Lungenfunktion im Kindesalter: Bakterien im Klassenzimmer-Staub können zu Beeinträchtigung führen

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Eine gerade vorgestellte Studie könnte Aufschluss darüber geben, wie die Schule für Kinder zu einer gesunden Umgebung werden kann, wenn es um die Lungenfunktion und -entwicklung geht.

Wie Forschende auf dem diesjährigen Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Barcelona (Spanien) berichteten, stehen häufig im Staub von Klassenzimmern vorkommende Bakterien mit einer beeinträchtigten Lungenfunktion bei Kindern in Zusammenhang.

Zwei Bakteriengruppen im Fokus

Dr. Soutrik Banerjee vom Institut für Umwelt- und Präventionswissenschaften der Universität Ferrara (Italien) berichtete auf dem Kongress: „Wir wissen, dass die Raumluftqualität in Schulen durch Schadstoffe, Luftfeuchtigkeit, Belüftung, Temperatur, Feuchtigkeit und biologische Faktoren wie Pilze und Bakterien beeinflusst werden kann. Weitaus weniger ist jedoch darüber bekannt, ob die im Staub von Klassenzimmern vorkommenden Bakterienarten mit der Lungenfunktion von Kindern in Zusammenhang stehen.“ Er ergänzte: „Wir interessierten uns insbesondere für zwei Bakteriengruppen, Streptomyces und Mycobacterium spp., die in Böden, Staub und Gewässern vorkommen. Wir wollten herausfinden, ob eine höhere Belastung mit diesen Bakterien im Klassenzimmer mit der Lungengesundheit von Kindern in ganz Europa zusammenhängt.“ Banerjee ist neben seiner Arbeit an der Universität Ferrara auch für das französische Technologieunternehmen Alten S.A. tätig.

Das Forscherteam griff auf Daten der SINPHONIE-Studie (Schools Indoor Pollution and Health: Observatory Network in Europe) zurück: Diese stammten aus 22 europäischen Ländern und betrafen fast 300 Klassenzimmer.

Die Wissenschaftler führten Analyse zu den Mengen von Streptomyces– und Mycobacterium-Arten im Staub durch und testeten die Lungenfunktion von Kindern aus jedem Klassenzimmer mittels Spirometrie. Die Forscher bereinigten die Daten hinsichtlich Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, der Exposition gegenüber Passivrauch sowie Tierallergenen und berechneten auch sozioökonomische Indikatoren mit ein. Das Alter des jeweiligen Schulgebäudes, die Region und lokale Luftverschmutzung spielten ebenfalls eine Rolle.

Mehr Bakterien, geringere Einsekunden- und forcierte Vitalkapazität

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Kinder in Klassenzimmern mit höheren Streptomyces-Werten eine um 0,08 Liter geringere forcierte Vitalkapazität aufwiesen. Außerdem beobachteten sie, dass Kinder in Klassenzimmern mit höheren Mycobacterium-Werten eine leicht erniedrigte Einsekundenkapazität (0,06 l weniger) und einen geringeren Peak Flow (0,13 l/sec weniger) hatten.

„Obwohl die festgestellten Reduktionen für jedes einzelne Kind gering ausfielen, sind sie statistisch signifikant und könnten für die Gesamtbevölkerung von Bedeutung sein“, betonte Banerjee. „Kinder sind an jedem Wochentag der Raumluft in der Schule ausgesetzt, und eine leichte bis mittelschwere Einschränkung der Lungenfunktion kann ein Vorbote vermeidbarer Lungenerkrankungen im späteren Leben sein.“

Banerjee vermutet, dass Bakterien im Staub die Atemwege reizen oder Immun- und Entzündungsprozesse aktivieren können. Er hält es außerdem für möglich, dass diese Bakterien Indikatoren für die allgemeinen Bedingungen im Klassenzimmer sind, wie zum Beispiel Feuchtigkeit, Belüftung, Reinigungspraktiken oder Staub, der von draußen ins Gebäude gelangt. „Die Bakterien können entweder eine direkte biologische Wirkung haben oder Indikatoren für andere Umweltfaktoren in Innenräumen sein, die die Lungenfunktion beeinflussen“, sagt der Wissenschaftler.

Prof. Alexander Möller, Leiter der Pädiatrischen Sektion der ERS und Professor für Pädiatrische Pneumologie am Universitäts-Kinderspital Zürich (Schweiz) fasste die Studie wie folgt zusammen: „Die praktische Botschaft lautet nicht, dass Schulen sterile Umgebungen werden sollten. Vielmehr sollten sie den Fokus auf gute Raumluftqualität legen: ausreichende Belüftung, Kontrolle von Feuchtigkeit und Schimmel, regelmäßige Reinigung und ordnungsgemäße Instandhaltung des Gebäudes.“ Möller fügte hinzu: „Kinder verbringen viel Zeit im Klassenzimmer, daher ist es wichtig, dass wir verstehen, wie wir diese Umgebung sicher und gesund gestalten können. Diese Studie legt nahe, dass Investitionen in Raumluftqualität, Gebäudeinstandhaltung und die Überwachung der Umgebungsbedingungen in Klassenzimmern gut angelegtes Geld sind.“ (ac/BIERMANN)