Antibiotika-Gaben in der Kindheit erhöhen das Risiko für ein späteres Reizdarm-Syndrom23. Oktober 2026 Rund zehn Prozent der jungen Erwachsenen zeigen Symptome des Reizdarm-Syndroms – Frauen häufiger als Männer. (Foto: © unknownuserpanama from Pixabay) Der Einsatz von Antibiotika von der Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter ist laut einer Studie, die auf der UEG Week 2026 vorgestellt wurde, mit einem erhöhten Risiko für das Reizdarmsyndrom (RDS) im Alter von 24 Jahren verbunden. Dabei nimmt das Risiko mit steigender Anzahl der Antibiotikaverordnungen zu. Obwohl frühere Forschungsergebnisse bereits auf einen Zusammenhang zwischen der Antibiotikaeinnahme und RDS hindeuteten, sind die Erkenntnisse darüber, ob eine Exposition im Kindesalter mit RDS im Erwachsenenalter assoziiert ist, nach wie vor uneinheitlich. Ein Großteil der vorhandenen Evidenz stützt sich nämlich auf die Erinnerungen der Betroffenen an eine Antibiotikaeinnahme in der Vergangenheit, bevölkerungsbasierte Studien, die objektiv erfasste Antibiotikadaten aus der gesamten Kindheit heranziehen, fehlen weitgehend. Um diese Lücke zu schließen, analysierten Forschende der Universität Göteborg, Schweden, Daten von 2853 Teilnehmenden der schwedischen BAMSE-Geburtskohorte. Die Daten zu Antibiotikaverordnungen entnahmen sie dem schwedischen Register für verschreibungspflichtige Arzneimittel – vom Jahr 2005, als die Teilnehmer zwischen neun und elf Jahre alt waren, bis ein Jahr vor der RDS-Diagnose im Alter von 24 Jahren. Die Forscher untersuchten, ob die Teilnehmer Antibiotika erhalten hatten, die Gesamtzahl der Verordnungen sowie die Klassen der verschriebenen Antibiotika. RDS-Risiko steigt mit der Zahl der Anbtibiotika-Verordnungen Im Alter von 24 Jahren litten zehn Prozent der Teilnehmer an RDS, davon waren 79,4 Prozent weiblich. Die Einnahme von Antibiotika war bei denjenigen mit RDS häufiger: 87,8 Prozent hatten während des Untersuchungszeitraums Antibiotika erhalten, verglichen mit 80,2 Prozent derjenigen ohne RDS. Nach Berücksichtigung des Geschlechts und des sozioökonomischen Status der Familie war das Risiko für RDS bei denjenigen, die Antibiotika erhalten hatten, 1,5-mal so hoch (95%-KI 1,0–2,2) wie bei denjenigen, die keine erhalten hatten. Das Risiko für RDS stieg progressiv mit der Anzahl der Antibiotika-Rezepte an (pTrend<0,001). Im Vergleich zu denjenigen, die keine Antibiotika erhalten hatten, wiesen Teilnehmer mit einer oder zwei Verschreibungen ein 1,3-fach höheres Risiko für RDS auf (95%-KI 0,9–2,0). Dieses stieg bei drei bis fünf Verschreibungen auf das 1,6-Fache (95%-KI 1,0–2,4) und bei sechs oder mehr auf das 1,7-Fache (95%-KI 1,1–2,6). Tetracycline und Cephalosporine als kritische Wirkstoffgruppen Bei der Untersuchung einzelner Antibiotikaklassen blieben Tetracycline und Cephalosporine auch nach Bereinigung um Geschlecht und sozioökonomischen Status der Familie signifikant mit einem höheren Risiko für RDS assoziiert. Jede Einnahme von Tetracyclinen war mit einem 1,4-fachen (95%-KI 1,1–1,8) Risiko für RDS verbunden, während drei oder mehr Verschreibungen von Cephalosporinen mit einem 6,0-fachen Risiko (95%-KI 1,9–18,8) assoziiert waren. Die Hauptautorin Dr. Jessica Sjölund erklärte, die Studie stelle einen wichtigen Fortschritt beim Verständnis des Zusammenhangs zwischen Antibiotikaexposition und RDS dar. „Durch die Untersuchung einer bevölkerungsbasierten Gruppe junger Erwachsener, bei denen die Antibiotikaexposition seit der Kindheit und Jugend objektiv dokumentiert war, konnten wir wesentliche Einschränkungen früherer Forschungsarbeiten beheben – darunter die Abhängigkeit von Erinnerungsangaben zum Antibiotikakonsum und von Facharztunterlagen zur Diagnose von RDS, wodurch möglicherweise nicht das gesamte Spektrum von RDS in der Allgemeinbevölkerung erfasst wurde.“ „Diese Ergebnisse untermauern die epidemiologischen Belege für einen möglichen Zusammenhang zwischen Antibiotikaexposition und RDS und sprechen für weitere Forschungen zu diesem Zusammenhang, auch wenn sie keinen kausalen Zusammenhang nachweisen.“ Verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika ist wichtig Zwar untersuchte die Studie nicht, warum die Antibiotikaexposition mit RDS assoziiert war, doch eine mögliche Erklärung für diesen Zusammenhang liegt im Darmmikrobiom. Sjölund erklärte: „Frühere Studien haben gezeigt, dass Antibiotika das Darmmikrobiom verändern können, wobei Beobachtungsstudien darauf hindeuten, dass diese Veränderungen mehrere Jahre anhalten und nach wiederholten Behandlungszyklen möglicherweise ausgeprägter sein können. Da davon ausgegangen wird, dass Veränderungen des Darmmikrobioms bei RDS eine Rolle spielen, könnte dies ein möglicher Mechanismus sein, der dem von uns beobachteten Zusammenhang zugrunde liegt.“ Im Hinblick auf die praktischen Auswirkungen der Ergebnisse betonte Sjölund die Notwendigkeit, die unverzichtbare Rolle von Antibiotika mit einer umsichtigen Verschreibungspraxis in Einklang zu bringen. „Antibiotika sind nach wie vor eine wichtige und manchmal unverzichtbare Behandlung bei bakteriellen Infektionen, und unsere Ergebnisse sollten nicht davon abhalten, sie bei Bedarf einzusetzen. Vielmehr unterstreichen sie die Möglichkeit langfristiger Auswirkungen durch wiederholte Exposition und liefern weitere Gründe dafür, eine unnötige Verschreibung von Antibiotika zu vermeiden.“ (ej/BIERMAN)
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