Lolli-Test: Effektiv und gut durchführbar1. September 2021 Dr. Alexander Joachim (Foto: Michael Wodak) Durch seine unkomplizierte Art der Probengewinnung genießt der Lolli-Test eine hohe Akzeptanz an Schulen und Kitas. Das zeigt eine Studie, die das Testverfahren an fünf Standorten in Deutschland erprobt hat. Der sichere Betrieb von Schulen und Kindertagesstätten stellt die Gesellschaft seit Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie vor große Herausforderungen. In einer multizentrischen Studie mit mehr als 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden Kinder und Jugendliche sowie Personal von Kitas und Schulen an fünf Standorten in Deutschland über einen Zeitraum von bis zu zehn Wochen getestet. Hierbei wurde die Methode der gepoolten „Lolli-Tests“ (SARS-CoV-2-PCR aus gepoolten Speichelproben einer ganzen Gruppe oder Klasse) eingesetzt und die Akzeptanz und Durchführbarkeit im Betrieb der Bildungseinrichtungen untersucht. Die Studie zeigt deutlich, dass das Testverfahren durch seine unkomplizierte Art der Probengewinnung eine hohe Akzeptanz an Schulen und Kitas genießt. Nur 0,5 Prozent der Teilnehmenden beendeten die Studie vorzeitig. Insgesamt wurden 36 Fälle von SARS-CoV-2 detektiert, die „Lolli-Tests“ zeigten sich gleichwertig zu konventionellen PCR-Rachenabstrichen. Im Verlauf konnten keine Folgeinfektionen in den Gruppen nachgewiesen werden. „Wir gehen davon aus, dass wir mit der hier vorgestellten Methode eine höhere Sensitivität als mit den vielerorts angewendeten Antigen-Schnelltests erzielen. Zudem wird den Schülerinnen und Schülern sowie dem Schulpersonal das eigentliche Testen und die Testauswertung abgenommen und in zertifizierten Laboren durchgeführt“, erklärt Dr. Alexander Joachim, Mitarbeiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln und Erstautor der Studie. Eine weitere Besonderheit der Studie stellt den Forschenden zufolge der Umgang mit Kontaktpersonen dar. Wenn in einer Gruppe oder Klasse ein SARS-CoV-2 positives Kind nachgewiesen wurde, konnten alle negativ getesteten Personen die Einrichtung weiterhin besuchen, auch wenn sie vom Gesundheitsamt als Kontaktperson eingestuft wurden. Lediglich das positiv getestete Kind und Familienangehörige mussten in Quarantäne gehen. In der engmaschigen Nachbeobachtung wurden keine Folgeansteckungen nachgewiesen. Jedoch sei hier zu bedenken, dass zum Zeitpunkt der Studiendurchführung die aktuell verbreitete Delta-Variante des Virus noch keine Rolle im Infektionsgeschehen spielte, heißt es von Seiten der Universität Köln. Die derzeit laufenden Studien müssen zeigen, ob mit der Delta-Variante genauso verfahren werden kann, so die Autoren der Studie. In der Detailanalyse der gefundenen Fälle konnte gezeigt werden, dass Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Sozialraumgebieten ein erhöhtes Risiko für eine Infektion aufwiesen. Diese Erkenntnisse decken sich mit internationalen Beobachtungen und zeigen die Notwendigkeit von zusätzlichen Informations- und Impfangeboten für diese Gesellschaftsgruppe. Die Studie wurde durch die Uniklinik Köln und die Medizinische Fakultät sowie das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) initiiert und geleitet. Die Förderung erfolgte durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Originalpublikation: Joachim A et al. Pooled RT-qPCR testing for SARS-CoV-2 surveillance in schools – a cluster randomised trial. Lancet EClinicalMedicine, 1. September 2021
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