Langzeitfolgen von Atombombenabwürfen21. September 2017 Foto: Nagasaki Friedensdenkmal © coward_lion – fotolia.com Das Risiko für Schilddrüsenkarzinome steigt und persistiert bei Menschen, die in der Kindheit ionisierender Strahlung ausgesetzt waren, über Jahrzehnte. Die langfristigen Effekte einer Exposition in der Kindheit gegenüber mittleren bis niedrigen Dosen Strahlung auf Schilddrüsenfunktionsstörungen und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse waren aber bisher unklar. Japanische Wissenschaftler untersuchten die Prävalenz von Schilddrüsenfunktionsstörungen und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse in Abhängigkeit von der Strahlungsdosis bei Personen, die als Kinder Atombombenangriffe überlebt haben. Überlebende der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, die bei der Exposition jünger als 10 Jahre gewesen waren, wurden von 2007–2011, also 62–66 Jahre nach den Atombombenangriffen, Schilddrüsenuntersuchungen unterzogen. Insgesamt wurden die Daten von 2668 Personen (Durchschnittsalter 68,2 Jahre; 1455 Frauen) mit bekannter Schilddrüsenstrahlungsdosis (im Mittel 0,182 Gy; Dosisspanne 0–4,040 Gy) analysiert. Die Prävalenz von Hypothyreose lag bei 7,8 % (129 Patienten), von Hyperthyreose bei 1,2 % (32 Patienten mit Morbus Basedow). Insgesamt 573 Patienten (21,5 %) wurden positiv auf Schilddrüsenantikörper getestet. Keine dieser Prävalenzen war mit der Strahlendosis der Schilddrüse assoziiert. Weder schilddrüsenantikörper-positive noch schilddrüsenantikörper-negative Hyperthyreose war mit der Schilddrüsen-Strahlendosis assoziiert. Weitere Analysen mit anderen Definitionen für Hypo- und Hyperthyreose zeigten, dass die Strahlungsdosis-Responses nicht signifikant waren. Die Autoren schlussfolgern: Strahlungseffekte auf Schilddrüsenfunktionsstörungen und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse waren bei Überlebenden von Atombombenabwürfen in der Kindheit, 62-66 Jahre zuvor, nicht zu beobachten. Das Querschnittsdesign und der Überlebensbias seien allerdings Limitationen der Studie gewesen. Autoren: Imaizumi M et al Korrespondenz: Department of Clinical Studies, Radiation Effects Research Foundation, Nagasaki, Japan Studie: Thyroid dysfunction and autoimmune thyroid diseases among atomic-bomb survivors exposed in childhood Quelle: J Clin Endocrinol Metab 2017 Jul;102(7):2516–2524 Web: academic.oup.com/jcem
Mehr erfahren zu: "Retinitis pigmentosa: Therapie lässt blinde Menschen einfache Objekte wahrnehmen" Weiterlesen nach Anmeldung Retinitis pigmentosa: Therapie lässt blinde Menschen einfache Objekte wahrnehmen Eine Gentherapie kombiniert mit einer Spezialbrille kann Menschen mit Retinitis pigmentosa, einer schweren erblichen Netzhauterkrankung helfen, wieder einfache visuelle Eindrücke wahrzunehmen.
Mehr erfahren zu: "Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt" Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt Der Medizin-Nobelpreis würdigt in diesem Jahr die Entwicklung der Optogenetik. Auch in Bonn wird diese Methode eingesetzt, um menschliche Netzhautzellen zu erforschen und neue Ansätze für die Behandlung degenerativer Netzhauterkrankungen […]
Mehr erfahren zu: "Medizin-Nobelpreis geht an zwei Deutsche und einen US-Forscher" Medizin-Nobelpreis geht an zwei Deutsche und einen US-Forscher Für ihre Forschung zur gezielten Veränderung von Zellen erhalten ein Berliner und ein Würzburger Forscher sowie ein US-Amerikaner den diesjährigen Nobelpreis für Medizin/Physiologie.