Frühgeborenenretinopathie und Strabismus: Therapie als Risikofaktor?

Frühgeborenes Baby liegt in einem Brutkasten
Symbolbild frühgeborenes Baby in Inkubator Foto: @ondroo stock.adobe.com

Frühgeborene mit Frühgeborenenretinopathie (Retinopathia praematurorum, ROP) haben ein erhöhtes Risiko für spätere Augenerkrankungen. Eine Behandlung der ROP kann das Strabismusrisiko erhöhen.

Eine retrospektive Kohortenstudie aus Miami, erschienen im „American Journal of Ophthalmology“, liefert hierzu nun aussagekräftige Daten, die für die Behandlung und Planung von Verlaufskontrollen bei Kindern mit ROP eine wichtige Rolle spielen können.

Studienpopulation: Kinder und Jugendliche mit ROP

In die Analyse eingeschlossen wurden Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre mit ROP-Diagnose. Dabei war unerheblich, ob eine Behandlung erfolgte oder nicht. Als behandelte ROP galt eine durchgeführte Laser-Photokoagulation und/oder eine erfolgte intravitrealen Anti-VEGF-Injektion.

Mittels Kaplan-Meier-Analyse wurde die kumulative Inzidenz eines Strabismus nach einem Jahr sowie drei und fünf Jahre nach ROP-Diagnose geschätzt. Cox-Proportional-Hazards-Modelle lieferten adjustierte Hazard-Ratios (aHR) unter Berücksichtigung demografischer Variablen und okulärer Begleiterkrankungen.

Häufigere Strabismusentwicklung bei behandelter ROP

Die Kohorte umfasste 27.720 ROP-Patienten, davon waren 973 behandelt und 26.747 unbehandelt. Über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg war die kumulative Inzidenz für einen Strabismus bei behandelten Patienten durchgängig höher als bei unbehandelten. Nach fünf Jahren lag sie bei 34,78 Prozent in der behandelten Gruppe gegenüber 22,14 Prozent in der unbehandelten Gruppe. Esodeviationen waren dabei erwartungsgemäß der häufigste Subtyp und traten bei 22,35 Prozent der behandelten und 11,87 Prozent der unbehandelten Patienten auf.

Die Behandlungsexposition selbst erwies sich als unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung eines Strabismus (aHR = 1,58; 95 %-KI 1,29–1,95; P < 0,001). Auch Amblyopie (aHR = 2,58; 95 %-KI 2,25–2,96; P < 0,001) und Nystagmus (aHR = 1,76; 95 %-KI 1,48–2,10; P < 0,001) waren unabhängig mit einem erhöhten Risiko assoziiert.

Engmaschigere orthoptische Nachsorge für ROP-Kinder nötig

Die ROP geht mit einem erhöhten Risiko für die spätere Entwicklung eines Strabismus einher. Dabei weisen Kinder, bei denen eine Behandlung der ROP erforderlich war, eine höhere kumulative Inzidenz auf als unbehandelte Kinder. Die Ergebnisse unterstreichen nach Ansicht der Studienautoren die Notwendigkeit einer engmaschigen orthoptischen Nachsorge gerade bei Kindern mit behandlungsbedürftiger ROP. (ak/BIERMANN)