Lungenkrebs im Frühstadium: Neuer Ansatz strafft Ablauf von Diagnose bis OP1. September 2026 Abbildung: BillionPhotos.com/stock.adobe.com An der University of California, Los Angeles Health (USA) hat man einen neuen Prozess in vier Schritten eingeführt, der Patienten von der Lungenkrebsdiagnose bis zur Operation führt – und dies anstatt in Wochen in nur wenigen Stunden. Für Patienten mit Lungenkrebs im Frühstadium umfasst der Weg von der Diagnose bis zur Behandlung oft mehrere Eingriffe, die sich über Wochen oder sogar Monate erstrecken. In dieser Zeit müssen sich Patienten möglicherweise separaten Biopsien zur Bestätigung der Diagnose, zusätzlichen Untersuchungen zur Feststellung einer etwaigen Ausbreitung des Tumors sowie Verfahren zur Lokalisierung schwer auffindbarer Tumoren unterziehen, bevor schließlich die Operation zur Entfernung des Krebses erfolgt. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich ein so in die Länge ziehender Prozess auf die Behandlungsergebnisse auswirken kann: Längere Zeiträume zwischen Diagnose und Behandlung gehen mit höheren Rückfallraten und einer geringeren Überlebensrate einher. Diagnose, Staging, Tumorlokalisation und chirurgische Behandlung in einem Um für diese Herausforderung eine Lösung zu bieten, haben die Teams für Thoraxchirurgie, interventionelle Pneumologie und Pathologie von der University of California, Los Angeles (UCLA) Health einen neuen, gestrafften Ansatz eingeführt. Dr. Bryan Burt, Professor und Leiter der Thoraxchirurgie an der UCLA sowie Forscher am UCLA Health Jonsson Comprehensive Cancer Center, beschreibt, wie das genaue Vorgehen dabei aussieht: „Zunächst wird mittels robotergestützter Bronchoskopie eine Biopsie des verdächtigen Lungenrundherdes entnommen und in Echtzeit von unseren Pathologen untersucht. Zweitens nutzen wir den endobronchialen Ultraschall (EBUS), um Lymphknoten im Brustraum zu biopsieren und ebenfalls in Echtzeit festzustellen, ob der Krebs auf diese Lymphknoten übergegriffen hat. Drittens können wir einen kleinen Marker (Fiducial) in oder neben den Rundherd setzen, damit der Chirurg den kleinen Tumor während der Operation präzise lokalisieren kann. Viertens: Bestätigt sich, dass es sich um ein frühes Krebsstadium handelt, kann der Operateur mit der robotergestützten Resektion zur Entfernung des Tumors fortfahren.“ Bei ausgewählten Patienten mit Verdacht auf Lungenkrebs im Frühstadium lasse sich so das, was normalerweise Wochen oder Monate dauern kann, möglicherweise in wenigen Stunden bewältigen, betont Burt. Studien bestätigen Zusammenhang zwischen Dauer des Prozesses und Gesamtüberleben Für Burt gehört zu den wichtigsten Argumenten für den neuen, komprimierten Ansatz die aktuelle Studienlage: Sie belege, dass Verzögerungen zwischen der Entdeckung oder Diagnose von Lungenkrebs im Frühstadium und der Operation die Behandlungsergebnisse verschlechtern können. „In einer kürzlich durchgeführten Studie unter der Leitung eines Assistenzarztes für Chirurgie an der UCLA betrug die mediane Zeitspanne zwischen der Entdeckung eines verdächtigen Lungenrundherdes und der Operation 57 Tage, wobei die Wartezeit der Patienten zwischen 41 und 79 Tagen lag“, berichtet Burt. „Die Studie ergab, dass Betroffene ein kürzeres Überleben insgesamt sowie höhere Rückfallraten aufwiesen, wenn dieser Zeitraum acht Wochen überschritt.