LMU Klinikum gründet Zentrum für Kognitive Störungen

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Die Neurologische Klinik und Poliklinik, das Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie bündeln ihre Expertise im neuen Zentrum für Kognitive Störungen am LMU Klinikum in München.

Menschen in Frühstadien neurodegenerativer Demenzerkrankungen und andere kognitiven Beeinträchtigungen zu identifizieren, interdisziplinär zu diagnostizieren, ihnen innovative Therapien anzubieten und ihnen den Zugang zu klinischen Studien zu ermöglichen – das ist das Ziel des neuen Zentrums für Kognitive Störungen am LMU Klinikum. Darin bündeln die Neurologische Klinik und Poliklinik, das Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie ihre Expertise für eine moderne und patientenzentrierte Versorgung. Je nach Krankheitsbild unterstützen weitere Fachgebiete bei der Diagnostik, darunter Radiologie und Neuroradiologie, Nuklearmedizin sowie Laboratoriumsmedizin. 

„Kognitive Erkrankungen sind oft komplex. Gute Diagnostik und Behandlung gelingen deshalb nur, wenn die beteiligten Fachrichtungen eng zusammenarbeiten“, erklärt Prof. Martin Dichgans, Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am LMU Klinikum. „Mit dem neuen Zentrum schaffen wir dafür feste Strukturen und gemeinsame Abläufe, um Patienten mit kognitiven Störungen noch schneller und besser zu versorgen.“ Die beteiligten Einrichtungen arbeiten künftig noch enger in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Forschung zusammen. Durch abgestimmte Prozesse und kurze Kommunikationswege sollen komplexe Fragestellungen schneller gemeinsam bearbeitet und neue Erkenntnisse rascher in die Versorgung übertragen werden. Für Patienten und Zuweiser bleiben die bisherigen Ansprechpartner und Zugangswege bestehen. 

Neue Therapien sollen schneller bei den Patienten ankommen

Ein Schwerpunkt des Zentrums ist die Einführung neuer Diagnose- und Behandlungsmethoden. Dazu gehören auch neue Amyloid-Antikörper-Therapien für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit früher Alzheimer-Krankheit (siehe Patientengeschichte: Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Alzheimer | LMU Klinikum). Diese Therapien stellen hohe Anforderungen an Auswahl, Diagnostik und Überwachung. Deshalb arbeiten die beteiligten Fachrichtungen nach gemeinsamen Standards. Schwierige Fälle besprechen die Expertinnen und Experten regelmäßig in interdisziplinären Konferenzen.

„Neue Therapien helfen nur dann, wenn sie sicher und gezielt eingesetzt werden“, sagt Prof. Dr. Günter Höglinger, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am LMU Klinikum. „Dafür braucht es klare Abläufe, erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten sowie eine enge Abstimmung zwischen den einzelnen Fachdisziplinen.“ Das Zentrum für Kognitive Störungen entwickelt gemeinsame diagnostische Wege und Behandlungspfade. Es überprüft diese regelmäßig und passt sie an neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Leitlinien an.

Breites Angebot für Menschen mit kognitiven Störungen

Das Zentrum untersucht und behandelt Menschen mit subjektiven und leichten kognitiven Störungen, Demenzerkrankungen und neuropsychiatrischen Symptomen. Dazu gehören unter anderem Alzheimer-Krankheit, frontotemporale Demenz, Lewy-Körper-Krankheit, vaskuläre kognitive Störungen, Normaldruckhydrozephalus, atypische Parkinson-Syndrome sowie kognitive und Verhaltenssymptome bei anderen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen.

Zur Diagnostik gehören je nach Fragestellung neuropsychologische Tests, Untersuchungen von Blut und Nervenwasser, moderne Bildgebung und genetische Verfahren. Die beteiligten Einrichtungen versorgen Patientinnen und Patienten ambulant und stationär. Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte bietet das Zentrum strukturierte Abklärungen, fachübergreifende Konsile und gemeinsame Behandlungskonzepte. Ein weiteres Ziel ist eine bessere Zusammenarbeit über die Grenzen einzelner Versorgungsbereiche hinweg. Ambulante Behandlung, Akutmedizin, Rehabilitation und langfristige Betreuung sollen enger aufeinander abgestimmt werden.

Forschung und Versorgung enger verzahnen

Das Zentrum ist zugleich eine Plattform für klinische Forschung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den beteiligten Fachgebieten sollen dort gemeinsame Projekte entwickeln. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die für die Versorgung von Patienten unmittelbar wichtig sind. Neue Erkenntnisse sollen möglichst rasch in Diagnostik und Therapie einfließen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf neuen krankheitsverändernden Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen wie den Antikörpertherapien bei früher Alzheimer-Krankheit. 

Das Zentrum beteiligt sich an klinischen Studien aller Phasen. Dazu gehören eigene wissenschaftliche Studien, nationale und internationale Verbundprojekte sowie Studien mit industriellen Partnern. „Forschung und Versorgung gehören eng zusammen“, sagt Prof. Robert Perneczky, Leiter der Abteilung für Psychische Gesundheit im Alter und des Alzheimer Therapie- und Forschungszentrums der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Unser Ziel ist, neue Erkenntnisse nicht nur zu gewinnen, sondern sie so schnell wie möglich sinnvoll für Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen.“