Leberschäden: US-Giftzentralen beobachten Anstieg um fast 400 Prozent25. August 2026 Abbildung: Khunatorn/stock.adobe.com Die Zahl der Personen, die bei US-amerikanischen Giftzentralen wegen Leberschäden, die durch Medikamente, Supplemente, Alkohol und andere Substanzen verursacht werden, um Hilfe bitten, ist zwischen 2000 und 2024 massiv angestiegen – um fast 400 Prozent. Dies berichten Forschende des University of Virginia (UVA) Health System. Die Wissenschaftler um Dr. Christopher P. Holstege hatten sich für ihre Untersuchung Leberschäden angeschaut, die durch Xenobiotika hervorgerufen werden. Dazu gehören neben den genannten Substanzen auch Umweltschadstoffe. Mehr als 80 Prozent aller ausgewerteten Fälle von Leberschädigungen erforderten eine stationäre Behandlung. Die meisten gingen auf Medikamente zurück. Die häufigste beteiligte Substanz war Paracetamol (in den USA bekannt als Acetaminophen). „Durch Xenobiotika hervorgerufenen Lebeschäden, die an US-amerikanische Giftzentralen werden, haben stetig zugenommen“, erklärt Holstege, Leiter des Blue Ridge Poison Centerv an der UVA Health. „Die Öffentlichkeit sollte sich bei verschiedenen Substanzen, die frei verfügbar sind, der Möglichkeit von Leberschäden bewusst sein.“ Begrenzung der Paracetamol-Höchstmenge in Kombinationspräparaten durch die FDA Holstege und seine Kollegen identifizierten insgesamt 220.16 Fälle von durch Xenobiotika hervorgerufene Leberschäden innerhalb der 24 von ihnen betrachteten Jahre. Die Bevölkerungs-adjustierten Expositionsraten sind in dieser Zeit von 10,9 Millionen Betroffenen auf 52,9 Millionen in die Höhe geschossen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Exposition gegenüber Paracetamol-haltigen Medikamenten signifikant sank – um 60 bis 85 Prozent –, nach dem die Food and Drug Administration die in verschreibungspflichtigen Kombinationsprodukten erlaubte Menge von Paracetamol beziehungsweise Acetaminophen begrenzt hatte. Im Gegensatz dazu nahmen potenziell schädliche Expositionen gegenüber Paracetamol selbst während des Beobachtungszeitraums stetig zu. Dies deutet laut den Studienautoren darauf hin, dass die regulatorischen Maßnahmen der FDA zwar die Leberschäden durch Kombinationsprodukte erfolgreich senkte – dass aber Paracetamol für sich selbst genommen immer noch einer der wichtigsten Faktoren für Leberschäden ist, die an Giftzentralen dokumentiert werden. Der entsprechende Beschluss der FDA eine Paracetamol-Höchstmenge in Kombinationspräparaten war im Jahr 2011 mitgeteilt worden. Seitdem dürfen in den USA Kombinationspräparate – vor allem verschreibungspflichtige Kombinationen mit Opioiden – maximal 325 mg Paracetamol enthalten. Den Herstellern wurde ein Übergangsfrist von drei Jahren eingeräumt. Forschende beobachten geschlechtsspezifischen Unterschied bei Paracetamol-bedingten Leberschäden Die Forschenden fanden einen geschlechtsspezifischen Unterschied: Unter Frauen waren die Raten für Leberschäden im Zusammenhang mit Paracetamol höher als unter Männern. Auch war zu beobachten, dass wahrscheinliche Suizide oder Suizidversuche bei beiden Geschlechtern der häufigste Grund für die Exposition war. Alkohol folgte weit hinter Paracetamol auf dem zweiten Platz, was die Ursachen für die beobachteten Leberschäden angeht. Alkohol als Grund wurde bei Männern häufiger beobachtet als bei Frauen. Allerdings nahmen damit verbundene Leberschäden bei beiden Geschlechtern während der COVID-19-Pandemie zu. Auch bei Stimulanzien, Straßendrogen, Kräuter-Supplemente und Nahrungsergänzungsmittel sowie Umwelttoxine als Ursache für Leberschäden stellte man einen Anstieg fest. Diese waren jedoch weit weniger häufig der Grund als Paracetamol und Alkohol. (ac/BIERMANN)
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