Lynch-Syndrom: Präventiver Impfstoff vielversprechend

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Der experimentelle Krebsimpfstoff NOUS-209 stimuliert das Immunsystem sicher dahingehend, Krebsvorstufen und -zellen bei Menschen mit Lynch-Syndrom gezielt anzugreifen. Dies geht aus einer aktuellen Studie in „Nature Medicine“ hervor.

Das Lynch-Syndrom (LS) geht mit einem Risiko von bis zu 80 Prozent einher, im Laufe des Lebens eine der damit verbundenen Krebserkrankungen zu entwickeln. Etwa eine von 300 Personen ist davon betroffen. Verursacht wird es durch Keimbahnmutationen in den DNA-Mismatch-Reparaturgenen, die zu Mikrosatelliteninstabilität (MSI) und der Akkumulation gemeinsamer Mutationen führen. Treten diese in kodierenden Regionen auf, erzeugen sie Frameshift-Peptide (FSPs), wie die Autoren einer aktuellen Publikation um Dr. Anna Morena D’Alise vom Unternehmen Nouscom in Rom, Italien, erläutern.

Mit heterologer Impfstrategie gegen Frameshift-Peptide

Gegen solche FSPs soll das Immunsystem jetzt mit einem Impfstoff trainiert werden: Nous-209 ist eine Neoantigen-gerichtete Immuntherapie, die auf einer heterologen Primär-Boost-Immunisierung mit einem Menschenaffen-Adenovirus und einem Modified-Vaccinia-Ankara-Virus basiert, die für 209 FSPs kodieren, welche in MSI-Neoplasien vorkommen.

In „Nature Medicine“ stellen die Wissenschaftler die Ergebnisse der Kohorte 1 ihrer einarmigen Phase-Ib/II-Studie (NCT05078866) mit Nous-209 zur Krebsintervention bei 45 LS-Trägern. Als koprimäre Endpunkte hatte sie die Sicherheit und die Immunogenität definiert.

Sicher und offenbar auch wirksam

Die Impfung erwies sich als sicher, wie die Beurteilung aller 45 Teilnehmer zeigte: Es seien keine interventionsbedingten schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse (UE) aufgetreten, schreibt das Team. Häufigste UE waren Reaktionen an der Injektionsstelle (jeglichen Schweregrades bei 91% der Teilnehmer nach der Grundimmunisierung und bei 76% nach der Auffrischungsimpfung, ohne Grad 3) und Fatigue (jeglichen Schweregrades bei 80% nach der Grundimmunisierung und 53% nach der Auffrischungsimpfung, inkl. 4 mit Grad 3 nach der Grundimmunisierung oder dem Boost).

Neoantigen-spezifische Immunantworten konnten die Autoren nach der Impfung bei 100 Prozent der 37 auswertbaren Teilnehmer beobachten, mit Induktion einer starken T-Zell-Immunität (mittlere Reaktion am Höhepunkt: ~1100 Interferon-γ-Spot-bildende Zellen/ Million peripherer mononukleärer Blutzellen). Diese Immunantwort habe angehalten und sei nach einem Jahr bei 85 Prozent der Teilnehmer nachweisbar gewesen, berichten D’Alise et al. Sowohl CD8+- als auch CD4+-T-Zellen, die mehrere FSPs erkannten, wurden induziert.

Ein Jahr nach der Behandlung hätten die Forscher weniger Krebsvorstufen und keine neuen fortgeschrittenen Polypen beobachtet, heißt es in einer dazu gehörigen Pressemitteilung des MD Anderson Cancer Center in Houston. Dies liefere erste Hinweise darauf, dass NOUS-209 dazu beitragen könne, Krebs vor seiner Entstehung zu verhindern.

Weitere Untersuchungen in Arbeit

Wie das Team ferner ausführt, konnten mithilfe von Peptid-HLA-Vorhersagen mehr als 100 immunogene FSPs identifiziert und in vitro zytotoxische Aktivität nachgewiesen werden. Immunogene FSPs seien in unabhängigen Datensätzen von LS-MSI kolorektalen Präkanzerosen und Kolorektalkarzinomen gefunden worden.

Als Nächstes werden die Forscher daran arbeiten, zu verstehen, wie NOUS-209 Immunreaktionen in größeren und stärker gefährdeten Populationen von LS-Trägern auslösen kann. Auch die optimale Dosierung und die Dauer des Immunschutzes über mehrere Jahre werden erforscht. (sf/BIERMANN)