DOC 2026 Kontrastsehen nach Kataraktoperation – Verbesserung der Sehfunktion gewinnt zunehmend an Bedeutung12. Juni 2026 Aufgrund der steigenden Patienten-Ansprüche an die Kataraktchirurgie stellt auch das Kontrastsehen einen zentralen Faktor bei der individualisierten Linsenauswahl dar (Symbolbild). Foto: © Oktay – stock.adobe.com Die funktionelle Sehqualität nach Kataraktoperation wird traditionell primär über die bestkorrigierte Sehschärfe, also einen Hochkontrastvisus definiert. Diese Kenngröße bildet die visuelle Leistungsfähigkeit jedoch nur unvollständig ab. Insbesondere das Kontrastsehen stellt einen entscheidenden Parameter zur subjektiven Sehqualität und Patientenzufriedenheit dar. von Assoc. Prof. PD Dr. Christina Leydolt und Dr. Nikolaus Mahnert Die Kontrastsensitivität beschreibt die Fähigkeit des visuellen Systems Helligkeitsunterschiede zwischen Objekten beziehungsweise Objekt und Hintergrund zu detektieren und ist damit essenziell für visuelle Aufgaben unter alltagsrelevanten Bedingungen wie mesopischem Sehen in der Dämmerung oder Blendungssituationen. Klinisch manifestiert sich eine reduzierte Kontrastempfindlichkeit häufig in Form von eingeschränktem Dämmerungssehen, erhöhter Blendempfindlichkeit und verminderter Detailerkennbarkeit. Mit der Implantation einer Intraokularlinse (IOL) wird auch die postoperative optische Qualität des Auges wesentlich bestimmt. Monofokale IOL gelten hierbei nach wie vor als Referenzstandard hinsichtlich Kontrastempfindlichkeit, da sie das einfallende Licht auf einen einzelnen Fokus konzentrieren und keine lichtverteilenden optischen Prinzipien nutzen. Optimierung des Trade-offs Presbyopiekorrigierende IOL basieren gegenüber monofokalen Linsen auf einer Aufteilung des einfallenden Lichtes auf mehrere Foci. Dieses Prinzip ermöglicht zwar funktionelles Sehen über verschiedene Distanzen, ist jedoch inhärent mit einem potenziellen Verlust an Kontrastempfindlichkeit sowie mit photischen Phänomenen wie Halos und Glare assoziiert. Vor diesem Hintergrund haben sich in den letzten Jahren neue IOL-Generationen etabliert, die eine Optimierung dieses Trade-offs anstreben. Monofokale IOL gelten weiterhin als Goldstandard für maximales Kontrastsehen. Asphärische Designs verbessern die Bildqualität, insbesondere bei größeren Pupillen und unter mesopischen Bedingungen. Monofokal-Plus-Konzepte bieten eine moderat erweiterte Tiefenschärfe bei weitgehend erhaltener Kontrastempfindlichkeit, da keine relevante Lichtaufteilung erfolgt. Abb. 1: Binokulare Kontrastempfindlichkeit der refraktiven PureSee-EDOF-IOL (n = 15) basierend auf eigenen binokularen Messungen mit dem CSV-1000 (Vector Vision; vectorvision.com/csv1000-norms). Die gestrichelten Linien stellen den photopischen Referenzbereich (Mittelwert ±1 Standardabweichung) einer altersentsprechenden Population (50–75 Jahre) dar. Bildquelle: Leydolt/Mahnert Neue optische Designs, wie nicht diffraktive oder wellenfrontmodulierende IOL mit erweiterter Tiefenschärfe (Extended Depth of Focus = EDOF) ermöglichen die Erzeugung einer kontinuierlichen Sehzone bei geringem bis klinisch meist nicht relevantem Kontrastverlust im Vergleich zu klassischen diffraktiven IOL-Designs. In einer eigenen prospektiven Studie mit bilateraler