche teilweise den Zusammenhang zwischen höherem Koffeinkonsum und vermehrten psychischen Problemen sechs Monate später, darunter Probleme mit der Aufmerksamkeit, der Stimmung und dem Verhalten. Nach 18 Monaten bestand nur noch der Zusammenhang über die Gesamtoberfläche.

„Erfrischungsgetränke enthalten viel Zucker und gehen oft mit weniger gesunden Lebensgewohnheiten und risikoreicherem Verhalten einher, sodass wir die Rolle des Koffeins noch nicht von all den anderen damit verbundenen Faktoren trennen können. Das ist die nächste Frage, die wir beantworten möchten – idealerweise mit präziseren Messungen darüber, was junge Menschen trinken, wann sie es trinken und wie gut sie schlafen“, erklärte Jiayi Zheng, Erstautor der Studie. (ej/BIERMANN)