Lebensgefährliche Präeklampsie bei Schwangeren: Neuer Biomarker für Risiko-Vorhersage29. November 2024 Foto: © Svitlana/stock.adobe.com Eine Studie des Universitäts-Herzzentrums Freiburg konnte zeigen, dass sich hochsensitives kardiales Troponin I (hs-cTnI) als Biomarker für die Früherkennung von Präeklampsie eignet. Obwohl die Präeklampsie zahlreiche Risikofaktoren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen teilt, sind kardiovaskuläre Biomarker für die Vorhersage der Präeklampsie bislang nicht ausreichend untersucht. Der Forschungsbedarf für entsprechende Diagnoseverfahren, etwa in Form eines Labortests, ist daher hoch. In einer hochkarätig publizierten Forschungsarbeit zum besseren Verständnis kardiovaskulärer Biomarker bei Schwangeren konnte Dr. Lucas Bacmeister, Klinik für Kardiologie und Angiologie des Universitäts-Herzzentrums Freiburg, belegen, dass sich hochsensitives kardiales Troponin I (hs-cTnI) als Biomarker auch für die Früherkennung dieser lebensbedrohlichen Erkrankung sehr eignet. Martina Grote-Wissenschaftspreis erhalten Für seine neuen Erkenntnisse erhält Dr. Bacmeister den Martina Grote-Wissenschaftspreis „Frauenherzen“ der Deutschen Herzstiftung. Der Wissenschaftspreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird jährlich von der Deutschen Herzstiftung gemeinsam mit der Projektgruppe „Frauen und Familie in der Kardiologie“ und der „Arbeitsgruppe Gendermedizin in der Kardiologie“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) vergeben. „Meine Ergebnisse zeigen, dass der hs-cTnI-Wert bei schwangeren Frauen einen kardiovaskulären Risikostatus widerspiegelt, der eine Präeklampsie begünstigt“, erklärt Bacmeister zu seiner Arbeit, die im Fachmagazin „Circulation“ publiziert wurde (1). „Die Forschungsarbeit von Dr. Lucas Bacmeister und Kollegen trägt wesentlich zum besseren Verständnis von kardiovaskulären Biomarkern im Blut von Frauen in der Schwangerschaft bei. Zugleich haben die Erkenntnisse das Potenzial, zu einer frühzeitigen Prävention von ernsthaften Herz-Kreislauf-Komplikationen – insbesondere durch die Präeklampsie – bei schwangeren Frauen und ihrem ungeborenen Kind beizutragen“, erklärt der Kardiologe Prof. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, bei der Vergabe des „Wissenschaftspreises Frauenherzen“ gemeinsam mit der Stifterin und Namensgeberin des Preises Martina Grote in Frankfurt am Main. Genauere Vorhersage schwerer Herz-Komplikation Bacmeister analysierte über 3700 Blutproben von mehr als 2200 schwangeren Frauen aus vier internationalen Patientenkohorten. Analysiert wurden die hs-cTnI-Werte im Blut. Bei allen Frauen wurde zum Zeitpunkt der Blutentnahme noch keine Präeklampsie vermutet oder diagnostiziert. „Durch die Analyse konnten wir zeigen, dass hs-cTnI das spätere Auftreten einer Präeklampsie bereits vor den ersten klinischen Symptomen vorhersagt“, berichtet Bacmeister. In mehreren Analyse-Ansätzen der untersuchten Blutproben ergänzte der Forscher Biomarker in bereits etablierten Vorhersagemodellen um den hs-cTnI-Wert. So habe beispielsweise ein Vorhersagemodell, das den Biomarker sFlt-1/PIGF, sogenannte mütterliche Faktoren und den hs-cTnI-Wert einschloss, in diesem Kontext einen Zusatznutzen geliefert, berichtet der Forscher. „Weitere Analysen zeigten, dass die Hinzunahme von hs-cTnI jedes der korrespondierenden Vorhersagemodelle ohne hs-c-TnI verbesserte, was insbesondere für die schwere Form der Präeeklampsie zu beobachten war.“ Die Hinzunahme von hs-c-TnI zu etablierten Risikofaktoren führte, so Bacmeister, zu einer „signifikanten Verbesserung“ der Vorhersagegenauigkeit von Präeklampsie – insbesondere bei der früh auftretenden schweren Form der Erkrankung. „Angesichts der Tatsache, dass bis zu 60 Prozent der früh auftretenden schweren Form der Präeklampsie durch rechtzeitige Prävention mit dem Blutverdünner ASS verhindert werden können, sind diese Erkenntnisse von großer klinischer Relevanz“, betont der Freiburger Arzt und Wissenschaftler. Perspektivisch sehen die Freiburger Forscher nach weiteren Beobachtungsstudien mit dem Biomarker hs-cTnI und mütterlichen Faktoren außerdem das Potenzial, dass hs-cTnI als Ersatz für oder als Ergänzung zu bereits etablierten sogenannten Angiogenese-Biomarkern in Gesundheitssystemen dienen könnte, in denen Labortests mit diesen Biomarkern knapp oder nicht verfügbar sind.
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