Lebergesundheit: Kohlenhydratarme Ernährung bietet Vorteile über Gewichtsverlust hinaus

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Eine klinische Studie hat beim Vergleich verschiedener Diäten ergeben, dass eine ketogene Ernährung der Leber und dem Stoffwechsel am meisten Nutzen bringt.

An beliebten Diäten und Ernährungsplänen, die der Gewichtsreduktion dienen sollen, herrscht kein Mangel. Doch senken alle gleichermaßen das kardiometabolische Risiko, das mit Adipositas und Übergewicht einhergeht? Laut einer randomisierten klinischen Studie von der Washington University School of Medicine in St. Louis (USA) ist das nicht der Fall – auch wenn sie in puncto Gewichtsverlust vergleichbar sind. Die Forschenden hatten drei häufig empfohlene Ernährungsweisen miteinander verglichen; bei den teilnehmenden Probanden handelte es sich um adipöse Erwachsene, die die auch erhöhte Blutzuckerwerte und vermehrtes Leberfettgewebe aufwiesen. Bei allen besserte sich zwar unter der jeweiligen Diät zwar die allgemeine Stoffwechselgesundheit, doch die mit einer Begrenzung der Kohlenhydrataufnahme bei der ketogenen Ernährung gingen zusätzliche Vorteile bei der Lebergesundheit und der Blutzuckerkontrolle einher. Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse kürzlich im Journal „Cell Metabolism“.

„Für Patienten mit Adipositas, Prädiabetes und steatotischer Lebererkrankung bietet eine Ernährung, die eine Gewichtsreduktion durch eine Aufnahme von sehr wenig Kohlenhydrate beinhaltet, zusätzliche therapeutische Effekte auf den Glukose- und Lipidstoffwechsel“, fasst Seniorautor Dr. Samuel Klein zusammen. Er hat die Danforth-Professur für Medizin und Ernährungsforschung an der Washington University School of Medicine inne. „Diese Effekte bieten einen Nutzen über den reinen Gewichtsverlust hinaus, wenn es darum geht, eine Progression hin zu einer schwereren Stoffwechselerkrankung zu vermeiden.“ Er betont aber auch: „Alle drei Ernährungsformen besserten die Stoffwechselgesundheit allein durch die Gewichtsreduktion, auch wenn sie sich hinsichtlich der Aufnahme von Mikronährstoffen stark voneinander unterschieden – von sehr wenig Kohlenhydraten bis hin zu einem sehr hohen Kohlenhydratgehalt.“

Welche Ernährungsweise bessert Stoffwechsel- und Lebergesundheit am stärksten?

Die Studienautoren schlossen in ihre Untersuchungen 55 adipöse Erwachsene ein, die auch an Prädiabetes und einer steatotischen Lebererkrankung litten. Sie wurden für jeweils fünf Monat einer von drei Ernährungsweisen zugewiesen: einer ketogenen Ernährung mit viel Fett und wenig Kohlenhydraten oder einer größtenteils pflanzlichen Ernährung mit hohem Kohlenhydrat- und geringem Fettgehalt oder einem Speiseplan nach mediterranem Vorbild (ausgewogener Kohlenhydrat- und Fettgehalt). Dabei wurden den Probanden alle entsprechenden Lebensmittel im Rahmen der Studie zu hundert Prozent zur Verfügung gestellt. Zur Unterstützung wurden sie in wöchentlichen Sitzungen von einem Diätassistenten beraten.

