Lebertest vor Herz-Operation: Risikopersonen besser erkennen21. Februar 2022 Der Herzchirurg Hristo Kirov vom Universitätsklinikum Jena erhält den Dr. Rusche-Forschungsprojekt-Preis. (Foto: © Michael Szabó/UKJ) Auf der Suche nach Biomarkern, die auf ein erhöhtes Risiko für Komplikationen nach einem herzchirurgischen Eingriff hinweisen, möchte Dr. Hristo Kirov vom Universitätsklinikum Jena in einer Studie den Verlauf der Operation und der Erholungsphase mit dem vor dem Eingriff erstellten Stoffwechselprofil der Leber abgleichen. Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie zeichnet das Vorhaben zusammen mit der Deutschen Stiftung für Herzforschung mit dem Dr. Rusche-Forschungsprojekt-Preis aus und fördert die Umsetzung mit 60.000 Euro. In Sachen Alkoholkonsum und Übergewicht belegt die Thüringer Bevölkerung unrühmliche Spitzenplätze im bundesweiten Vergleich. In den Operationssälen der Herzchirurgie macht sich dies mit einem besonders hohen Patientenanteil mit Leberproblemen bemerkbar. „Wir wissen, dass die Einschränkung der Leberfunktion ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für Komplikationen während oder nach einem herzchirurgischen Eingriff bedeutet“, sagt Dr. Hristo Kirov, Oberarzt an der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Jena (UKJ). Ein Dilemma, denn oft brauchen gerade Patientinnen und Patienten mit hohem Risiko eine Herzoperation am dringendsten und würden sehr davon profitieren, eine Behandlungsalternative gibt es häufig nicht. Warum genau eine Person dann Komplikationen wie zum Beispiel Blutungen, neurologische Langzeitfolgen oder Nierenversagen erleidet oder gar verstirbt, und eine Patientin in vergleichbarer Verfassung die Operation komplikationslos übersteht, ist bisher nicht geklärt. Mit einer prospektiven Studie möchte Herzchirurg Kirov hier zu einem besseren Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen beitragen. Das Konzept sieht vor, vor der Operation eine Blutprobe in der Biobank zu konservieren, um später an entsprechend ausgewählten Patientinnen und Patienten mit massenspektrometrischen Analysen ein komplettes Stoffwechselprofil der Leber erstellen zu können. Mit diesem Profil lassen sich Funktionsstörungen der Leber genau charakterisieren. Das Studienteam erwartet, so neue Biomarker für ein erhöhtes Komplikationsrisiko zu finden. Deren Erhebung vor einer Operation könnte eine Therapieverbesserung ermöglichen. Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie wählte das Studienprojekt für den diesjährigen Dr. Rusche-Forschungsprojekt-Preis aus und fördert gemeinsam mit der Deutschen Stiftung für Herzforschung die Durchführung der Studie mit 60.000 Euro. Der Preis wurde auf der Jahrestagung der Fachgesellschaft überreicht. Kirov erklärt: „Wir versprechen uns Einblicke in die Mechanismen von schweren Komplikationen im Rahmen von herzchirurgischen Eingriffen zu erhalten, die nicht durch die Operation selbst zu erklären sind. Wir können hoffentlich neue Biomarker identifizieren, die vor der Operation eine bessere und individuellere Risikoabschätzung erlauben.“ „Das Besondere in dieser Studie ist das prospektive Design und die Verwendung neuester Metabolomics- und Proteomics-Messmethoden. Wir sammeln die Proben von allen Patienten und vergleichen die Messungen von Patienten, die ein nach bisherigem Verständnis gleiches Risikoprofil aufweisen, aber dann ein unterschiedliches Ergebnis erfahren. Dieser Ansatz kann einen wichtigen Beitrag für die Erkennung von Hochrisikopatienten und die Optimierung der Therapie und damit zur Erhöhung der Patientensicherheit leisten“, ergänzt Prof. Torsten Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und Thorax-Chirurgie.
Mehr erfahren zu: "Studienhighlights auf dem ESC 2026" Studienhighlights auf dem ESC 2026 Auf dem ESC-Kongress 2026 in München werden die Ergebnisse von 59 bahnbrechenden Studien erstmals vorgestellt. Auf welche Highlights sich die Besucher freuen dürfen, berichtet der Vorsitzende des ESC-Kongress-Programmkomitees Prof. Tomasz […]
Mehr erfahren zu: "Sind Ärzte-Siegel des „Focus“ irreführend?" Sind Ärzte-Siegel des „Focus“ irreführend? Testsiegel für Ärzte unterliegen strengen Anforderungen sowohl in Bezug auf das zugrundeliegende Testverfahren als auch die Gestaltung der Test-Logos. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil zu Ärzte-Siegeln der […]
Mehr erfahren zu: "RKI: Hitze verursachte in diesem Sommer bereits fast 10.000 Tote" RKI: Hitze verursachte in diesem Sommer bereits fast 10.000 Tote Mehrere Tausend Menschen sind laut RKI in diesem Jahr an den Folgen großer Hitze gestorben – mehr als in jedem Gesamtjahr seit 2016. Besonders betroffen sind ältere Menschen.