Implantation der refraktiven PureSee-EDOF-IOL (Johnson & Johnson Vision) wurde zwei bis sechs Monate nach Kataraktoperation die Kontrastempfindlichkeit unter photopischen (85 cd/m²) und mesopischen (2,7 cd/m²) Bedingungen gemessen. Die Ergebnisse der ersten 15 Patienten sind in Abbildung 1 dargestellt. Eine leichte Reduktion der Kontrastsensitivität im mesopischen Bereich ist erkennbar. Full Range of Vision und multifokale IOL Klassische diffraktive multifokale IOL können mit einer ausgeprägten Reduktion der Kontrastempfindlichkeit einhergehen, da die verfügbare Lichtenergie infolge der Lichtaufteilung nicht vollständig einem einzelnen Fokus zugeordnet wird. Refraktive Konzepte zeigen ebenfalls Kontrastverluste, insbesondere bei suboptimaler Pupillengröße, Dezentrierung und in geringerem Ausmaß auch bei Verkippung, bedingt durch eine erhöhte Sensitivität gegenüber Aberrationen höherer Ordnung. Fortlaufende Weiterentwicklungen diffraktiver und refraktiver Designs sind erforderlich, um Kontrastverluste und photische Phänomene weiter zu reduzieren. Die Kontrastempfindlichkeit stellt dabei eine der wichtigsten Kenngrößen dar, um verschiedene optische IOL-Designs zuverlässig und differenziert bewerten zu können. Paradigmenwechsel in der Kataraktchirurgie Die zunehmende Auswahl an verschiedenen IOL-Designs reflektiert einen Paradigmenwechsel in der Kataraktchirurgie: weg von der reinen Wiederherstellung der Sehschärfe, hin zu einer differenzierten Optimierung der visuellen Funktion. Die präoperative Evaluation sollte daher neben klassischen Parametern auch die individuelle Sensitivität gegenüber Kontrastverlusten sowie die visuellen Anforderungen des Patienten berücksichtigen (Abb. 2). Abb. 2: Beispielfoto der Kontrastempfindlichkeitsmessung im klinischen Setting(CSV-1000). Zur Simulation mesopischer Bedingungen wird ein Neutraldichtefilter (ND 1,5) eingesetzt, der die Hintergrundluminanz auf 2,7 cd/m² reduziert. In der dargestellten Mess-Situation werden zusätzlich zwei Lichtquellen zur Simulation von Blendung verwendet. Die im Beispielfoto verwendeten Blendungsquellen erzeugen dabei eine Leuchtdichte von 1,3 cd/m² auf Augenhöhe der Patienten. Bildquelle: Leydolt/Mahnert Insgesamt gewinnt das Kontrastsehen als funktioneller Endpunkt in der Bewertung von IOL zunehmend an Bedeutung und stellt einen zentralen Faktor bei der individualisierten Linsenauswahl dar. H 3.2, Kontrastsehen nach Kat-OP? Was ist relevant bei welchen IOL?Donnerstag, 18.06., 12.45 bis 13.00 Uhr, Saal Tokio Prof. Christina Leydolt ist chirurgische Oberärztin an der Universitätsaugenklinik für Augenheilkunde und Optometrie der Medizinischen Universität Wien und Leiterin der Forschungsgruppe für Kunstlinsen und Kataraktchirurgie (Vienna IOL Study Group). Sie gilt als eine führende Expertin auf dem Gebiet der Kataraktchirurgie und hat sich besonders auf die Entwicklung von IOL und deren klinische Anwendbarkeit spezialisiert. Co-Autor Dr. Nikolaus Mahnert ist Mitglied des Leydolt Lab an der MedUniWien. In der Vienna IOL Study Group richtet sich der Fokus insbesondere auf die Optimierung von Qualität, Sicherheit, Rehabilitation und Komfort der Kataraktchirurgie für den Patienten.
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