Forschende von Washington University (WashU) Medicine leiteten eine klinische Studie, in der drei Ernährungsweisen mit unterschiedlichen Anteilen an Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen untersucht wurden. Dabei zeigte sich, dass alle drei die Stoffwechselgesundheit verbesserten, eine sehr kohlenhydratarme ketogene Ernährung jedoch zusätzliche Vorteile für die Lebergesundheit und die Blutzuckerkontrolle bot. (Grafik: Katie Gertler/WashU Medicine)

Der Gewichtsverlust fiel in allen drei Gruppen ähnlich aus und belief sich auf etwa zehn Prozent des jeweiligen Startgewichts der Teilnehmenden. Die Insulinsensitivität in Muskelzellen wurde im Vergleich zum Ausgangswert um etwa 50 Prozent gesteigert. Diese vergleichbare Wiederherstellung der Insulinsensitivität über alle Ernährungsgruppen hinweg lässt laut den Forschenden die Schlussfolgerung zu, dass die Gewichtsreduktion selbst ein wichtiger Faktor in dieser Hinsicht ist – nicht das Verhältnis von Fetten und Kohlenhydraten auf dem Weg dorthin.

Was die Lebergesundheit betrifft, war dies allerdings nicht der Fall. In Leberzellen beobachteten die Wissenschaftler unter ketogener Ernährung eine zwei- bis dreimal stärkere Verbesserung der Insulinsensitivität als bei den anderen beiden Diäten – auch wenn bei allen eine Verbesserung in diesem Punkt zu verzeichnen war. Auch hatte bei der ketogenen Ernährung der Anteil von Fettgewebe in der Leber nach fünf Monaten um 67 Prozent abgenommen, verglichen mit nur 45 Prozent bei den beiden anderen Ernährungsformen.

„Weltweit sind etwa 75 Prozent der Erwachsenen mit Adipositas von einer steatotischen Lebererkrankung betroffen: Sie hat sich zur am schnellsten zunehmenden Ursache für chronische Lebererkrankungen und Leberzirrhose entwickelt“, erklärt Erstautor Dr. Max C. Petersen vom John T. Milliken Department of Medicine an der Washington University. „Unsere Studie zeigt, dass eine kohlenhydratarme, ketogene Ernährung dazu beitragen könnte, diese Zahlen bei Menschen mit Adipositas und steatotischer Lebererkrankung zu senken.“

Bessere Blutzuckerkontrolle unter ketogener Ernährung

Laut den Beobachtungen der Forschenden führte eine ketogene Ernährung zudem zu einer stärkeren Verbesserung der Blutzuckerkontrolle als die anderen beiden Ernährungsweisen: Die 24-Stunden-Blutzuckerwerte sanken um 20 Prozent gegenüber dem Ausgangswert, verglichen mit acht Prozent bei den anderen Diäten. Auch nahm der Insulinspiegel im Tagesverlauf bei der kohlenhydratarmen Ernährung um 74 Prozent ab, während er bei der mediterranen Ernährung um 44 Prozent und bei der kohlenhydratreichen Ernährung um 27 Prozent zurückging. Diese starke Abnahme des Insulinspiegels spiegelt den verringerten Insulinbedarf zur Blutzuckerregulierung bei einer sehr kohlenhydratarmen Ernährung wider. Die Bauchspeicheldrüse muss also kein übermäßiges Insulin mehr produzieren, um eine Reaktion zu erzielen.

Die Hälfte der Teilnehmenden, die sich kohlenhydratarm ernährten, konnte ihren Prädiabetes rückgängig machen, während dies bei der mediterranen Ernährung auf 29 Prozent und bei der kohlenhydratreichen Ernährung auf sieben Prozent zutraf.

„Gewichtsverlust – selbst in moderatem Umfang – ist für Menschen mit Stoffwechselstörungen generell vorteilhaft“, konstatiert Petersen. „Viele Patienten mit Stoffwechselstörungen kommen auch für eine Behandlung mit GLP-1-Medikamenten infrage, die sich als sehr wirksame Hilfsmittel zur Gewichtsabnahme erwiesen haben. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Wahl der Ernährung weiterhin wichtig ist, da sie Auswirkungen auf spezifische Gesundheitsaspekte hat, die über den reinen Gewichtsverlust hinausgehen.“

In künftigen Studien wollen die Forschenden die grundlegenden Mechanismen untersuchen, die für die metabolischen Vorteile des Gewichtsverlusts verantwortlich sind – einschließlich der Wirkungsweise von GLP-1-Medikamenten. (ac/BIERMANN)