L-Thyroxin: Wissenswertes zu Anwendung und Überversorgung4. Dezember 2025 Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert das Organ nicht mehr ausreichend Hormone. L-Thyroxin ersetzt das körpereigene Hormon medikamentös. Symbolbild: amazing studio/stock.adobe.com L-Thyroxin zählt zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten in Deutschland. Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) erklären, warum eine korrekte Dosierung wichtig ist, wie die Einnahme gelingt und weshalb manche Patientinnen und Patienten unnötig behandelt werden. In Deutschland sind schätzungsweise 4 bis 8 Millionen Menschen von einer Unterfunktion der Schilddrüse betroffen. „L-Thyroxin ersetzt das natürliche Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) und wird vom Körper wie das eigene Hormon verarbeitet – es gleicht so diese fehlende Menge aus“, erklärt Prof. Joachim Feldkamp, Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, Infektiologie am Klinikum Bielefeld. Typische Beschwerden einer Unterfunktion sind starke Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, ein verlangsamter Puls, Gewichtszunahme oder Wassereinlagerungen. Häufig liegt eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse vor, wie zum Beispiel die Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis). Seltenere Ursachen sind angeborene Störungen der Produktion, des Transportes und der Verarbeitung von Schilddrüsenhormonen. Auch durch Störungen der Hirnanhangsdrüse, nach Operationen oder einer Radiojodtherapie kann eine Unterfunktion entstehen. Passende Dosierung und sichere Einnahme Die Dosierung von L-Thyroxin orientiert sich am Körpergewicht und wird regelmäßig über den Laborwert TSH kontrolliert. Bei einer zu niedrigen Menge bleiben Beschwerden der Unterfunktion bestehen. Ist die Dosis zu hoch, kann der Körper in eine Überfunktion geraten. „Dann drohen Herzrasen, Schlaflosigkeit oder Herzrhythmusstörungen – im Extremfall Vorhofflimmern“, so Feldkamp. Das Präparat wirkt am zuverlässigsten, wenn es auf nüchternen Magen eingenommen wird. Viele Lebensmittel behindern die Aufnahme. „Besonders Kaffee, Tee und Kalzium können die Wirkung abschwächen. Deshalb wird empfohlen, L-Thyroxin morgens 20 bis 30 Minuten vor dem Frühstück zu nehmen“, erläutert Feldkamp. Für einige eignet sich eine abendliche Einnahme – zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit: „Wenn jemand morgens direkt nach dem Aufstehen Kaffee trinkt, weil er oder sie sonst nicht wach wird, oder wenn der TSH-Wert trotz Dosissteigerung zu hoch bleibt, können diese Personen in Absprache mit den Ärzt:innen L-Thyroxin abends einnehmen.“ Überversorgung: Wenn L-Thyroxin zu viel verordnet wird In den vergangenen Jahren wurde L-Thyroxin häufig zur Behandlung von Schilddrüsenknoten verschrieben. „Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftliche Grundlage“, betont Feldkamp. Die Therapie beeinflusst weder das Entstehen noch die Größe der Knoten. Besonders ältere Menschen wurden dadurch unnötig einem Risiko ausgesetzt: Eine Überdosierung kann das Herz belasten und zu kardiovaskulären Ereignissen führen. Trotz unveränderter Häufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen ist die Verschreibung von L-Thyroxin in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen. Mögliche Ursachen sind unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit oder Gewichtszunahme – Symptome, die viele Gründe haben können und nicht automatisch auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen. „Häufig wird schon bei leicht erhöhten TSH-Werten L-Thyroxin verordnet. Zudem verschreiben viele Ärzt:innen das Medikament oftmals auf Basis eines einzigen Laborwerts, statt die klinische Gesamtsituation oder Verlaufskontrollen abzuwarten. Das sollte in der Weise nicht geschehen“, so Feldkamp. DGE empfiehlt: Abklärung statt Selbstdiagnose Wer Beschwerden bemerkt, sollte sie ärztlich abklären lassen. Nur so lässt sich feststellen, ob eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt und ob eine Therapie nötig ist. „Die richtige Diagnose und eine individuell abgestimmte Dosierung sind entscheidend für die sichere Behandlung“, fasst Feldkamp zusammen.
Mehr erfahren zu: "Schwangerschaft zeigt künftiges kardiometabolisches Risiko auf" Schwangerschaft zeigt künftiges kardiometabolisches Risiko auf Eine Studie zeigt, dass ungünstigere Werte der kardiovaskulären Gesundheit während der Schwangerschaft – auch bei ausbleibenden Komplikationen – mit einem höheren Risiko für kardiometabolische Erkrankungen nach der Entbindung assoziiert sind.
Mehr erfahren zu: "Prädiabetes-Remission könnte Krebsrisiko verringern" Prädiabetes-Remission könnte Krebsrisiko verringern Die Remission eines Prädiabetes scheint weit mehr zu bewirken als nur die Entstehung eines Typ-2-Diabetes zu verhindern. Zwei Tübinger Professoren schlagen vor, die Rückkehr erhöhter Blutzuckerwerte in den Normalbereich als […]
Mehr erfahren zu: "Zi-Trendreport: Weiter hohe Nachfrage nach Psychotherapie" Zi-Trendreport: Weiter hohe Nachfrage nach Psychotherapie Bei insgesamt weitgehend konstant gebliebener Inanspruchnahme der ambulanten Versorgung hat die Zahl der Behandlungsfälle in Psychotherapie und Psychiatrie im Jahr 2025 deutlich zugenommen. Weniger Fälle haben hingegen Kinder- und Jugendärzte behandelt. Das geht […]