Erste internationale Leitlinie zum Einsatz von GLP-1-Medikamenten rund um die Schwangerschaft21. August 2026 Symbolbild © Olga Ко/stock.adobe.com Angesichts der weltweit zunehmenden Verwendung von GLP-1-Medikamenten und anderen Inkretin-basierten Medikamenten zur Behandlung von Adipositas hat eine internationale Initiative die Frage adressiert, wie diese Medikamente von Frauen vor, während und nach einer Schwangerschaft angewendet werden sollten. An der Leitlinie waren Experten aus Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten beteiligt. Grundlage der Empfehlungen war eine systematische Auswertung von 34 Studien, darunter randomisierte kontrollierte Studien, Beobachtungsstudien, Pharmakovigilanz-Analysen und Fallberichte. Ziel war es, die Evidenz zu Themen wie Fertilität, Schwangerschaftsverlauf, Stillzeit und postpartaler Versorgung zu bewerten und bestehende Wissenslücken aufzuzeigen. Veröffentlicht wurde sie in der Fachzeitschrift „Obesity Reviews“. Keine Hinweise auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko – Datenlage bleibt begrenzt Nach derzeitigem Kenntnisstand ergaben sich keine Hinweise darauf, dass eine unbeabsichtigte Exposition gegenüber inkretinbasierten Medikamenten in der Frühschwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für schwere angeborene Fehlbildungen verbunden ist. Die Autoren betonen jedoch, dass insbesondere zu langfristigen Auswirkungen auf Mutter und Kind weiterhin erhebliche Evidenzlücken bestehen. Darüber hinaus fanden sich Hinweise darauf, dass inkretinbasierte Medikamente bei Frauen mit Adipositas und dem polyendokrinen metabolischen Ovarialsyndrom (PMOS; früher: polyzystisches Ovarialsyndrom, PCOS) die Fertilität verbessern könnten. Für einen Einsatz während der Schwangerschaft oder Stillzeit reiche die derzeitige Evidenz jedoch nicht aus. Empfehlungen für die klinische Praxis Die Autoren empfehlen daher eine sorgfältige Beratung zur Empfängnisverhütung sowie eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung bei Frauen mit Kinderwunsch oder bestehender Schwangerschaft. Angesichts der rasch zunehmenden Verordnung dieser Medikamente sei eine evidenzbasierte Beratung in dieser Patientinnengruppe besonders wichtig. Nach Einschätzung der Autorengruppe sind nahezu die Hälfte der klinisch relevanten Fragestellungen zum Einsatz inkretinbasierter Medikamente im Zusammenhang mit der reproduktiven Gesundheit bislang ungeklärt. Sie fordern daher prospektive Studien und Langzeituntersuchungen, um künftig belastbare Empfehlungen für die Versorgung von Frauen im reproduktiven Alter ableiten zu können. (lj/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: GLP-1-Rezeptoragonisten mit geringerer Inzidenz von Brustkrebs assoziiert
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