Leberfibrose: Stärkere Verknüpfung mit Herz- und Stoffwechsel-Risikofaktoren bei Frauen als bei Männern10. März 2026 Abbildung/KI-geniert: © Александр Довянский/stock.adobe.com Forschende von der Keck School of Medicine in den USA haben in einer national repräsentativen Stichprobe die Geschlechterunterschiede bei Typ-2-Diabetes, Taillenumfang und anderen Risikofaktoren für Leberfibrose untersucht. Der kürzlich in „JAMA Network Open“ veröffentlichten Studie zufolge besitzen Frauen mit bestimmten kardiometabolischen Risikofaktoren ‒ darunter Typ-2-Diabetes und ein hoher Taillenumfang ‒ ein deutlich höheres Risiko für Leberfibrose als Männer mit denselben Risikofaktoren. Nach Angaben der Autoren ist diese Untersuchung eine der ersten, in der Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei kardiometabolischen Risikofaktoren für Leberfibrose erforscht worden sind. Während Männer häufiger an Leberfibrose erkrankten, nähmen schwere Fälle bei Frauen zu, heißt es in einer Mitteilung der Keck School of Medicine an der University of California anlässlich der Publikation. Die Wissenschaftler sahen sich durch diese Beobachtung veranlasst, mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede zu untersuchen. „Wir beobachten, dass bei Frauen die Leberfibrose nach dem Auftreten einer Lebererkrankung schneller voranschreitet als bei Männern“, sagt Prof. Jennifer Dodge von der Keck School of Medicine und korrespondierende Autorin der Studie. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass kardiometabolische Risikofaktoren dabei eine Rolle spielen könnten. Diese Ergebnisse erinnern sowohl Mediziner als auch die Öffentlichkeit daran, dass die Behandlung dieser kardiometabolischen Risikofaktoren nicht nur bei Herzerkrankungen, sondern auch bei Lebererkrankungen wichtig ist.“ Umfangreiche Daten zur Lebergesundheit Die Autoren erfassten objektiv erhobene Informationen wie Laborergebnisse und Bildgebungsdaten. In vielen nationalen Befragungen, die häufig auf Selbstauskünften oder Krankenakten basieren, würden diese berücksichtigt, so betonen sie. Die Daten stammen aus dem National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) der U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Darin enthalten waren Angaben zum Lebensstil der Teilnehmenden, darunter Alkoholkonsum, Bewegung und Ernährung sowie Blutwerte für Cholesterin und Glukose. Informationen lagen außerdem vor für den Body-Mass-Index und den Taillenumfang (gemessen im Rahmen klinischer Untersuchungen) sowie zu Leberfibrose und Steatose aus Ultraschalluntersuchungen. Die Forschenden nutzten Daten von 5981 US-amerikanischen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren. Die Informationen wurden in den Jahren 2017 bis 2020 gesammelt. Anhand dieser Daten analysierten die Wissenschaftler, ob sich der Zusammenhang zwischen Leberfibrose und wichtigen kardiometabolischen Risikofaktoren je nach Geschlecht unterscheidet. Zu diesen Risikofaktoren zählten Taillenumfang, Bluthochdruck, Diabetes oder Prädiabetes, hohe Triglyceridwerte, niedriges HDL-Cholesterin und das Vorliegen von zwei oder mehr dieser Faktoren. In ihrer statistischen Analyse berücksichtigten die Forschenden Alter, ethnische Zugehörigkeit, Rauchen und Alkoholkonsum, um den Einfluss dieser Faktoren auszuschließen. Geschlechterunterschiede im Fibrose-Risiko Insgesamt wiesen Frauen ähnliche oder niedrigere Ausgangswerte für Leberfibrose auf als Männer. Waren jedoch bestimmte Risikofaktoren vorhanden, stieg die Fibroserate bei Frauen tendenziell stärker an als bei Männern. So war beispielsweise ein hoher Taillenumfang bei Frauen mit einem Anstieg der Fibroserate von 0,8 Prozent auf 9,2 Prozent verbunden, verglichen mit einem Anstieg von 4,4 Prozent auf 17,0 Prozent bei Männern. Typ-2-Diabetes oder Prädiabetes erhöhten die Fibrose-Rate bei Frauen um das 2,8-Fache, bei Männern hingegen um das 1,4-Fache. Mit Vorliegen von zwei oder mehr kardiometabolischen Risikofaktoren stieg das Risiko bei Frauen um das 8,4-Fache, bei Männern um das 2,6-Fache. „Frauen haben anfangs ein geringeres Risiko, aber sobald die genannten Faktoren vorhanden sind, steigt ihr Risiko deutlich an“, fasst Dodge zusammen. Nächste Schritte in der Forschung Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Erhaltung einer guten Herz- und Stoffwechselgesundheit weit über die Prävention von Herzerkrankungen hinaus Bedeutung hat, so Dodge. Sie weisen auch auf mögliche geschlechterspezifische Unterschiede in den biologischen Prozessen hin, die Lebererkrankungen zugrunde liegen. Beispielsweise nimmt man an, dass Östrogen Frauen vor Lebererkrankungen schützt. Dieser Schutz könnte jedoch mit sinkendem Östrogenspiegel in den Wechseljahren abnehmen. „Unsere Stichprobe war nicht groß genug, um diesen Zusammenhang zu untersuchen, aber wir planen, Leberfibrose und Wechseljahre in einer zukünftigen Studie zu erforschen und dabei auch die Auswirkungen einer Hormonersatztherapie zu berücksichtigen“, erklärt Dodge. Die Wissenschaftler planen außerdem, die Studie mit prospektiven Daten zu wiederholen, um besser zu verstehen, ob diese geschlechterspezifischen Unterschiede direkt zur Entwicklung von Leberfibrose beitragen. Sie wollen auch untersuchen, wie Geschlecht und kardiometabolische Risikofaktoren bei der mit Stoffwechselstörungen assoziierten Steatohepatitis interagieren. Auch interessant – Aktuelles zum Thema Körperfettverteilung, Herzalter und Geschlechterunterschiede: Körperfettverteilung beeinflusst Herzalter bei Männern und Frauen unterschiedlich
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