Kolorektalkarzinom: Darmspiegelung und Lebensstil senken Risiko bei genetischer Prädisposition

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Welches sind die wichtigsten Risikofaktoren für Darmkrebs und wie könnten wirksame Präventionsmaßnahmen aussehen? Antworten auf diese Fragen sind Heidelberger Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum auf der Spur.

Unter Verwendung von Daten aus einer großen bevölkerungsbezogenen Fall-Kontroll-Studie in Deutschland und Melderegisterdaten ermittelten die Autoren über einen Zeitraum von 30 Jahren Abschätzungen für das absolute Risiko, ein KRK zu entwickeln. Die Schätzung basierte auf einem gesunden Lebensstil-Score (abgeleitet aus den 5 beeinflussbaren Lebensstilfaktoren Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, körperliche Aktivität und Körperfettgehalt), einem polygenen Risiko-Score (basierend auf 90 Einzelnukleotid-Polymorphismen) und der Koloskopie-Anamnese. Hierzu analysierten die Studienautoren Daten von 4220 Patienten mit KRK und 3338 Personen ohne KRK.

Das Einhalten einer gesunden Lebensweise und koloskopischer Untersuchungen in den 10 vorhergehenden Jahren war mit einem verringerten RR für KRK bei Männern und Frauen verbunden. Bei Teilnehmern mit einem hohen oder mittleren genetischen Risiko-Score konnte ein höheres KRK-Risiko beobachtet werden. Bei 50-jährigen Männern und Frauen ohne Darmspiegelung variierte das absolute KRK-Risiko, je nach polygenem Risiko-Score und dem Lebensstil-Score (Männer 3,5–13,4%; Frauen 2,5–10,6%).

Bei 50-jährigen Männern und Frauen mit Darmspiegelung war das absolute Risiko, ein KRK zu entwickeln, deutlich geringer, variierte aber dennoch je nach polygenem Risiko-Score und Lebensstil-Score (Männer 1,2–4,8%; Frauen 0,9–4,2%). Bei allen Risikofaktorprofilen nahmen die 30-Jahres-Risikoschätzungen bei Einhaltung eines gesunden Lebensstils kontinuierlich ab.

Fazit
Die Autoren der Studie schlussfolgern, dass eine Darmspiegelung das absolute Risiko für ein KRK drastisch senken und ein genetisch vorbestimmtes Risiko für KRK durch die Einhaltung eines gesunden Lebensstils weiter reduziert werden kann. Die Ergebnisse zeigen somit die Bandbreite der KRK-­Präventionsmaßnahmen, die durch Koloskopie und den Lebensstil bei einem vordefinierten genetischen Risiko möglich ist. (bi)

Autoren: Carr PR et al.
Korrespondenz: Prudence Carr; [email protected]
Studie: Estimation of Absolute Risk of Colorectal Cancer Based on Healthy Lifestyle, Genetic Risk, and Colonoscopy Status in a Population-Based Study
Quelle: Gastroenterology 2020;159(1):129–138.
Web: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2020.03.016