Leukämien und Lymphome in der Schwangerschaft

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Eine franzö­sische landesweite Beobachtungsstudie hat sich mit in der Schwangerschaft diagnostizierten malignen hämatologischen Erkrankungen befasst.

Das Wissenschaftlerteam um Pierre Pinson von der Assistance Publique-Hôpitaux de Paris, Frankreich, fand keinen signifikanten Unterschied im OS zwischen Betroffenen und Frauen, bei denen die Diagnose erst nach der Schwangerschaft gestellt wurde, allerdings mehr schwere mütter­liche Morbidität und geburtshilf­liche Komplikationen.

Bei ihrer landesweiten beobachtenden Kohortenstudie griffen die Autoren auf das Système National des Données de Santé (SNDS) zurück, eine Verwaltungsdatenbank des Gesundheitswesens, die bis zu 99 % der französischen Bevölkerung abdeckt. Eingeschlossen wurden alle Schwanger­schaften in Frankreich, die zwischen dem 01.01.2012 und dem 31.12.2022 endeten. Schwangerschaften mit ambulant behandelten Abbrüchen oder Fehlgeburten sowie Frauen mit malignen hämatologischen Erkrankungen vor der Schwangerschaft wurden dabei ausgeschlossen.

Wie den Studienergebnissen zu entnehmen ist, wurden unter 9.996.523 Schwangerschaften bei 5.995.235 Frauen in 1366 Fällen maligne hämatologische Erkrankungen in oder kurz nach der Schwangerschaft diagnostiziert: 413 während der Schwangerschaft (4,13/100.000 Schwangerschaften) und 953 (9,53/100.000 Schwangerschaften) innerhalb von 12 Monaten nach dem Ende.

Pinson und seine Kollegen beobachteten zwischen den während und nach der Schwangerschaft erkrankten Frauen über alle Arten maligner hämatologischer Erkrankungen hinweg keine signifikanten Unterschiede im OS (HR nach Berücksichtigung von Störfaktoren* per IPW** 0,91; 95 %-KI 0,62–1,34: p=0,63). Für das Hodgkin-Lymphom kamen sie auf eine HR von 0,56 (95 %-KI 0,07–4,53; p=0,59), für das aggressive B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom auf eine HR von 0,52 (95 %-KI 0,12–2,38; p=0,40) und für akute Leukämie allein auf eine HR von 0,84 (95 %-KI 0,50–1,41; p=0,51).

Schwere mütterliche Morbidität kam in der Gruppe mit Lymphomen und Leukämien in der Schwangerschaft häufiger vor als in der Referenzgruppe ohne solche Erkrankungen (86/328 abgeschlossenen Schwangerschaften [26,2 %] vs. 120.335/7.945.909 [1,5 %]; IPW-adjustierte OR 22,71; 95 %-KI 17,72–29,10; p<0,0001). Das Gleiche galt für sehr frühe Geburten (32 [9,8 %] vs. 92.712 [1,2 %]; IPW-adjustierte OR 11,90; 95 %-KI 7,91–17,91; p<0,0001) und Frühgeburten (116 [35,4 %] vs. 430.472 [5,4 %]; IPW-adjustierte OR 11,76; 95 %-KI 9,34–14,81; p<0,0001). „Die Studie unterstreicht ins­besondere die Notwendigkeit einer spezialisierten Versorgung für die wirksame Behandlung dieser komplexen Fälle“, bilanziert das Autorenteam abschließend. (sf)

*Alter der Mutter, Komorbiditäten, sozioökonomischer Status und Geburtsjahr
**Inverse probability weighting

Autoren: Pinson P et al.
Korrespondenz: [email protected]
Studie: Maternal and obstetric outcomes in women with pregnancy-associated haematological malignancies: an observational nationwide cohort study
Quelle: Lancet Haematol 2024;11(11):e850–e861. (open access)
Web: doi.org/10.1016/S2352-3026(24)00288-6