L1CAM spielt bedeutende Rolle bei Prostatakrebs-Therapieresistenz

Das Zelladhäsionsmolekül L1 (L1CAM) vermittelt die Entstehung eines neuroendokrinen Phänotyps in Prostatakrebs(PCa)-Zellen. Dies hat ein internationales Forscherteam entdeckt.

Neuroendokriner Prostatakrebs (NEPC) reagiert kaum oder gar nicht auf eine Androgenentzugstherapie und ist mit der Entwicklung eines mCRPC verbunden. L1CAM spielt bekanntermaßen eine onkogene Rolle bei metastasierenden Krebs­erkrankungen, einschließlich kastrationsresistentem PCa (CRPC). Die Auswirkungen von L1CAM auf die Progression des PCa zur neuroendokrinen Differenzierung waren bisher jedoch unklar.

Um hier mehr Licht ins Dunkel zu bringen, haben Wissenschaftler um Shian-Ying Sung von der Medizinischen Universität Taipeh (Taiwan) den L1CAM-Expressionsgrad anhand öffentlicher Genexpressions-Datenbanken von PCa-Kohorten und Xenograft-Modellen, die von Patienten stammten, untersucht. Zur Untersuchung der Zellfunktionen in vitro schalteten sie L1CAM in verschiedenen PCa-Zell-Linien aus. Um die neuroendokrine Differenzierung zu induzieren, etablierten sie durch langfristige Exposition gegenüber Abirateron eine Unterlinie der CRPC-Zell-Linie CWR22Rv1. Darüber hinaus kultivierten die Forscher die Androgenrezeptor-negative Zell-Linie PC3 unter Bedingungen, die zur ­Bildung von Tumorsphären führen, um die Krebsstammzell­eigen­schaften anzureichern. Mit dem Ziel, Genexpression und Zelltod zu beobachten, wie sie durch L1CAM vermittelt werden, testeten Erstautorin Chia-Ling Hsieh und ihre Kollegen mehrere Substanzen, die oxidativen Stress in den PCa-Zellen induzierten.

Die Wissenschaftler fanden, dass die L1CAM-Expression bei NEPC im Vergleich zu CRPC oder Adenokarzinomen bemerkenswert hoch war. L1CAM korrelierte auch mit der Expression neuroendokriner Marker und war mit der Progression von Adenokarzinom zu NEPC in Gen­expressionsdatenbanken und CRPC-Zellen mit neuroendokriner Differenzierung assoziiert. Zudem förderte L1CAM in PC3-Zellen unter der Anreicherung von Krebsstammzelleneigenschaften die Krebsstammzellen- und neuroendokrinen Phänotypen. Wie Hsieh und Kollegen beobachteten, stellte sich L1CAM als Gen heraus, das sich durch reaktive Sauerstoffspezies induzieren lässt. In der Folge wirkte L1CAM dem durch ionisierende Strahlung ausgelösten CRPC-Zelltod entgegen. „Unsere Ergebnisse enthüllten eine neue Rolle von L1CAM beim Erwerb des neuroendokrinen Phänotyps bei PCa“, schließen die Wissenschaftler. Diese Eigenschaften trügen zur Therapieresistenz des CRPC bei.

(ms)