“ Reza Ronaghi (li.) und Bryan Burt. (Foto: UCLA Health) Burt nennt eine weitere große Studie an Patienten des Veterans Affairs Gesundheitssystems, in der die durchschnittliche Zeitspanne von der Lungenkrebsdiagnose bis zur Operation etwa 70 Tage betrug. „Überschritt die Zeit bis zur Operation einen Zeitraum von zwölf Wochen, zeigten sich auch hier ein geringeres Gesamtüberleben und höhere Rückfallraten“, sagt der Mediziner von der UCLA. „Diese Studien verdeutlichen, dass bei Lungenkrebs im Frühstadium der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle spielt. Unser Ziel ist es, unnötige Verzögerungen zu vermeiden und diese Schritte zusammenzuführen, wann immer dies für den Patienten sinnvoll ist.“ Vorteile des gestrafften Prozesses aus Patientensicht Dr. Reza Ronaghi, interventioneller Pneumologe und Intensivmediziner bei UCLA Health, sagt: „Vom Zeitpunkt der Entdeckung eines Rundherds in der Lunge bis zur Behandlung haben Patienten oft das Gefühl, zwischen verschiedenen Fachärzten hin- und hergeschoben zu werden – wie beim Ping-Pong. Sie müssen vielleicht einen Arzt aufsuchen, der die Biopsie macht, einen weiteren für das Staging und dann noch einen für die Behandlung, wobei jeder Schritt potenziell mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann. Dieser Ansatz fasst diese Schritte in einer einzigen Behandlungsphase zusammen, wodurch der gesamte Prozess auf wenige Stunden verkürzt werden kann. Zudem hilft er, die Ängste zu lindern, die mit dem Warten auf Diagnose und Behandlung einhergehen. Üblicherweise müssten Patienten über einen Zeitraum von Wochen oder gar Monaten hinweg diverse Termine und Untersuchungen wahrnehmen, erklärt Ronaghi: „Mit diesem Ansatz aber lässt sich dieser Prozess womöglich auf einen einzigen, drei- bis vierstündigen Behandlungstermin verkürzen.“ Angesprochen auf weitere Auswirkungen, die dieser Ansatz auf die Patienten hat, betont Burt die psychische Komponente. Die Wartezeit zwischen einem verdächtigen Befund in der Bildgebung, der Biopsie, dem Staging und der eigentlichen Behandlung könne enorme Ängste auslösen. Ronaghi ergänzt, dass es aus Patientensicht auch etwas sehr Positives haben könne, „ohne Diagnose zu kommen und wenige Stunden später bereits mit einer Diagnose – und, sofern angemessen, auch schon nach erfolgter Behandlung – wieder aufzuwachen“. Ein weiterer Pluspunkt für den Patienten sei, dass es sich um ein minimalinvasives Verfahren handelt. Nicht jeder Patient kann, nicht jeder Schritt im Prozess muss „Der Ansatz ist nicht für jeden geeignet“, stellt Burt klar. Die Patienten würden sorgfältig auf der Grundlage ihrer Befunde aus bildgebenden Verfahren – Scans aus der Computertomographie und Positronen-Emissions-Tomographie – und anderer klinischer Informationen ausgewählt. „So stellen wir fest, ob wahrscheinlich ein Lungenkarzinom im Frühstadium vorliegt und ob die Patienten für die einzelnen beschriebenen Schritte infrage kommen“, erklärt der Mediziner. Nicht immer seien alle Schritte des Prozesses nötig, erläutert Ronaghi. Er betont, dass der Beginn des Prozesses nicht zwangsläufig bedeutet, dass der Patient am Ende tatsächlich operiert wird. „Wenn sich beispielsweise während des Eingriffs beim Staging herausstellt, dass der Krebs bereits in die Lymphknoten gestreut hat, entscheiden wir uns möglicherweise gegen eine chirurgische Resektion zu diesem Zeitpunkt.“ (ac/BIERMANN)
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